Es ist ein Ärgernis. Es macht Arbeit. Und es kostet die Gemeinde eine Stange Geld: Littering. Die Gemeindearbeiter müssen der Zivilisation hinterherwischen und die achtlos weggeworfenen Zigarettenstummel, Streichhölzer, Dosen, Plastikbecher und anderen Verpackungsmaterialien einsammeln.

In Möhlin beläuft sich der Mehraufwand pro Wochenende auf drei bis vier Stunden – allein, um den Littering-Abfall auf den Pausenplätzen einzusammeln, wie Michael Reinecke, Sektionsleiter Liegenschaften, schätzt. Hotspots sind hier die Schulanalgen Steinli und Fuchsrain.

Gesamthaft sind in Möhlin laut Werkhofleiter Peter Stocker zwei Gemeindemitarbeiter mindestens zwei bis drei Arbeitstage mit der Dorfreinigung beschäftigt, ein weiterer ist die ganze Woche auf Entsorgungstour.

In Laufenburg schätzt Stadtschreiber Marco Waser die Mehrkosten, die im Sommer durch Littering verursacht werden, auf 500 bis 600 Franken pro Woche. Sascha Roth, Gemeindeschreiber von Stein, bezeichnet den Mehraufwand als «erheblich» und Roger Erdin, Stadtschreiber von Rheinfelden, spricht von 76 Tonnen Abfall, die pro Jahr im Zähringerstädtchen eingesammelt werden. Darin inbegriffen ist auch die Leerung der Abfallbehälter und Robidogs. «Die reinen Entsorgungskosten betragen rund 30 000 Franken», bilanziert Erdin.

Die Menge des herumliegenden Abfalls bezeichnen die befragten Gemeindeschreiber als «stabil» bis «eher zunehmend». Allerdings, so schränkt Michael Widmer, Gemeindeschreiber in Frick, ein, habe auch die Bevölkerung zugenommen. Bei der Art des Abfalls hat man in letzter Zeit in Frick «eher weniger ‹Streu-Abfall›» festgestellt, dafür «mehr überfüllte Abfallkübel, da Hauskehricht und Verpackungen in öffentliche Kübel gestopft werden», so Widmer.

Die Hitparade der weggeworfenen Produkte führen, das zeigt eine Umfrage der AZ bei fünf grossen Gemeinden, nach wie vor Raucherwaren, Kaugummis, Dosen und Fastfood-Verpackungen an.

Erdin bezeichnet das Littering als «öffentliches Ärgernis», das die Stadt «vor allem in den Sommermonaten und dort vorwiegend an den Wochenenden von Freitag bis Sonntag» heimsucht. Diese Erfahrung machen auch andere Gemeinden. Sie alle versuchen, dem Littering-Problem mit verschiedenen Massnahmen Herr zu werden – oder es, realistischer, zumindest zu reduzieren.

Hotspots werden kontrolliert

Kontrollen: Die Regionalpolizeien fahren die Hotspots gezielt an. Einige Gemeinden setzen zusätzlich private Sicherheitsdienste ein. «Laufenburg hat schon mehrmals über die Sommermonate einen Sicherheitsdienst beauftragt, welcher die Hotspots kontrolliert», sagt Waser. In Laufenburg sind das die Badstube, das Schulgelände und der Schlossberg.

In Stein, wo vor allem das Brotkorb-Areal, der Park 91 und das Rheinufer Probleme machen, plant der Gemeinderat in diesem Sommer «zur Erhöhung der Patrouillentätigkeit den Einsatz eines privaten Sicherheitsdienstes», sagt Roth. Wer beim Littering erwischt wird, kann mit 50 Franken (unteres Fricktal) respektive 100 Franken (oberes Fricktal) gebüsst werden.

Videokameras: Mehrere Gemeinden haben an den Hotspots Videokameras installiert. Dei Erfahrungen sind positiv.

Regelmässige Leerung: Die Abfallkübel werden regelmässig geleert. «Je sauberer der öffentliche Raum, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Leute, die üblicherweise nichts an den Boden werfen, auch nachlässig werden», sagt Widmer. Auch in Rheinfelden werden die Reinigungsintervalle durch den Werkhof in Littering-Zeiten erhöht.

Sensibilisierung: Rund 30 Fricktaler Gemeinden beteiligen sich jedes Jahr an der Aktion «Sauberes Fricktal». Mit Plakaten – ein Sujet in diesem Jahr war «Zigaretten-Abfall macht krank» – wird im Frühling auf das Littering-Problem aufmerksam gemacht. Auch in den Schulstunden werden die Jugendlichen auf das Thema sensibilisiert. In mehreren Gemeinden, so etwa in Rheinfelden, gehen Schulklassen mit den Mitarbeitenden des Werkhofs zudem auf Abfallsammeltour.

Höhere Bussen in anderen Ländern

Trotz des grossen Präventionsaufwandes: Die Littering-Zahlen gehen nicht zurück. Das Problem kennen auch anderen Länder – und greifen zu drastischeren Mitteln. Sascha Roth hat vor kurzem zahlreiche Bundesstaaten der USA bereist. «Dort wird in Sachen Littering entlang der Strassen mit Tafeln der Tarif für das Wegwerfen von Abfall bekannt gegeben», erzählt er.

Die Bussen für Littering betragen zwischen 500 und 2000 Dollar. «Da ist unser Ansatz von 50 Franken doch sehr bescheiden und wenig abschreckend», findet er. «Bei den amerikanischen Strafen überlegt man es sich schon gut, ob man den Kaugummi nun auf die Strasse spucken soll.»