Laufenburg

Museum Schiff kann nicht erweitert werden

Die Erneuerung und Erweiterung des Museums Schiff kann nach dem Nein der Ortsbürger nicht realisiert werden.

Die Erneuerung und Erweiterung des Museums Schiff kann nach dem Nein der Ortsbürger nicht realisiert werden.

Das Erweiterungs- und Sanierungsprojekt für das Museum Schiff in Laufenburg ist gestoppt. Während die Einwohner in der Referendumsabstimmung Ja zum Kredit sagten, lehnten die Ortsbürger den Kredit ab.

Das Museum Schiff in Laufenburg kann nicht für 4,1 Millionen Franken saniert und erweitert werden. Die Ortsbürger haben am Sonntag in der Referendumsabstimmung eine Beteiligung über 850000 Franken mit 174 gegen 156 Stimmen abgelehnt. Die Stimmbeteiligung war mit 63,1 Prozent hoch.

Die Einwohner sagten ihrerseits zwar mit 483 gegen 451 Stimmen bei einer Stimmbeteiligung von 47,1 Prozent knapp Ja zu einem Kredit über 500000 Franken, doch ohne die Beteiligung der Ortsbürger ist das Projekt nicht realisierbar.

Entsprechend zufrieden ist Adolf Daniel vom Referendumskomitee. «Wir haben dafür gekämpft, dass das Projekt so nicht realisiert wird», sagt er. Dies habe man erreicht und «das vorliegende Projekt ist damit vom Tisch».

Dass der Widerstand bei den Ortsbürger grösser war als bei den Einwohnern, hat Daniel erwartet. Die Höhe des Kredits und die Differenz zur Beteiligung der Einwohnergemeinde habe beim Nein sicher mitgespielt, glaubt Daniel.

Auf der Gegenseite ist die Konsternation über das Nein der Ortsbürger hoch. Er verstehe es nicht, sagt Hannes Burger, Präsident des Museumsvereins. Man habe drei Jahre intensiv an diesem Projekt gearbeitet und ein gutes Projekt vorgelegt, ist er überzeugt. Auch sei es gelungen, das Museum überregional bekannt zu machen. Diesen guten Ruf sieht er nun in Gefahr.

Er sei masslos enttäuscht, sagt auch Dieter Deiss, der zusammen mit Ursula Jutzi und Franz Koch das Pro-Komitee angeführt hat. Gross ist bei Deiss die Enttäuschung auch deshalb, «weil ausgerechnet die Ortsbürger Nein gesagt haben, die sich das Engagement problemlos hätten leisten können, ohne sich irgendwelche Einschränkungen hätten auferlegen zu müssen».

Gerade solche Aussagen, davon ist Daniel überzeugt, seien bei den Ortsbürger nicht gut angekommen. «Es weckte das Gefühl, als Milchkuh benutzt zu werden.»

«Massivst enttäuscht» über das Nein ist auch Stadtammann Herbert Weiss. «Die Gegner haben es geschafft, mit Halb- und Unwahrheiten die Leute zu verunsichern.» Er empfindet das Nein auch als Misstrauensvotum gegenüber jenen, die das Projekt «topseriös» ausgearbeitet haben – und letztlich auch gegenüber sich selbst, da er das Ressort «Präsidiales und Finanzen» im Gemeinderat vertritt.

Gegner sollen bei einem ­neuen Projekt mitwirken

Natürlich akzeptiere er das Volksnein, sagt Weiss. Von den Gegnern, die es geschafft hätten, «das Projekt abzuwürgen», erwartet er nun, dass sie Verantwortung übernehmen. Ähnlich sehen es Deiss und Burger. Sie hoffen, dass sich die Gegner nun engagieren – etwa im Museumsverein. «Sie haben die Chance, zu zeigen, dass sie es besser machen können», sagt Deiss.

Ein Engagement der Gegner schliesst Daniel nicht aus. «Wir sind dafür sicher offen. Die Frage ist, wie offen die Gegenseite ist.» Daniel wehrt sich zudem gegen den impliziten Vorwurf, die Gegner seien gegen das Museum. «Das sind wir überhaupt nicht. Wir haben uns nur dagegen gewehrt, dass hier mit der grossen Kelle angerichtet wird.»

Das Problem sieht er vor allem in den Folgekosten, die das Projekt gehabt hätte. Er bezeichnet es zudem als «unglückliches Konstrukt», dass im Falle einer Zahlungsunfähigkeit des Vereins die Gemeinde das Museum samt Verpflichtungen übernehmen müsste. Swisslos, die sich mit 1,84 Millionen Franken am Projekt beteiligt hätte, wolle in diesem Fall das Geld zurück. Diese Eventualität könne sich die Stadt, die selber finanziell nicht gut dastehe, nicht leisten.

Burger und Deiss orten den Hauptgrund für das Nein in den jährlichen Betriebskosten – Einwohner- und Ortsbürgergemeinde sollten sich an den jährlichen Kosten von 86000 Franken mit je 20000 Franken beteiligen. «Vielen fehlt wohl auch der Sinn für das Museum», mutmasst Deiss. Dieser Einschätzung hält Daniel entgegen, dass auch für die Projektgegner ausser Frage steht, dass das Museum seine Berechtigung hat.

Sanierung des Museums ist dringend

Wie es mit dem Museum nun weiter geht, ist laut Deiss «völlig ungewiss». Ohne die Beteiligung der Ortsbürger sei das vorliegende Projekt nicht realisierbar und ein Plan B, den die Gegner ins Feld geführt haben, existiere nur rudimentär. «Dies bedeutet, dass die Arbeit für den Museumsverein jetzt von vorne beginnt», so Deiss. «Der Vorstand wird sich Gedanken machen müssen, wie aus dem angerichteten Scherbenhaufen noch etwas Vernünftiges realisiert werden kann».

Klar ist: Bis ein neues Projekt spruchreif ist, dürften Monate bis Jahre vergehen. Man werde nun wohl das Augenmerk auf die dringendsten Sanierungsarbeiten legen, sagt Deiss. «Diese ertragen keinen Aufschub mehr.» Eine Erneuerung des Museums in den bestehenden Räumen hält Deiss für «kaum sinnvoll». Er spricht von einem Substanzerhalt ohne Mehrwert.

Hat das Nein personelle Konsequenzen?

Dass beim Museum etwas gehen muss, ist auch für Adolf Daniel klar. Der Dachstock sei in einem desolaten Zustand, weiss er und verweist darauf, dass man es in den letzten 40 Jahren verpasst habe, das Gebäude zu sanieren. Es liege nun am Verein, ein Konzept auszuarbeiten. «Gegen ein sinnvolles Projekt werden wir uns nicht wehren.» Ihm schwebt dabei eine Lösung vor, die weniger risikoreich ist.

Herbert Weiss macht sich derweil Gedanken über die Signalwirkung dieses Entscheides. Er hoffe einfach, so der Stadtammann, dass sich dies nicht negativ auf das Investitionskonzept in der Altstadt auswirke.

Dass das Resultat auch personelle Folgen im Vereinsvorstand haben könnte, schliessen Deiss und Weiss nicht aus. Hannes Burger lässt es offen, wie es weiter geht. «Ich werde mir in den nächsten Monaten sicher überlegen, ob ich das Amt abgebe», sagt er und fügt an: «Die Motivation, weiterzumachen, ist heute nicht sonderlich gross.»

Für Deiss hat die Referendumsabstimmung unnötig Gräben in Laufenburg aufgerissen. Ein Vorwurf, den Daniel nicht nachvollziehen kann. «Es gehört zur Demokratie, dass alle mitentscheiden können», sagt er und ist überzeugt: «Man kann auch mit unterschiedlichen Meinungen sehr gut zusammen­leben.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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