Wölflinswil
Leidenschaftlicher Gesang mit furiosem Temperament

Für grosse Begeisterung im Publikum sorgte die Sopranistin Noëmi Nadelmann mit ihrem Chor in der Kirche St. Mauritius Wölflinswil. Sie trat im Rahmen der Natur- und Kulturwoche im Benkental auf.

Ingrid Arndt
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Noëmi Nadelmann (vorne, im roten Kleid) beim Konzert mit ihrem Chor in der Kirche Wölflinswil. – Foto: ari

Noëmi Nadelmann (vorne, im roten Kleid) beim Konzert mit ihrem Chor in der Kirche Wölflinswil. – Foto: ari

Ein ganz besonderes Muttertagspräsent hatten die Organisatoren vom Verein «dorfplus» Wölflinswil-Oberhof an der 3.Natur-und Kulturwoche im Benkental organisiert: die international renommierte Schweizer Opernsängerin Noëmi Nadelmann gastierte mit ihrem Chor in der Kirche St. Mauritius.

Beide Konzerte waren ausverkauft, die Gäste waren dazu teilweise von weit her angereist.

Die brillante Sopranistin zählt zu den erfolgreichsten, vielseitigsten, ausdrucksstärksten sowie wandlungsfähigsten Sängerinnen in der klassischen Musikszene. Sie ist eine überragende Interpretin mit grosser Theaterbegabung, was sie auch in Wölflinswil grossartig unter Beweis stellte.

Zuhause ist sie auf allen bekannten Opernbühnen der Welt. Ihr Repertoire reicht von der Klassik bis hin zur Modere. Noëmi Nadelmann wurde 1962 in Zürich geboren und ist in einer Künstlerfamilie aufgewachsen. 1997 erhielt sie den Mozart-Preis der Goethe-Stiftung, in ihren Rollen als Opernstar ist sie international gefragt.

Mit ihrem Chor ist sie seit 2010 unterwegs. Als eine der Chorleiterinnen war sie bei der damaligen Wettbewerbssendung im Schweizer Fernsehen dabei. Aus mehr als 300 Kandidatinnen und Kandidaten wählte sie sich die 24 schönsten und stärksten Stimmen für ihr Ensemble aus. Alle haben eine hervorragende, gesangliche Ausbildung, sind jedoch keine Profis.

Mit dem «Halleluja» des Barockkomponisten Georg Friedrich Händel, eine der bekanntesten Melodien aus seinem Oratorium «Messias», eröffneten sie packend und kraftvoll das Konzert, begeisterten von der ersten Note an.

Mitgebracht hatten sie spirituelle Gesänge, Kirchenlieder, Perlen aus Oper und Operette, eine herrlich verspielte, neapolitanische Weise, Melodien aus einem Musical sowie eine wunderschöne Klavierimprovisation von André Desponds dargeboten, der den Chor auch durch das Programm am Flügel begleitete.

Noëmi Nadelmann war Solistin und Dirigentin zugleich. Ganz besonders gefiel, dass die Formation nicht nur mit ihrem ausdrucksstarken Gesang bestach, sondern den Inhalt der Lieder auch lebte und darstellte.

Eng aneinander gedrängt waren sie zum Beispiel geknechtete Hebräer, die mit dem Lied «Flieg Gedanke. . .» aus Guiseppe Verdis «Nabucco» sehnsuchtsvoll berührend an ihre Heimat dachten oder auch bei der Geschichte über den biblischen Propheten Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Unglaublich die Fülle und Präsenz von Noëmi Nadelmann, die solistisch bestach mit einem Lied aus Richard Wagners romantischer Oper «Tannhäuser»; sie flirtete locker mit den Herren des Chors bei der «Habanera» aus Bizets «Carmen», sang sektselig makellos im Duett mit Stephan Bischof das «Libiamo», war mit ihrem furiosen Temperament verwickelt in Liebe und Leidenschaft rivalisierender Jugendgangs in der «West Side Story» von Leonard Bernstein, verband dabei mühelos jazzige Rhythmen mit beschwingten, weichen Melodien.

Herbert Rutishauser kehrte als Dandy und Lebemann mit dem Chor keck ein im Maxim bei Franz Lehars «Lustiger Witwe», als feurige Italien verkleidet nahmen sie die Zuhörer mit ins sonnige Neapel.

Mit einer Standing Ovation dankte das Publikum dem Ensemble für diesen Kunstgenuss.