Mittelschule
In Stein hat es viel Platz und das Areal ist gut bebaubar – gibt das den Ausschlag bei der Standortwahl?

Der Kampf um den Standort der Mittelschule Fricktal ist lanciert. Stein steigt mit der «Neumatt Ost» ins Rennen – und punktet mit einem grossen Areal, einer ruhigen Lage und einem günstigen Landpreis. Zudem ist Stein bereits als Mittelschulstandort im Schulgesetz eingetragen. Reicht das?

Thomas Wehrli
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Die Mittelschule könnte die Leichtathletikanlage (unten im Bild) mitbenutzen.

Die Mittelschule könnte die Leichtathletikanlage (unten im Bild) mitbenutzen.

Zvg / Aargauer Zeitung

Die Mittelschule kommt ins Fricktal – die Frage ist nur: wohin? Der Regierungsrat hat letzte Woche die Anhörung gestartet (AZ vom Samstag). Drei Standorte stehen zur Wahl: Frick, Stein und Rheinfelden. Die AZ zeigt in einer dreiteiligen Serie Vor- und Nachteile der drei Standorte. Heute: Stein.

Die Gemeinde Stein ist Mittelschulstandort – zumindest dem Buchstaben nach. Denn seit 1981 ist Stein im Schulgesetz als Mittelschulstandort im Fricktal verankert. Die Schule wurde nie gebaut, der Kanton kooperierte stattdessen mit den beiden Basel, wo bis heute viele Fricktaler das Gymnasium besuchen. Noch, denn die beiden Basel benötigen die Schulplätze künftig selber und werden ab Mitte der 2020er-Jahre die Aufnahme von Aargauer Schülern herunterfahren.

Lärmimmissionen sind niedrig

Der Eintrag im Schulgesetz kann zwar geändert werden, er bietet Stein aber zumindest einen kleinen psychologischen Vorteil. Weit mehr wiegen zwei andere Vorteile: Das Areal ist ruhig gelegen – bei den beiden anderen Arealen sind die Lärmimmissionen deutlich höher. Und: Es ist mit knapp 40 000 Quadratmetern das klar grösste Areal, was bei künftigem Schulraumbedarf einen Ausbau erlaubt. Zugleich ist es mit einem Kaufpreis von acht Millionen Franken das günstigste Areal; Rheinfelden schlägt mit zehn, Frick aufgrund der Firmenumsiedlung mit 26 Millionen Franken zu Buche.

Gleichzeitig ist das Areal aber auch ein Hemmschuh: Es liegt in der Landwirtschaftszone. Wird hier die Mittelschule gebaut, muss das Land umgezont werden – und das Siedlungsgebiet wird damit um vier Hektaren erweitert. Dies ist gegen die aktuellen Bestrebungen des Kantons. Er will die Umzonung deshalb mit Aufwertungsmassnahmen kompensieren. Dafür rechnet er mit einer Million Franken, was den Landerwerbspreis von acht auf neun Millionen Franken erhöht. Für das Areal spricht indes, dass es einfacher als die anderen bebaubar ist.

Synergien mit der Leichtathletikanlage

Gleich neben dem Areal liegt das Sport- und Freizeitcenter Bustelbach. Das ermöglicht dreierlei Synergien: Zum einen kann die Schule die Leichtathletikanlage mitbenutzen. Zum anderen, und das dürfte die Schüler deutlich mehr interessieren, können sie sich so in der Nähe verpflegen und die Leerstunden – nicht die Lehrstunden! – beispielsweise mit einer Runde Minigolf oder einem Tennismatch überbrücken. Auch das Dorfzentrum ist weniger weit entfernt als in Frick oder Rheinfelden, bietet aber unter den drei Standorten auch das kleinste Angebot. Auf gut Neudeutsch: Der Chillfaktor ist im Zentrum am kleinsten.

Synergiepotenzial bietet Stein, drittens, auch mit dem nahen Pharmacluster. In diesem Punkt müssen aber auch die beiden anderen Standorte den Vergleich nicht scheuen.

Erschliessung mit einer Buslinie ist nötig

Blickt man auf die Zahl der Schüler, die in der Nähe der Standorte wohnen, hat Rheinfelden klar die Nase vorne. In der Region um Rheinfelden leben rund 40 Prozent der Mittelschüler; rund um Frick und Stein sind es je 20 Prozent, wobei in Stein selber «nur sehr wenige» wohnen, wie der Kanton im Anhörungsbericht schreibt.

Dafür sind die Schüler im Fall von Stein etwas schneller in der Schule als in Frick. Durchschnittlich, so hat der Kanton berechnet, dauert die Anreise nach Frick 19 Minuten, jene nach Stein und Rheinfelden dagegen nur 16 Minuten. Anders als in Rheinfelden, wo ein beachtlicher Teil der Schüler zu Fuss oder mit dem Velo zur Schule gelangen kann, wird der Harst der Schüler mit dem ÖV nach Stein reisen. Voraussetzung für das Areal ist deshalb «die Erschliessung mit einer Buslinie», schreibt der Kanton. Er spricht mit Blick auf Stein von einer «sehr ländlichen Mittelschule».

Ein «gewisses Risiko» ortet der Kanton bei der notwendigen Einzonung des Areals; hier könnte noch politischer Widerstand erwachsen und die Einzonung zum Scheitern bringen. Begegnen will der Kanton diesem Risiko, bekommt Stein den Zuschlag, mit einem frühen Einbezug der Bevölkerung und der Verbände. Zuversichtlich stimmt den Kanton zudem das Signal, das die Gemeindeversammlung im letzten Dezember ausgesandt hat: Hier erteilte der Souverän dem Gemeinderat klar die Verkaufsvollmacht für die Parzelle des Mittelschulareals, die der Gemeinde gehört. Grundeigentümer sind daneben eine Erbengemeinschaft sowie Novartis.

In der Gesamtwertung, die der Kanton vorgenommen hat, schneidet Stein mit 46 Punkten nur einen Punkt schlechter ab als Rheinfelden. Frick folgt auf mit sechs Punkten Abstand.