Laufenburg

Mit Stolz getragen: Die Trachtengruppe feiert dieses Wochenende ihr 90-Jahre-Jubiläum

«Es ist noch immer eine grosse Ehre, mit unserer Tracht Laufenburg zu repräsentieren», sagt Silvia Blaser, Präsidentin der Trachtengruppe.

«Es ist noch immer eine grosse Ehre, mit unserer Tracht Laufenburg zu repräsentieren», sagt Silvia Blaser, Präsidentin der Trachtengruppe.

Am Samstag feiert die Gruppe an ihrer Generalversammlung intern ihr 90-jähriges Bestehen. Erwartet werden Grussworte verschiedener Trachtengruppen aus der Region und von Vizeammann Meinrad Schraner.

Es ist für sie auch nach all den Jahren noch immer ein spezielles Gefühl. Da sind sich Lina Reimann und Silvia Blaser einig. Reimann ist seit fast 60 Jahren Mitglied in der Trachtengruppe, Blaser seit bald 20 Jahren deren Präsidentin. Aber eben: In die Laufenburger Tracht zu schlüpfen, ist und bleibt für sie speziell. Die weisse Bluse aus Leinen, zuvor geglättet und gestärkt, das Gewand mit dem weiten schwarzen Rock, der roten Schleife, den blauen und gelben Verzierungen, dazu die weissen Strümpfe und die schwarzen Handschuhe, zuletzt der Florentinerhut mit den roten und schwarzen Maschen. «Wenn ich die Tracht anziehe, verspüre ich Stolz», sagt Blaser, lächelt kurz und fügt dann an: «Auch wenn es ein ‹Chrampf› ist.»

Bis alle Haken eingehakt sind und alles so sitzt, wie es soll, kann es nämlich schon mal eine gute halbe Stunde dauern. Und es gelingt auch nicht immer auf Anhieb, wie Reimann ebenso verschmitzt anfügt. Noch heute erinnert sie sich an ihren ersten Auftritt mit der Trachtengruppe. Irgendwann Anfang der 1960er-Jahre muss es gewesen sein. Reimann zog die Tracht zu Hause an. Als sie dann am Treffpunkt eintraf, lachten die anderen Frauen: «Wie hast du denn die Bluse an?» Reimann hatte sie verkehrt angezogen. «Ich wusste es nicht besser», erzählt sie lachend. Das Missgeschick war ihr rasch verziehen, heute ist Reimann das langjährigste Mitglied in der Trachtengruppe.

Umsorgte Militärs

Am Samstag feiert die Gruppe an ihrer Generalversammlung intern ihr 90-jähriges Bestehen. Erwartet werden Grussworte verschiedener Trachtengruppen aus der Region und von Vizeammann Meinrad Schraner. Silvia Blaser wird kurz auf die lange Geschichte der Gruppe zurückblicken. Die beiden Frauen kennen nicht nur lustige Anekdoten, sie wissen auch um die Bedeutung der Trachtengruppe: 1929 gegründet, begleitete die Trachtengruppe über viele Jahre wichtige gesellschaftliche Anlässe, repräsentierte so auch die Stadt. Sie nahm an Festen und Umzügen teil oder verkaufte Gold-Taler und Bundesfeier-Abzeichen. In den Kriegsjahren bewirteten und umsorgten die Frauen der Trachtengruppe die oberen Militärs, die während ihres Dienstes an der Grenze im damaligen Hotel Solbad untergebracht waren.

Lina Reimann erinnert sich, wie sie damals als junges Mädchen die eleganten Frauen in den bunten Trachten bewunderte. Mitglied in der Trachtengruppe zu sein, war eine Ehre – und lange Zeit auch ein Privileg. Nur Frauen, die Laufenburger Ortsbürger waren oder zumindest schon sehr lange in der Stadt wohnten, wurden aufgenommen. Die Aspirantinnen mussten einen Antrag stellen und anschliessend eine Art Probejahr überstehen. Auch andere Vereine wie etwa die Musik- oder die Schützengesellschaft hätten damals hohe Anforderungen gestellt, sagt Reimann und fügt mit einem Lachen an: «Laufenburg war eben aristokratisch geprägt.»

Kompliment von Doris Leuthard

In den 1960er-Jahren wurden die Regeln bei der Trachtengruppe schliesslich gelockert. Und nicht nur das hat sich über all die Jahre geändert. Auch die Aufgaben der Trachtengruppe haben sich verlagert. «In erster Linie geht es heute darum, das Brauchtum und die Kultur zu pflegen», sagt Silvia Blaser. Die Trachtenfrauen haben eine Volkstanzgruppe, mit der sie an entsprechenden Anlässen teilnimmt. Dazu kommen Trachtenfeste, Heimatabende oder andere traditionelle Feiern.

An wichtigen Anlässen im Städtchen sind die Trachtenfrauen immer noch dabei. Etwa 2010, als der Gesamtbundesrat in Laufenburg Halt machte. Die Trachtenfrauen servierten den Apéro, durften mit den Bundesräten Hände schütteln – und bekamen sogar ein Kompliment von Doris Leuthard für ihre Tracht. «Ich sage immer, dass sie eine der schönsten Trachten überhaupt ist», sagt Blaser und schmunzelt. Komplimente hören die Laufenburgerinnen öfters. Ihre Tracht ist so speziell, dass sie auch bei Trachtenfesten beliebte Fotosujets sind. Es seien wohl die leuchtenden Farben, die den Leuten gefielen, sagt Blaser. Das Rot und Gelb für die Wappen der Habsburger und der Stadt Laufenburg, das Schwarz und Blau für das Wappen des Kantons Aargau.

Immer noch eine Ehre

20 Mitglieder zählt die Trachtengruppe heute. Lina Reimann und Silvia Blaser machen keinen Hehl daraus: Es wäre schön, wären es mehr. Vor allem mehr jüngere Frauen, die das Brauchtum der Trachtengruppe einst weiter pflegen können. «Es wäre wahnsinnig schade, wenn das verloren ginge. Wir würden uns deshalb sehr darüber freuen, wenn sich interessierte Frauen bei uns melden würden», sagt Blaser und gerät noch einmal ins Schwärmen. Erzählt von den bewundernden Blicken der Passanten, wenn sie und ihre Kolleginnen gemeinsam mit der Tracht unterwegs sind. «Es ist noch immer eine grosse Ehre, mit unserer Tracht Laufenburg zu repräsentieren», sagt Blaser.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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