Münchwilen

«Post»-Wirt kündigt Pachtvertrag – vom Wirte-Dasein hat er genug

Fabio Clausi hört als «Post»-Wirt Ende Juli auf.

Fabio Clausi hört als «Post»-Wirt Ende Juli auf.

Fabio Clausi verlässt das einzige Restaurant in Münchwilen – weil der Umsatz ausblieb.

Fabio Clausi ist enttäuscht. Der Italiener übernahm im März 2017 als Wirt das Restaurant Post in Münchwilen und wollte ein Stück Italien in die kleine Fricktaler Gemeinde bringen. Nun, knapp drei Jahre später, gibt die Ortsbürgerstiftung, die das Restaurant 2016 gekauft hatte, bekannt, dass Clausi den Pachtvertrag per Ende Juli aufgelöst hat. «Es hat sich nicht rentiert», begründet Clausi die Auflösung des Pachtvertrags. Clausi sagt, dass die ersten Monate zwar gut angelaufen, die Gäste dann jedoch ausgeblieben seien. Ein Problem sei die Nähe zum günstigeren Ausland. «Einige sagten mir, dass meine Preise zu hoch wären. Das waren oftmals die Leute, die dann nach Deutschland zum Essen rüber sind», so Clausi. Da habe ihm dann auch im Sommer die grosse Gartenwirtschaft nichts gebracht.

Auch der Pizza-Lieferservice sei ein Schuss in den Ofen gewesen. Während er am Anfang mit den Bestellungen kaum hinterhergekommen sei, habe er nach ein paar Monaten nur noch einen Umsatz von 120 Franken pro Abend durch das Ausliefern von Pizza, Pasta und Co erzielt. «Dazu kamen noch Kosten für einen Fahrer sowie für Werbung und den Wagen, mit dem das Essen ausgeliefert wurde», sagt Clausi. Deswegen habe er den Pizza-Lieferservice schlussendlich aufgegeben.

Clausi sagt, dass er bis Ende Juli nach wie vor sein Bestes geben will. «Ich würde mich natürlich freuen, wenn bis Ende Juli viele Gäste zum Essen kommen würden», sagt er.

Fabio Clausi hat genug vom ­Wirte-Dasein

Zwar schwingt Clausi noch am Abend den Kochlöffel in der «Post», beruflich hat er aber schon andere Wege eingeschlagen. Derzeit arbeitet er als ­Küchenchef in einem Lebensmittelbetrieb im Raum Aarau. Vom Wirte-Dasein hat er – zumindest die nächste Zeit – die Nase voll. «Vielleicht suche ich mir in zwei oder drei Jahren wieder ein Restaurant. Vorerst bin ich mit meiner neuen Stelle glücklich», sagt er.

Bruno Tüscher, Gemeindeammann und Mitglied des Verwaltungsrates der Ortsbürgerstiftung, bedauert den Entscheid von Clausi, kann ihn jedoch auch nachvollziehen. «Als wir gesehen haben, dass es nicht so gut bei ihm läuft, sind wir zusammengesessen und haben beschlossen, die Pacht zu reduzieren», so Tüscher, der sagt, dass vor allem das Mittagsgeschäft schlecht gelaufen sei. «Zwar ist die Entfernung zwischen dem Restaurant und dem Sisslerfeld nicht gross, für viele Angestellte aus dem Sisslerfeld scheint der Aufwand dennoch zu gross zu sein, um in der Mittagspause den Weg zur ‹Post› in Kauf zu nehmen», sagt Tüscher.

Auch alt Gemeindeammann Willy Schürch, der damals Mitinitiant des Kaufs der Liegenschaft war, findet es schade, dass Clausi per Ende Juli das Restaurant verlässt. «Er versteht sein Handwerk. Ich war wöchentlich bei ihm – und es hat mir immer geschmeckt», so Schürch.

Für die Ortsbürgerstiftung geht es nun darum, einen Leerstand zu verhindern – nicht nur, weil der Kredit für das Restaurant bedient werden muss, sondern auch, weil es das einzige Restaurant in der Gemeinde ist und «einen Mehrwert für das gesellschaftliche Dorfleben bringt», wie Tüscher sagt.

Eine Wirtsfamilie als Wunsch

Tüscher ist überzeugt davon, dass man mit der «Post» in Münchwilen wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Ideal wäre, wenn eine Wirtsfamilie das Restaurant führen und die Wohnung in der Liegenschaft nutzen würde. «Einerseits sparen sie sich so die Mietkosten, weil diese in der Pacht inbegriffen ist. Andererseits bringt die Nähe zum Betrieb Flexibilität», so ­Tüscher.

In Kürze würde man beginnen, einen Nachfolger zu suchen. Kein leichtes Unterfangen, gibt Bruno Tüscher zu. «Vorgaben zum gastronomischen Konzept machen wir keine, ausser dass es kein Imbiss werden soll», sagt er.

Aargauer Gastro-News 2020:

Autor

Dennis Kalt

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