Blutleer, ideenlos, fragwürdig: Auf diesen Kurznenner lassen sich die Vorwürfe von Christoph Grenacher gegen die derzeit laufende Werbekampagne des Gesundheitszentrums Fricktal (GZF) für sein Spital in Laufenburg bringen. Der Kommunikationsberater ortet ein grundsätzliches Vertrauensproblem des Spitals und ärgert sich über das ausgegebene Geld, das, «weil Sie ja auch von der öffentlichen Hand mitfinanziert werden, ein klein bisschen auch unser Geld» sei, wie er in einem dreiseitigen offenen Brief an die Spitalleitung schreibt.

Grenachers Kritik kommt nicht überall gut an. Das GZF wollte nicht näher auf den Brief eingehen, schrieb auf Anfrage der AZ in einer kurzen Stellungnahme lediglich: «Es gibt vereinzelt Menschen, die Vorbehalte und Unmut auf fragwürdige Weise kundtun. Für diese Art von ‹Frust-Dumping› stehen wir nicht zur Verfügung.»

Und auch viele Politiker schütteln über Grenachers Kritik den Kopf. «Es stört mich extrem, dass alles immer gleich kritisiert wird», sagt Herbert Weiss, Stadtammann von Laufenburg. Er findet es gut, dass das GZF sein Spital in Laufenburg bewirbt. «Andere Kliniken machen auch Werbung», sagt er und fügt mit Blick Richtung Aarau an: «Andernorts gibt man viele Millionen dafür aus, Einzelzimmer zu bauen.»

Da stöhne niemand auf. Wenn aber ein Regionalspital für die Region einstehe, «wird es sofort kritisiert». Das sei nicht richtig. Das GZF habe im letzten Jahr einen Prozess durchgemacht und geschaut, wie man sich für die Zukunft aufstelle. In dieser spiele der Standort Laufenburg zum Glück eine Rolle. «Das GZF glaubt an den Standort und darf das auch zeigen. Sich zu verkriechen, wäre der falsche Weg.»

Auch GLP-Grossrat Roland Agustoni hält es für «völlig legitim», dass das GZF eine Imagekampagne für den Standort Laufenburg fährt. «Die Krankenkassen machen ebenfalls Werbung für ihre Kasse und finanzieren das mit den Geldern ihrer Versicherten. Da reklamiert niemand.» Nicht beurteilen will er, ob es die Kampagne braucht. «Das muss das GZF wissen.» Er kann jedoch nachvollziehen, dass sich das GZF in der Kampagne auf den Standort Laufenburg fokussiert. «Es gab bei der Restrukturierung des GZF im letzten Jahr viele kritische Stimmen und viele hatten Angst um das Spital. Dass man da versucht, etwas fürs Image zu tun, ist naheliegend und verständlich.»

«Sympathisch, Gesichter zu zeigen»

Ratskollege Werner Müller (CVP) findet die Kampagne gut. Das GZF setze damit ein Gegengewicht zu den Negativmeldungen im letzten Jahr und zeige, dass es an den Standort Laufenburg glaube. Ihm gefällt, dass die Menschen, die am Spital arbeiten, in den Fokus gerückt werden. «Es ist sympathisch, dass man die Gesichter, die hinter dem Spital stehen, zeigt.»

Für Grenachers Argument, das Spital verschwende so Gelder, die eigentlich von der Öffentlichkeit stammen, hat er kein Verständnis. «Das GZF ist dem Markt ausgesetzt und darf deshalb auch Geld für Werbung einsetzen.» Auch den «grundsätzlichen Vertrauensverlust», den das Spital nach Ansicht von Grenacher hat, kann er nicht erkennen. «Ich höre viel Positives vom Spital Laufenburg.» Im familiären Umfeld habe er jüngst selbst positive Erfahrungen mit dem Spital gemacht.

Elisabeth Burgener (SP) hält die Reaktion von Grenacher für übertrieben. Es stimme, dass das GZF mit den Plakaten im oberen Fricktal derzeit omnipräsent sei. Sie stört das aber nicht. «Mit den Plakaten gibt das GZF dem Spital ein Gesicht», sagt Burgener. Das sei gut so. Der GZF-Leitung attestiert Burgener, dass sie an der Zukunft arbeitet und dabei auch die Region einbindet. Zwischen den Grossräten und der GZF-Leitung finde ein «reger und guter Austausch» statt, lobt Burgener. Klar ist, und das sehen alle Befragten so: Der Prozess, in dem das Gesundheitswesen steckt, ist noch lange nicht abgeschlossen. «Es steht noch viel Arbeit bevor und wird auch Veränderungen geben», so Burgener.

Auch sie kann den Vertrauensverlust, den Grenacher für das Spital Laufenburg moniert, nicht bestätigen. «Ich höre viel Gutes.» Als Zeichen sei die Kampagne wertvoll. «Sie ist auch ein Zeichen an das untere Fricktal, dass es nicht nur den Standort Rheinfelden gibt.»
Ob die Kampagne gut gemacht ist, will auch Rudolf Lüscher nicht beurteilen. Für ihn, den Präsidenten des GZF-Fördervereins, ist jedoch klar: «Die Kampagne ist gerechtfertigt.» Nach der Umstrukturierung im letzten Jahr habe es viele Unsicherheiten gegeben, was in Laufenburg noch angeboten werde. «Das zeigt man jetzt – und das GZF tut es auf eine sympathische Art.» Auch Tanja Primault-Suter (SVP) findet es gut, dass das GZF für sein Spital in Laufenburg Präsenz markiert. Dass dafür indirekt Steuergelder eingesetzt werden, findet sie zwar weniger toll. «Aber auch andere Anbieter im Gesundheitsbereich machen Werbung.» Das gehöre dazu. Andere gingen einfach etwas subtiler vor. «Ich erhalte jedenfalls laufend Werbepost.» Ob man mit der laufenden Kampagne das Ziel, Vertrauen aufzubauen, erreiche, will sie nicht beurteilen.

Häseli hält Werbung für falsch

Ganz anderer Meinung ist Grünen-Grossrätin Gertrud Häseli. Für sie ergibt die Kampagne, wie für Grenacher, keinen Sinn. «Es ist widersinnig, mit Werbung Patienten anlocken zu wollen.» Es seien ja auch öffentliche Gelder. «Der Kanton übernimmt 55 Prozent der stationären Behandlungskosten der Aargauer Patienten», so Häseli. «Ich finde es stossend, dass das Spital so für sich wirbt.» Das GZF solle sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren «und sich durch die erbrachten Leistungen bewähren». Man wähle das Spital nicht aus, weil es gute Werbesprüche habe, sondern weil es eine gute Adresse sei und einen guten Namen habe.

Die Werbekampagne könne nur so gedeutet werden, dass die Leute offensichtlich nicht nach Laufenburg kommen wollen und man um sie werben müsse. «Wenn ein Konzept nicht funktioniert, dann muss man das Konzept überdenken, nicht Werbung machen», so Häseli. Das Konzept zu überdenken, «ist für Laufenburg dringend nötig». Für sie ist klar: Als Akutspital hat Laufenburg keine Berechtigung. «Ein Standort im Fricktal reicht.»

Grenacher moniert in seinem Brief auch, dass sich das GZF mit werberischen Mitteln in den demokratischen Meinungsbildungsprozess rund um die Zukunft des Gesundheitswesens einmischt. Hier steht im Juni die Publikation der neuen Spitalliste an. Da sieht Häseli kein Problem. «Der Kanton wird sich durch die Werbekampagne nicht beeinflussen lassen.»

Beim Kanton will man zur Werbekampagne des GZF nicht Stellung nehmen. «Es ist nicht Aufgabe des Kantons, Werbekampagnen von selbstständigen Unternehmen zu kommentieren», sagt Jelena Teuscher, Mediensprecherin des Gesundheitsdepartements. Ihr seien keine Vorgaben bekannt, wie ein Spital werben dürfe.