Film ab, Kamera läuft, Auftritt Regula Laux. Die 53-Jährige ist Filmemacherin, Journalistin, Medienpädagogin, Politikwissenschaftlerin und arbeitet seit zehn Jahren Teilzeit für das Rehmann-Museum in Laufenburg. Bildhauer Erwin Rehmann fragte Laux 2007 an, ob sie nicht die Kommunikation für das Museum machen wolle. Sie wollte und seither kamen immer mehr Aufgaben hinzu. Aktuell ist Laux Geschäftsführerin und kuratierte nach dem Abgang von Cornelia Ackermann auch die letzten beiden Ausstellungen.

Mit Erfolg: Die Streetart-Ausstellung lockte in drei Monaten so viele Besucher ins Museum wie sonst im ganzen Jahr. «Ich habe etwas ausprobiert und es hat funktioniert», sagt Laux. Man hört ihr an, dass sie darauf durchaus auch stolz ist. Es sei ihr darum gegangen, jüngere Menschen anzusprechen, sagt sie. Und das sei gelungen. Sie weiss aber auch: «Veränderungen sind immer eine Gratwanderung.» Dabei gehe es darum, Neues zu wagen, aber gleichzeitig die bisherigen Stammbesucher nicht vor den Kopf zu stossen.

Schnitt. Ende Jahr nun ist Schluss; Regula Laux hört als Geschäftsführerin auf. Zu ihrer Nachfolgerin hat der Stiftungsrat jüngst Ute W. Gottschall gewählt (AZ berichtete).

Schnitt. Regula Laux führt durch die aktuelle Ausstellung «Deux Amis», weist hier auf ein Detail hin, lässt da eine der Installationen von Gilbert Peyre laufen. Musik ertönt und ein Rock und eine Hose führen einen Tanz auf, nähern sich an – bis die Hose fällt. Es ist genial gemacht und regt zum Schmunzeln an. Wenn man Regula Laux zuhört, wie sie über die Ausstellung spricht, ihre Arbeit, spürt man die Faszination, das Feuer. Da tanzen die Worte.

Warum hört sie dann auf? Zum einen ist es der Wunsch, wieder vermehrt als Journalistin und Kommunikationsfrau zu arbeiten. «Viele Projekte musste ich in den letzten Jahren zurückstellen oder ablehnen, da es zeitlich nicht ging.» Dies wiederum hängt auch stark mit einer Wesenseigenschaft von Laux zusammen: Wenn sie etwas macht, dann richtig, mit vollem Einsatz, mit Herzblut. Aus den offiziellen 30 Prozent, die sie für das Rehmann-Museum arbeitet, wurden so oft 50, 60, 80 Prozent. «Ich spürte in letzter Zeit, dass mich dies belastet, dass ich unzufrieden wurde.»

Und da kam, zum anderen, das äussere Moment hinzu. Im Stiftungsrat und auch beim «Hütedienst», also jenen Personen, die während den Öffnungszeiten zum Rechten schauen, gibt es Veränderungen. Diesen Umbruch nutzte Laux, um sich selbst zu fragen: Mache ich weiter oder breche ich ebenfalls auf? Sie entschied sich für Letzteres, weil sie noch so vieles realisieren will. Aber auch, weil sie überzeugt ist: «Der personelle Umbruch ist für das Museum auch eine Chance, dass neue Leute neue Ideen einbringen.» Diese brauche es, davon ist Laux überzeugt, um auch in Zukunft erfolgreich wirtschaften zu können.

Kollektentopf statt Eintritt

Denn der allgemeine Trend, dass Museen Jahr für Jahr Besucher verlieren, verschonte auch das Rehmann-Museum nicht. Es gelte, die Jungen anzusprechen, mit interaktiven Ausstellungen, kultigen Rahmenveranstaltungen oder auch kulinarischen Expeditionen. Dazu lädt auch das neue Bistro ein, das gut angelaufen sei, so Laux. Seit dieses eröffnet wurde, verlangt das Museum auch für die Ausstellungen keinen Eintritt mehr. Am Eingang steht ein Kollektentopf.

«Das hat sich bewährt», zieht Laux Bilanz. «Wir nehmen nicht weniger ein als mit den Eintritten.» Ihre persönliche Bilanz ist «absolut positiv». Sie habe viel gelernt, auch von Erwin Rehmann, den sie auch mit seinen 95 Jahren noch als «sehr aufgeschlossen» und «spannenden Gesprächspartner» erlebt und der für Visuelles «ein Wahnsinnsauge» hat. Die Jahre im Rehmann-Museum seien sicher auch intensiv gewesen. «Missen möchte ich aber kein Einziges.»

Regula Laux lacht, herzlich. Über die Installation, vor der wir stehen. Auf Knopfdruck beginnen sich Gläser, Teller und Löffel im Takt zu bewegen, insinuieren einen Essens-Zwei-Takter. Aber sie lacht auch etwas über sich, denn eben fällt ihr auf: «So lange wie im Rehmann-Museum war ich noch nirgends.»

Schnitt. Würde man das Leben von Regula Laux verfilmen, wäre «Die Reisende» ein möglicher Titel. Vater Deutscher mit norwegischen Wurzeln, Mutter Schweizerin, aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen. Studium in Köln, Einstieg in den Journalismus. Radiofrau, TV-Moderatorin und Filmemacherin beim WDR, einem Sender der ARD. 1989 kommt Laux in die Schweiz, will weiterhin beim TV oder Radio arbeiten. Sie bewirbt sich bei SRF, doch die TV-Bosse winken ab. Mit diesem Dialekt – geht gar nicht.

Laux steigt bei einer Tageszeitung in Luzern ein, dreht nebenher weiter Filme. Einen über Waisenhäuser und Adoptionen in Ecuador. Hier trifft sie auf einen Jungen, Leon, dessen Schicksal sie tief berührt. Sie entschliesst sich, Leon zu adoptieren, lebt ein Jahr in Ecuador, bis die Adoption über die Bühne ist.

Anflug auf die Swissair

Zurück in der Schweiz wechselt sie vom Journalismus in die Kommunikationsbranche, ist von 1994 bis 1999 Kommunikationschefin Schweiz bei der Swissair. Mit ihrem Mann Jean-Marc Felix hat sie zwei leibliche Kinder, will jobmässig reduzieren, was bei der Swissair nicht geht. Sie wechselt zu Balair.

Schnitt. Damals lebte die Familie noch im Zürcher Oberland. Da ihr Mann in Basel arbeitete und die Kinder so nur schlafend und am Wochenende erlebte, suchte die Familie ein neues Zuhause, das näher bei Basel lag. «Meine Bedingung war, dass der Ort am Wasser liegen muss», sagt Laux. Das stellte sich als nicht ganz einfach heraus – oder dann als ziemlich teuer. «Wir zogen den Kreis, in dem wir suchten, immer weiter um Basel herum.» 2000 fanden sie dann ein Haus in Laufenburg, kamen ins Fricktal. «Ein Schritt, den wir nie bereut haben», sagt Laux.

Schnitt. Im neuen Jahr beginnt für Laux ein neuer Lebensabschnitt. Ohne Rehmann-Museum. Sie gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge, sagt sie. Das Weinende, weil es «zehn supertolle Jahre» waren. Das Lachende, weil sie noch viele Projekte hat. Weitere Filme könnte sie sich vorstellen, eine Weiterbildung steht ebenfalls auf der To-do-Liste. Vielleicht werde sie auch noch promovieren, sagt die studierte Medienpädagogik- und Politikwissenschaftlerin.

Ein Projekt ist ein Buch über «Urban Art», das sie zusammen mit ihrem Mann realisiert. Es soll im April 2018 erscheinen. Da heisst es: Gas geben. Aber das macht Laux ohnehin. Im Job, im Leben, im sozialen Engagement. Sie hat sich auch stark engagiert bei der IG Asyl Laufenburg. «Weil es wichtig ist, andern Menschen zu helfen», sagt sie. Etwas vom Glück zurückzugeben, das sie erleben durfte.

Kamera ab. Film läuft. Nächste Sequenz.