Die Ermittlungen im Verfahren gegen den mutmasslichen Verursacher des schweren Unfalls in der Bad Säckinger Innenstadt Anfang Mai 2016 sind abgeschlossen. Das schreibt die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen in einer Pressemitteilung.

Die Staatsanwaltschaft habe wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung Anklage zum Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Säckingen erhoben, schreibt Oberstaatsanwalt Christian Lorenz.

Nachdem mehrere gerichtsmedizinische Gutachten, ein Unfallrekonstruktionsgutachten und eine Auswertung von Videoaufnahmen erstellt sowie eine Vielzahl von Zeugen vernommen worden seien, ergebe sich nach Aktenlage nun ein Bild des Unfalls, der bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte.

Zwei Tote bei Unfall in Bad Säckingen

Zwei Tote bei Unfall in Bad Säckingen (Mai 2016)

Ein 84-jähriger Autolenker raste in der Altstadt in eine Menschenmenge vor einem Café. Dabei starben zwei Personen, darunter eine Frau aus der Schweiz.

Der Unfall ereignete sich in einem verkehrsberuhigten Bereich, in dem alle Verkehrsteilnehmer aufeinander Rücksicht nehmen müssen. Fahrzeugführer müssen die Schrittgeschwindigkeit einhalten. Der mittlerweile 85-jährige Autofahrer sei dort «aufgrund schuldhaften Fehlverhaltens und einer daraus folgenden unangepassten Geschwindigkeit zunächst mit einem Radfahrer, der ebenfalls zu schnell fuhr» kollidiert.

Sodann sei «der Pkw-Führer ungebremst in die bestuhlten Aussenbereiche zweier Gastronomiebetriebe» gefahren. Hierdurch seien 9 Personen, die sich dort aufhielten, schwer und weitere 18 Personen leicht verletzt worden.

Ein 60-jähriger Radfahrer erlag zudem seinen Verletzungen am selben Tag in der Klinik. Eine 63-jährige Gaststättenbesucherin, die in Bözen gelebt hatte, starb aufgrund ihrer schweren Verletzungen noch an der Unfallstelle.

Das Verursacherfahrzeug kam erst vor einem Modegeschäft an einer Sitzbank zum Stehen. Vermutet wurde damals, dass der Fahrer Gas und Bremse verwechselt hatte. Ob sich die Vermutung nun erhärtet hat, sagte die Anklagebehörde zunächst nicht.

Unfall in Bad Säckingen – unter den Leichtverletzten ist eine weitere Aargauerin.

Unfall in Bad Säckingen – unter den Leichtverletzten ist eine weitere Aargauerin. (Mai 2016)

Augenzeugen berichten, wie sie den Unfall erlebt haben.

Wann die Verhandlung in der Sache stattfinden wird, ist noch nicht klar, sagte der Oberstaatsanwalt auf Nachfrage. Die Festlegung eines Termins sei allein Sache des Amtsgerichtes. Da dieses die Anklage aber erst noch prüfen und für die Verhandlung dann auch die nötigen Zeugen laden und Beweismittel vorliegen haben müsse, rechnet er nicht damit, dass die Verhandlung bald sein wird.

Das bestätigte das Amtsgericht. Die Anklage sei am Montag beim Schöffengericht eingegangen. Da dort die Verhandlungen bis Ende Jahr aber bereits terminiert seien, werde die Verhandlung zum Unfall in diesem Jahr nicht mehr stattfinden. Der Fall wird vermutlich Anfang 2017 verhandelt.

Fahrlässige Tötung wird laut Lorenz entweder mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet. Für fahrlässige Körperverletzung sei der Strafrahmen eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.

Da die Taten aber in Tateinheit begangen worden seien, werde sich das Strafmass bei einer Verurteilung wohl nach dem schwereren Vorwurf richten.