Eiken
Panini-Bildli-Tauschbörse: «Hani, hani, hani ned –die nehmi alli...»

Am Samstag ging es auf dem Platz des FC Eiken zu wie auf der Börse. Gehandelt wurde ein kostbares Gut - Panini-Fussballbildchen.

Hans Christof Wagner
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Bei der Panini-Tauschbörse in Eiken ging es konzentriert zur Sache.
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Wer viele Abziehbildchen mitbrachte, hatte gute Chancen, noch fehlende zu ergattern.
Panini-Bilderbörse beim FC Eiken

Bei der Panini-Tauschbörse in Eiken ging es konzentriert zur Sache.

Hans Christof Wagner

«284?» «Nein.» – «489?» «Nein.» – «530?» – «Nein.» Gleich drei Mal bleiben die Anfragen von Nicolas Stieger erfolglos. Kein Bildli, das der 16-Jährige aus Eiken doppelt hat, kann er hier an den Mann bringen. Aber es gibt ja noch genügend weitere potenzielle Tauschpartner zu befragen.

Fast alle Tische auf der Terrasse des FC-Clubheims sind mit Menschen besetzt, die unterschiedlich alt sind, aber eine Leidenschaft gemeinsam haben - die Liebe zu den 5 mal 6 Zentimeter kleinen Abziehbildchen, die Fussballstars, Stadien und Mannschaftsfotos zeigen. Im Fünferpack gibt es sie zu kaufen - für 70 Rappen bis zu einem Franken, und keiner weiss vorher, was drin ist.

So kommen die Doppelten oder Dreifachen zustande, die hier heute Nachmittag Währung sind für die Tauschgeschäfte. Alle sind hier in der Hoffnung versammelt, die Lücken im 660 Sticker fassenden Sammelalbum, das Ende März in der Schweiz herausgekommen ist (mit besserer Papierqualität im Vergleich zu anderen Ländern) füllen zu können. Und alle geniessen hier die Atmosphäre, die Tauschen face to face bietet, nicht anonym übers Internet.

Nicolas sagt: «Eigentlich sammele ich nur, wenn die Schweiz auch mit dabei ist». Und er ist in einer guten Position. Gleich stapelweise hat er Tauschware dabei, gut verpackt in Tupperware. So wollen in Eiken viele einen Blick auf seine Bestände werfen. Sie haben die Ziffern der ihnen noch fehlenden Panini auf Listen zusammengestellt – die einen handschriftlich, die anderen fein säuberlich auf dem Computer. Jetzt werden diese mit den Doppelten des Tauschpartners abgeglichen.

Kann dieser bieten, was dem anderen auf der Liste fehlt und umgekehrt, kommt der Deal zustande und die jeweilige Ziffer wird aus der Liste gestrichen. Kurios: Die Bildi liegen alle mit der Rückseite nach oben auf dem Tisch. Kaum jemand ist wirklich an den Namen und den Gesichtern der Spieler interessiert. Hauptsache ist, das Sammelheft voll zu bekommen und das möglichst, so lange die WM in Brasilien noch läuft.

Tim Friedli sagt: «Ich will es bis zum Halbfinale voll haben.» Der 10-Jährige aus Eiken ist zum ersten Mal Panini-Sammler und in seinem Heft klaffen noch viele Lücken. Bei der Schweizer Mannschaft sind nur Stephan Lichtsteiner, Ricardo Rodriguez und Admir Mehmedi drin. Tims Stapel mit Doppelten ist im Vergleich zu anderen auch recht überschaubar.

Er und Mama Claudine haben sich spontan entschlossen, aufs FC-Gelände zu kommen. Und so ist er nicht so top vorbereitet wie mancher hier, der schon Paninis in den 70ern tauschte, der Zeit als die kleinen Bildli aus Italien zu ihrem Siegeszug antraten.

Auch Levin Diego Zingel aus Eiken ist ein Neuling unter den Panini-Freaks. Das Herz des Vierjährigen schlägt bei der WM für Deutschland. «Doch seine Oma ist aus Portugal, und so findet er dieses Team auch ganz gut», sagt Mama Anna-Lena.

Sie selbst kann dem Tauschfieber, dem viele hier verfallen sind, zwar nicht allzu viel abgewinnen. Aber sie findet es gut, dass ihr Sohn über die Bildli auch so manches über die Herkunftsländer der Spieler und ihre Flaggen lernt.