Möhlin
Ein Biber watschelt durchs Dorf – und sorgt beim Schulhaus Storebode für tierischen Alarm

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die pelzigen Genossen in der Gemeinde auf der Suche nach einem neuen Revier zeigen. Ein Mitarbeiter der Verwaltung begleitete das Tier in Richtung Rhein zurück und stoppte dafür auch kurz den Verkehr.

Dennis Kalt
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Ein Biber watschelte am Dienstagmorgen durch Möhlin zum Schulhaus Storebode und wurde anschliessend zurück zum Bata-Park in Richtung Rhein begleitet.

zvg

Urs Steck, Leiter des Forstbetriebs Region Möhlin, liegt auf dem Zahnarztstuhl, als sein Handy mehrmals in der Hosentasche vibriert, nachsehen kann er nicht. Am Dienstagmorgen zur gleichen Zeit: Ein ungebetener Gast löst beim Schulhaus Storebode tierischen Alarm aus. Die Türen zum Gebäude werden geschlossen, draussen herrscht Spektakel. Der Grund: Ein Biber schleicht über das Schulgelände. Steck sagt:

«Das war ein Riesenvieh. Er lief wie eine Watschelente.»
Urs Steck, Leiter des Forstbetriebs Region Möhlin.

Urs Steck, Leiter des Forstbetriebs Region Möhlin.

Bild: Nadine Böni

Als Steck nach seinem Besuch beim Zahnarzt sah, was los war, versuchte er umgehend mehrere Wildhüter zu erreichen – jedoch ohne Erfolg. Schliesslich nahm sich Fabian Müller, Mitarbeiter der Abteilung Wald und Landschaft, der das Jagdpatent besitzt, dem pelzigen Rabauken an. Zusammen mit einer Lehrassistentin der Schule begleitete er den Biber – mit einem Besen – Richtung Bata-Park und Rhein zurück. Bei der Querung über die Industriestrasse, musste Müller einen Lastwagen anhalten. Er sagt:

«Der Chauffeur hat da ziemlich grosse Augen gemacht, als der Biber vor ihm über die Strasse watschelte.»

Am Bata-Park angekommen, verkroch sich der Biber in einem Gebüsch und hielt dort entkräftet von seinem Streifzug ein Nickerchen. Als Müller am Abend den Biber unter dem Gebüsch aufsuchte, war dieser verschwunden. Zu sehen waren nur noch seine Spuren, die weiter in Richtung Bata-Park führten. Müller sagt:

«Ich nehme an, er ist wohlauf zum Rhein zurückgekehrt»

Es war nicht das erste Mal, dass ein Biber durch Möhlin streifte. Im Sommer 2019 lief ein Exemplar an und auf der Hauptstrasse entlang und sorgte damit nicht nur für verdutzte Gesichter, sondern auch für das eine oder andere Bremsmanöver.

Nach dem Ausflug zur Schule Storebode hat sich der Biber erschöpft in einen Busch im Bata-Park zurückgezogen.

Nach dem Ausflug zur Schule Storebode hat sich der Biber erschöpft in einen Busch im Bata-Park zurückgezogen.

Bild: zvg (9. Februar 2020)

Steck geht davon aus, dass der Biber einen Ausflug in Richtung Dorf gemacht hat, um ein neues Revier zu suchen. «Wenn es am Rhein zu viele Biber in einem Gebiet hat, gibt es Revierkämpfe und einzelne Tiere werden aus der Familie verstossen.»

Ein Tier mit kräftigen Klauen und einem starken Gebiss

Zu Nahe kommen, so Steck, würde er einem Biber nicht. Zum einen, weil die Tiere Krankheiten übertragen können, zum anderen wegen ihrer kräftigen Klauen und des starken Gebisses. So berichtet er etwa von einem Vorfall, der sich vor rund zwei Jahren in Wallbach ereignet hat. Ein Biber, der mit seinem Nachwuchs im Rhein unterwegs war, griff dort einen Hund an, als dieser in das Wasser sprang und vom Biber eine «rechte Bisswunde» davon trug.

Auch fernab von Streifzügen durch das Quartier hält der Biber den Forstbetrieb auf Trab: «Er nagt inzwischen mehrere hundert Meter vom Ufer entfernt an Bäumen», sagt Steck. Immer wieder müsse der Betrieb deswegen umgestürzte Bäume wegräumen oder angenagte Bäume an Wegen aus Sicherheitsgründen fällen. Steck geht davon aus, dass der Biber sich weiter ausbreiten wird, denn: «Er hat keinen natürlichen Feind und ist als einheimische Tierart geschützt.»