Fischingertal
Neue Standorte nach Stufen: «Längerer Weg ist für Schüler zum Alltag geworden»

Primarschule mit drei Stufenstandorten im Fischingertal ist angelaufen – die Vorteile überwiegen die Postautoabhängigkeit.

Dennis Kalt
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Im Stufenschulhaus in Schupfart wird die 3. und 4. Klasse der Primarschule Fischingertal unterrichtet.

Im Stufenschulhaus in Schupfart wird die 3. und 4. Klasse der Primarschule Fischingertal unterrichtet.

Claudio Thoma

Kreuz und quer würden die Schüler hin und her transportiert – dieser Satz war vor einem Jahr aus den Reihen des Referendumskomitees zu hören, das sich gegen den Verkauf des Oberstufenzen­trums Fischingertal (OSZF) in Mumpf an die Stiftung MBF wehrte. Denn so sollte das OSZF-Gebäude dem Tal erhalten bleiben, um dort eine zentrale Primarschule anzusiedeln und die Aufteilung der Klassen auf drei Stufenschulhäuser zu verhindern.

Dem Referendumskomitee jedoch blieb der Erfolg verwehrt. Verfügten zuvor die Gemeinden Mumpf, Obermumpf und Schupfart allesamt über eigene Primarschulen, die je mit Zweijahrgangsklassen geführt wurden, so wird seit Beginn des aktuellen Schuljahres die 1. und 2. Klasse in Obermumpf, die 3. und 4. in Schupfart und die 5. und 6. in Mumpf unterrichtet.

Angela Hurschler, Präsidentin des Primarschulverbandes Fischingertal, verhehlt nicht, dass die Bestreitung des Schulwegs über die Gemeindegrenzen hinweg gerade am Anfang eine Herausforderung für alle Beteiligten gewesen sei. Aber: «Durch die Begleitung der Erst- und Zweitklässler in den ersten Wochen zum Bus und zur Schule sowie die Postautoschulung für alle Schülerinnen und Schüler ist dies schnell zum Alltag geworden.» So fühlten sich mittlerweile die Kinder sicher und könnten den Schulweg eigenständig bewältigen.

Mittagspausen auf zwei Stunden ausgedehnt

Ein Nachteil der Aufteilung auf drei Stufenschulhäuser seien die längeren Mittagspausen, da man sich nach den Postautozeiten richten müsse. «Ein Grossteil der Kinder fährt mit dem Postauto zur Schule und hat einen längeren Schulweg als bisher», sagt Hurschler. So beginnt etwa der Nachmittagsunterricht in Schupfart und Obermumpf erst um 14.05Uhr. Die Mittagspause beträgt mit Fahrt- und Wartezeiten zwei Stunden.

Ein weiterer Nachteil: Die stufenübergreifende Zusammenarbeit hat abgenommen. Hurschler nennt hier Anlässe wie Leseprojekte, stufenübergreifendes Turnen oder Projekttage vom Kindergarten bis zur 6.Klasse. «Solche Anlässe sind nun ohne Fahrten mit dem Postauto nicht mehr möglich. Es bedarf somit mehr Organisation und Zeit.»

Doch auf der anderen Seite stünden durch die Bildung der Einjahrgangsklassen auch allerhand Vorteile; wie jener eines optimierten Ressourceneinsatzes, etwa für Teamteaching, Halbklassenunterricht oder Förderangebote, wie sie Hurschler aufzählt.

Positiv ins Gewicht fiele auch die erhöhte Kontinuität durch die Einjahrgangsklassen. So könnten diese in der Regel von der 1. bis zur 6. Klasse im selben Klassenverband bestehen bleiben. «Bei Zweijahrgangsklassen hingegen gibt es oft jedes Schuljahr eine neue Klassenzusammenstellung», sagt Hurschler. So müssten sich denn auch die Kinder jeweils in wechselnder Zusammensetzung neu behaupten und erneut ihren Platz in der Gruppe suchen und finden. «Die Vorteile überwiegen aus unserer Sicht ganz klar», bilanziert Hurschler den Wechsel von den Zwei- zu den Einjahrgangsklassen.

Mittelfristig ist ein zentraler Standort ausgeschlossen

Mittelfristig, so Hurschler, sei eine Ansiedlung der Primarschule an einen zentralen Standort nicht denkbar, denn: «Alle drei Gemeinden halten an ihrem Schulstandort fest.» Zudem haben die Gemeinden auch Investitionen für die Stufenschulhäuser angestossen. Etwa für Whiteboards – interaktive Wandtafeln für den Unterricht – von denen pro Schulhaus drei zur Verfügung stehen. So soll auch das über 50-jährige Schulgebäude in Mumpf saniert werden.