Auf ein Datum freut sich jeder Fasnächtler jetzt schon närrisch: den 14. Februar. Denn dann ist der 1. Faisse – und die fünfte Jahreszeit beginnt (endlich). Noch drei Wochen also, bis die erste Tschättermusik morgens um 5 Uhr durch die Gassen zieht und ihr Klang lange nachhallt. Während in den Guggen und Cliquen die letzten Vorbereitungen laufen, überbrückt die AZ die Schon-fast-und-doch-noch-nicht-Zeit mit einem grossen Fasnachts-Abc. Jeden Donnerstag stellen wir Ihnen bis zum 1. Faisse sechs fasnachtsangehauchte Buchstaben vor. Wer nun nachrechnet, merkt schnell: Das geht nicht auf, da fehlen am Schluss zwei Buchstaben. Diese servieren wir Ihnen als närrisches Supplement – oder besser: Dessert – natürlich ebenfalls.

A wie Aschermittwoch.

Neiaberau, ruft der eingefleischte Fasnächtler entsetzt. Was für ein schlechter Beginn für das Abc, denn der Aschermittwoch ist just jener Tag, den sich derzeit kein Fasnächtler herbeisehnt: Am Aschermittwoch geht nämlich die Fasnacht zu Ende, dann wird der Joggeligeist wieder in die Flasche verbannt und Frau Fasnacht verbrannt. Da passt doch A wie Auftakt bedeutend besser. Diesen machen traditionell die Tschättermusiken in Kaisten und Laufenburg am 1. Faisse morgens um fünf Uhr. Am Abend geht es weiter – und auch in anderen Fricktaler Gemeinden, etwa Möhlin, Obermumpf und Zuzgen, startet dann die Fasnacht.

wie Blätzli.

Kein Schreibfehler, denn mit dem Blätzli ist nicht etwa ein saftiges Rindsplätzli gemeint, sondern die kleinen, quadratischen oder rautenförmigen StoffFlicken, aus denen die Kleider der Narronen zusammengenäht sind. Eine mächtige Büez, denn es müssen etliche Dutzend Blätzli zusammengebüetzt werden. Ein prächtiges Beispiel für ein Narrenkleid ist das Gewand der Narro-Altfischerzunft 1386 Laufenburg. Jedes ist ein Unikat – und doch ist die Zunft unverkennbar. Die Kleider enthalten mindestens fünf Farben, wobei die Stadtfarben Rot und Gelb enthalten sein sollten. Sehenswert sind auch die aus Holz geschnitzten Larven – auch hier ist jede ein Unikat. Wer nun noch nicht genug vom B hat, dem seien noch drei Bs aus dem Narrenland Schweiz mitgeliefert: B wie Blaggedde, ein Muss für jeden Basler Fasnächtler. Die Blaggedde, die jedes Jahr neu gestaltet wird, gibt es in Gold, Silber und Bronze. Ein besonderes B trifft man in Einsiedeln: das Brotusrührä. Und schliesslich natürlich B wie Böögg – aber den vergessen wir gleich wieder, denn der Böögg steht meist auch für E wie Ende Fasnachts-Feuer.

wie Clown.

Sie gehören beim anderen C, das für Chinderumzug und Chinderball steht, ebenso zum kostümierten Bild wie Nonnen, Cowboys oder Filmgestalten. In Basel steht das C, wofür im Fricktal das F steht: für den Fasnachtsumzug, der gutbaslerisch eben Cortège heisst.

wie dekoriert.

Woran erkennt man eine Fasnachtshochburg? An den dekorierten Strassen und Gassen, an den Figuren, die Wege säumen – und natürlich auch an den dekorierten Beizen. All das ist ein Indiz dafür, dass in diesen Gemeinden in der hohen Zeit der Fasnacht – sie beginnt mit dem 3. Faisse und endet am Aschermittwoch – ein weiteres D zum Tragen kommt: das Durchmachen. Ein echter Fasnächtler lässt sich da nicht zweimal bitten und auch nicht lumpen – er macht durch. Gut, das Durchmachen fällt mit den Jahren schwerer, denn es ist an eine biologische Determinante gebunden: an das A wie Altern, das das Durchmachen zusehends e wie erschwert. Man kann hier auch vom e wie erschöpftes Ego sprechen.

wie Elf.

Die Elf steht für das erste fiebrige Aufscheinen der nahen Fasnacht: den Elften Elften, an dem die Fasnacht um elf Uhr elf losgeht. Die Elf steht aber auch für den Elferrat, der vielerorts – vor allem in Deutschland – das Parlament im Narrenreich bildet. Erklärungen dafür, weshalb die Elf in der Fasnacht einen hohen Stellenwert hat, gibt es mehrere. Eine bezieht sie, indirekt, auf die zehn Gebote. Nach der Zehn kommt die Elf – und sie steht, gewissermassen, für Überschreitung und Masslosigkeit. Sie kann aber auch für die Gleichheit stehen, denn die eine 1 gleicht der anderen 1.

wie Faisse.

So nennt man die drei Donnerstage vor dem Aschermittwoch. An ihnen bebt es im Fricktal fasnächtlich gehörig und ebbt danach ebenso schnell wieder ab – bis zum nächsten Faisse. Ab dem 3. Faisse gibt es dann in den Fasnachtshochburgen wie Kaisten, Laufenburg oder Möhlin kein Halten mehr – es wird durchgefestet mit der einen oder anderen zwischenmenschlichen Annäherung. Oder, mit einer F-Alliteration formuliert: Dann fliegen die Funken beim Flirten, dann feiert das Fasnachts-Fieber sein finales Fest.