«Katharina die Kühne» aus der Feder von Jack Popplewell (Dialektfassung Hans Gmür) ist keine dieser typischen Verwechslungskomödien, die davon leben, dass jemand zum falschen Moment an einem Ort ist und eine Szene beobachtet, die er missdeutet. Bei diesen resultiert die Komik für den Zuschauer daraus, dass er mehr weiss als die Akteure. Aber im diesjährigen Stück des Theatervereins Stein weiss auch das Publikum nicht mehr. Bis zum Schluss tappt auch es im Dunkeln, bis sich dann nach drei Akten endlich herausstellt, wer der Mörder ist.

Die Geschichte ist auch zu aberwitzig. Da entdeckt Katharina Pfister (Corinne Binkert), eben die Kühne, beim Putzen eine Leiche, die umherwandert, ganz verschwindet, dann quicklebendig wieder auftaucht, um schliesslich selbst des Mordes bezichtigt zu werden. Angeblich soll Lukas Manz (Rainer Ackermann) den Liebhaber seiner Frau Rita (Katrin Gisler) um die Ecke gebracht haben. Polizei-Kommissar Heiri Koller (Stefan Sacher) beisst sich am komplizierten Fall fast die Zähne aus. Zum Glück hat er Katharina an seiner Seite, welche die Ermittlungen in die eigenen Hände nimmt.

Ein bisschen Miss Marple

Die Konstellation erinnert schwer an Miss Marple und den Kommissar, der von der schrulligen Hobbypolizistin auch stets genervt ist. In «Katharina die Kühne» kommt hinzu, dass die beiden früher einmal etwas miteinander hatten. So schweifen die Dialoge, ganz zur Freude der Zuschauer, nicht nur einmal ab oder verlieren sich in Missverständnissen. Dabei kann sich das Publikum am besten mit Katharina identifizieren, einer einfachen, aber klugen Frau, die sich durch Wichtigtuer und Autoritäten nicht einschüchtern lässt. Und die Rolle scheint Corinne Binkert wie auf den Leib geschrieben. Immer wieder erhielt sie am Freitagabend Szenenapplaus, auch für ihre Slapstick-Einlagen.

Charme der 70er-Jahre

«Katharina die Kühne» in der Steiner Version ist eine Krimikomödie, die Haus-Regisseurin Ester Ammann, es ist ihre 24. Inszenierung, optisch in die Zeit der 70er- Jahre versetzt hat – nicht nur die psychedelischen Hemdmuster des Polizei-Hauptmanns erinnern daran. Das macht die 35. Produktion des Theatervereins Stein zusätzlich charmant, der sich, trotz des ungünstigen Datums – Freitag der 13. – über eine restlos gelungene Premiere und ein gut besuchtes Theaterstübli freuen durfte. Aber Schauspieler sind bekanntlich ja nicht abergläubisch.

Zum Schluss trat das ganze Ensemble noch in eigener Sache auf die Bühne. Vereinspräsidentin Katrin Gisler ehrte Erwin Kälin, der in Rolle des Polizisten Stubenrauch schon zum 30. Mal für den Theaterverein Stein auf der Bühne steht. «Ohne euch geht es nicht», wandte sich dieser ans Publikum: «Euer Applaus ist das Brot des Schauspielers.»