Frick
Mit dem Marktfahren das Geschäft ankurbeln – lohnt sich das?

Der Umsatz mit Kleidung und Gewürzen geht auf dem Markt zurück. Stattdessen liegen Feinkost und «Food» im Trend. Das bedeuten die Veränderungen für die Marktfahrer.

Dennis Kalt
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Marktfahrer mit schwerem Stand

Marktfahrer mit schwerem Stand

Dennis Kalt
Werner Soom verkauft zusammen mit seiner Frau seit dem Jahr 2000 auf dem Fricker Markt Strickwaren und Outdoorbekleidung.

Werner Soom verkauft zusammen mit seiner Frau seit dem Jahr 2000 auf dem Fricker Markt Strickwaren und Outdoorbekleidung.

Dennis Kalt

«Gebrannte Mandeln, Magenbrot, Caramel» – gestern fand der erste der fünf Fricker Märkte 2018 entlang der Hauptstrasse statt. Mit Stimmeinsatz, Probiererli oder Dekorationen versuchten die rund 150 Marktfahrer, ihren Umsatz anzukurbeln. Doch lohnt sich das Marktfahren in Frick an einem Montag, an dem viele berufstätig sind, überhaupt noch? Die AZ hat bei drei Marktfahrern nachgefragt.

Um halb fünf klingelte der Wecker von Martin Schmid, der an seinem Gewürzstand rund 350 Produkte anbietet. «Es lohnt sich für mich gerade noch so. Geht der Umsatz nochmals um einen Drittel zurück, muss ich für den Fricker Markt nicht mehr aufstehen», sagt er.

Für Schmid, der seit drei Jahrzehnten am Fricker Markt verkauft, ist dieser einer der umsatzschwächsten. Zum Vergleich führt er den Markt von Walenstadt SG an, der in etwa gleich gross wie der in Frick ist. «Dort mache ich den dreifachen Umsatz. Es kommen mehr Besucher, die für höhere Beträge Gewürze kaufen als in Frick.»

350 Produkte von Ajowan bis Zimt bietet Martin Schmid an seinem Gewürzstand an.

Am Anfang scheitern viele

Laut Schmid gibt es über die letzten Jahre vermehrt Lücken zwischen den Ständen. Dies, weil gestandene Marktfahrer wie Regenschirmverkäufer Sepp Koller oder Messerschmied Romano Chiecchi ihren Stand aufgegeben haben.

«Einige der Neuen geben schnell auf, weil sie beim ersten Mal nicht den Umsatz erreichen, den sie sich versprochen haben», sagt Schmid.

Einer, der die Anfangsphase erfolgreich absolviert hat, ist Elia Guarracino, der mit seiner Familie seit vier Jahren italienische Feinkost auf dem Fricker Markt verkauft. «Klar, es braucht immer eine gewisse Anlaufzeit, bis man sich eine Stammkundschaft aufgebaut hat. Das wichtigste sind gute Produkte und jedes mal vor Ort zu sein», sagt Guarracino.

Marktbesucher mögen Feinkost

Mit getrüffeltem Schafskäse und selbst gemachten Teigwaren trifft er den Nerv der Marktbesucher. So stehen exklusive Marktleckereien hoch im Kurs der Marktbesucher. «Etwas Feines für den Gaumen ist schneller im Einkaufskorb als etwas, das ich an jeder Ecke kaufen kann», so Guarracino.

Im Gegensatz zu Schmid verkauft Guarracino in Frick pro Kunde grössere Mengen als anderswo. «Einige Marktbesucher kaufen hier so viel, dass sie bis zum nächsten Markt mit Produkten eingedeckt sind. Gerade in ländlichen Regionen wird für Feinkost mehr ausgegeben als in der Stadt», erklärt er.

Einen schwierigeren Stand hingegen hat Werner Soom, der seit dem Jahr 2000 Strickwaren und Outdoorbekleidung auf dem Fricker Markt verkauft. «Ich kann nicht abstreiten, dass der Online-Handel negativ für den Marktbetrieb ist», sagt Soom.

Weil er sein Angebot jedoch auf ältere Damen ausrichtet, die ihn regelmässig auf dem Fricker Markt besuchen, gibt er sich zufrieden: «Meine Umsatz war früher besser, ist seit Jahren aber auf einem konstanten Niveau, mit dem ich leben kann.»

Zwar kaufen die Besucher pro Markt in Frick für weniger Franken ein als andernorts, dafür aber auch öfter. «Der Vorteil daran ist, dass meine Stammkunden in Frick nicht ein ganzes Jahr warten müssen, bis ich wieder komme, falls sie einmal verhindert sind und sie zudem gezielter für die anstehenden Jahreszeiten einkaufen können», sagt Soom.