«Das Rad der Zeit um Jahrzehnte zurückdrehen, das können wir nicht», sagt Dietmar Löffler, Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie. «Wenn mir eine 40- oder 50-jährige Person Fotos von der Konfirmation vorlegt, dann weiss ich, dass ich mehr erklären muss als nur die Operation.»

Unrealistische Wünsche oder überzogene Erwartungshaltungen an das Machbare seien allerdings die Ausnahme. In der Schönheitsklinik Alta Aesthetica in Rheinfelden geht es den meisten Patienten darum, der Natur ein wenig nachzuhelfen, wo diese nicht in die gewünschte Form gewachsen ist oder bereits der Schwerkraft Tribut zollt. Brustoperationen, Nasenkorrekturen und Fettabsaugen, das seien die drei Hauptwünsche, sagt Dietmar Löffler.

Sich wieder ganz wohl fühlen

Die Schönheitsklinik direkt am Rhein ist schweizweit eine der wenigen dieser Grösse. Vor drei Jahren ist sie in das altehrwürdige Gemäuer des Grand Hotel des Salines gezogen. Davor hatte der Bau seinerseits ein umfassendes Facelifting und ein komplett neues Innenleben erhalten.

Sich wieder ganz wohl fühlen in ihrem Körper, das wollte auch Karin M.* «Ich habe schon länger darüber nachgedacht, meine Brust zu verändern», sagt die 44-jährige Mutter eines Sohnes. «Ich hatte immer eine kleine Brust. Und nach Schwangerschaft und Stillen war da noch weniger», sagt sie. «Mit einem Push-up-BH lässt sich das zwar nach aussen ganz gut kaschieren, aber für mich hats nicht mehr gestimmt.» Trotzdem hat sie einige Jahre gezögert und sich immer wieder eingeredet, dass eine Operation nicht nötig sei. «Dann, vor zwei Jahren, wurde mir klar, dass ichs jetzt machen muss und nicht erst, wenn ich 50 oder noch älter bin.»

«Was die Art der Brustverschönerung betrifft, sind die meisten Frauen zum Glück ganz vernünftig», sagt Dietmar Löffler. «Entweder wollen sie die Form ihrer früheren Brust wiederhergestellt haben. Oder sie wünschen sie sich ein oder zwei Körbchen grösser.» Manchmal sei es auch umgekehrt und die zu grosse Brust ist das Problem. Ein Phänomen, dass sich in den letzten Jahren entwickelt habe, sei die Operation nach starker Gewichtsabnahme. «Es kann sein, dass eine junge Frau zu mir kommt, die durch ein Magenband sehr schnell 50 oder mehr Kilos verloren hat», sagt Löffler. In solchen Fällen bestehe meist der Wunsch nach einer Straffung der Brust oder anderer Körperpartien.

Schmerzen wie ein Muskelkater

Sich in die Hände eines Schönheitschirurgen zu geben, ist für die meisten Patienten nach wie vor kein Spontanentschluss. Auch wenn die Hemmschwelle nicht mehr so hoch liege wie früher, sei der Entscheid, Veränderungen am Aussehen vornehmen zu lassen, oft ein längerer Prozess, sagt Löffler.

«Wichtig ist das Vertrauen zum Arzt», sagt Karin M. Es lohne sich, mit verschiedenen Ärzten zu reden. Ihre Brustoperation in der Rheinfelder Schönheitsklinik ist gut verlaufen. Zur Straffung der Brust wurden zwei Implantate unter den Brustmuskel gesetzt. «Den Eingriff selbst empfand ich als kurz», erinnert sich Karin M. Die Schmerzen seien erträglich gewesen. «Es fühlt sich an, als habe man einen starken Muskelkater oder als liege einem ein Gewicht auf der Brust», sagt sie. Am Anfang sei ihr die Brust im Spiegel noch fremd vorgekommen. «Es hat etwa ein halbes Jahr gedauert, bis ich das Gefühl hatte, dass es meine Brust ist.»

Und weckt der Erfolg dieser ersten Schönheitsoperation neue Wünsche? «Abgeneigt wäre ich sicher nicht», sagt Karin M. Dass Schönheitsoperationen zu einer Sucht nach immer mehr Eingriffen führen, diese Gefahr sieht Dietmar Löffler nicht. «Patienten fangen oft mit kleinen Eingriffen an. Zum Beispiel lassen sie sich die Oberlider straffen oder die Falten unterspritzen», sagt er. Die Hemmschwelle, etwas Grösseres zu machen, werde danach tiefer. Aber von Sucht könne man hier nicht sprechen. «Sucht, das wäre für mich, wenn jemand mit einer Barbiepuppe kommt und sagt, dass er so aussehen möchte.»

Ob sie wirklich noch einmal etwas operieren lässt, weiss Karin M. heute noch nicht. Für sie ist aber klar: «Was ich mache, tue ich für mich selbst und für niemanden sonst. Mir muss mein Körper gefallen.»

*Name von der Redaktion geändert.