Selbstpflückfelder
Langfinger auf der Blumenwiese – die Betreiber sind machtlos

Auf den Fricktaler Selbstpflückfeldern nimmt es nicht jeder mit der Bezahlung so genau – die Betreiber sind machtlos.

Dennis Kalt
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Bietet derzeit auf ihrem Blumenfeld Tulpen an: Stéphanie Delz vom Rüchihof in Möhlin.

Bietet derzeit auf ihrem Blumenfeld Tulpen an: Stéphanie Delz vom Rüchihof in Möhlin.

Dennis Kalt

Warum kaufen, wenn man es auch klauen kann – das sagen sich scheinbar einige und stehlen Rosen, Tulpen und Gladiolen von den Selbstpflückfeldern der Fricktaler Hofläden. Auf dem Rüchihof in Möhlin hat man mit den Langfingern schon so manch unliebsame Erfahrung machen müssen. So machte früher der eine oder andere Transporter am Blumenfeld an der Salinenstrasse halt, um sich nachts die Ladefläche zu füllen. «Gut möglich, dass sie die geklauten Blumen am nächsten Morgen auf dem Basler Markt verkauft haben», sagt Hofbetreiberin Stéphanie Delz. «Jedenfalls haben wir uns dann dazu entschieden, das Blumenfeld einzuzäunen.»

Manchmal, wenn es Delz wundernimmt, wie es um die Zahlungsmoral der Selbstpflücker bestellt ist, tritt sie inkognito als Kundin im eigenen Blumenfeld auf und beobachtet. «Es kommt immer wieder vor, dass Leute sich an der Kasse vorbeischleichen», so Delz. Auch nehmen es einige mit der Preisliste, die am Kassenstand hängt, nicht so genau. «Die Kunden machen manchmal ihre eigenen Preise und werfen anstatt acht nur sechs Franken in die Kasse.» Ausser die Zechpreller anzusprechen, wenn sie diese in flagranti erwischt, bleibt Delz nicht viel übrig. Das Gedankenspiel mit der Kamera habe sie jedenfalls schnell verworfen und auch der Personalaufwand sei viel zu gross, um ständig jemanden an der Kasse stehen zu haben.

Blumen verschwinden in Chargen

Christine Müller vom Widhaghof in Schupfart bietet seit 25 Jahren Blumen zum Selberpflücken an: «Die Zahlungsmoral war früher besser», sagt sie. Müllers zehn Aren grosses Blumenfeld liegt direkt an der Hauptstrasse von Schupfart Richtung Wegenstetten. An den Blumen sind Preisetiketten angebracht. In einem Häuschen gibt es Messer und eine Kasse. Dort steht auch ein Spruch: «Geklaute Blumen machen keine Freude.» Trotzdem: «Ich muss damit leben, dass einigen der Spruch egal zu sein scheint», sagt Müller. Im Vergleich zu ihrem Schwager, der am Stadtrand von Aesch BL ein Blumenfeld besitzt, kann sie das jedoch gut. So verschwänden bei diesem die Blumen chargenweise. «Ich glaube, in ländlichen Gebieten hält man es mit der Ehrlichkeit genauer», sagt Müller. Hin und wieder hinterliessen die Kunden in der Kasse auch eine Notiz mit ihrem Namen und der Nachricht, dass sie kein Geld dabei hatten. «Dann kann ich mir sicher sein, dass sie, wenn sie das nächste Mal am Stand vorbeifahren, auch bezahlen.»

Keine Blumen, sondern Erdbeeren, kann man in rund vier Wochen auf dem Feld von Roger Schmid in Wölflinswil pflücken. Dass Leute ausserhalb der regulären Zeiten – dann, wenn niemand an der Kasse steht – pflücken und nicht bezahlen, käme nur ein bis zwei Mal im Jahr vor. Absicht unterstellt Schmid den Leuten dabei nicht. «Die kapieren halt einfach das System nicht.» Gerade die Lage des Feldes direkt an der stark frequentierten Wölflinswilerstrasse verunmöglicht es, unbeobachtet Erdbeeren zu stibitzen. «Das ist eine starke Hemmschwelle für Erdbeeren-Diebe», so Schmid.

Roland Brogli vom Widmatthof in Zeiningen verkauft derzeit auf 20 Aren Pfingstrosen und Bartnelken. Ab und an schaut Brogli vom Hofladen auf das Blumenfeld hinaus und beobachtet die Leute. Wenn er das Gefühl habe, es will sich jemand ohne Bezahlung aus dem Staub machen, renne er manchmal raus auf das Feld. Auf Dauer sei ihm das aber «zu blöd». «Wenn jemand es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, geklaute Ware zu verschenken, sagt das viel über denjenigen aus. Das ist beschämend», so Brogli.

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