Laufenburg

Kunst kann ganz schön erfinderisch machen

Im Rahmen der Veranstaltung «Gim - Generationen im Museum» fanden sich im Rehmann Museum in Laufenburg junge und ältere Leute ein, um gemeinsam zu den ausgestellten Kunstobjekten Geschichten zu erfinden.

Kunst gefällt oder gefällt nicht. Sie verunsichert, sie begeistert, sie reisst Meinungsgräben auf. Genauso vereint sie losgelöst von Nationalität, Sprache und Alter die Menschen. Und um Letzteres ging es am Montagnachmittag im Laufenburger Rehmann Museum: Ein Zusammentreffen von Generationen. Die mehrheitlich 15-jährigen Schülerinnen und Schüler der Laufenburger Kreisschule trafen auf Gesprächspartner, die teilweise schon im Pensionsalter sind. In der Runde ebenfalls dabei war der Namensgeber des Museums, der 94-jährige Bildhauer Erwin Rehmann.

Sonja und Oriana erzählen ihre Geschichte zur Skulptur «Frau mit Kugel» von Erwin Rehmann. Der Künstler ist der Herr mit dem weissen Haar.

Sonja und Oriana erzählen ihre Geschichte zur Skulptur «Frau mit Kugel» von Erwin Rehmann. Der Künstler ist der Herr mit dem weissen Haar.

Altersunterschiede von rund 20 bis 80 Jahren machen sich normalerweise auch bei den unterschiedlichen Interessen bemerkbar. Nicht so während der Nachmittagsstunden im Rehmann Museum. Das Motto der Veranstaltung hätte denn auch statt «Gim – Generationen im Museum» genauso gut «Gespräche im Museum» heissen können. Das Bindeglied zwischen den Generationen waren die Kunstobjekte der laufenden Ausstellung «Gehäuse». Gefordert waren aber keineswegs fachlich fundierte hochstehende Betrachtungen. Das hätte bei den jungen Leuten die so oder so schon vorhandene Berührungsangst zu allem, was als hochstehende Kunst bezeichnet wird, zusätzlich verstärkt.

Geschichten entstehen

Vielmehr zählten die eigenen spontanen Eindrücke, Gefühle und Ideen. Die generationenübergreifenden Zweier- und Dreiergruppen liessen sich im Museumsinnern oder im Skulpturengarten jeweils von einem Werk zu Geschichten inspirieren. Innert gerade nur 30 Minuten entstanden so ganz spezielle Erzählungen. So sah sich beispielsweise das Team Alois und Sven von Anton Egloffs Werkgruppe «City» an die aktuelle Wohnungsnot erinnert. Die vielen offenen Gebäude werden nicht den Menschen zum Leben und Wohnen zur Verfügung gestellt. Platz hat da nur die Kunst.

Draussen im sonnigen Skulpturengarten fühlte sich das Zweiergespann Sonja und Oriana von Erwin Rehmanns «Frau mit der Kugel» in die Zeit der ersten Frau Eva zurückversetzt. Diese hatte die Welt in die Arme genommen und für sie gebetet.

Der Ruf des Sportes

Gleich zwei Gruppen liessen sich von Rehmanns über 5 Meter hohen Figur «Der Ruf» in den Geschichtenbann ziehen. Bereits in der Vorstellungsrunde hatten viele der männlichen Jugendlichen Fussball als grosses Hobby angegeben. Da verwundert es nicht, dass Sport auch beim «Ruf» eine Rolle spielte. Die eine Geschichte zielte etwas zynisch in die Testosteronecke. Der «Ruf» wurde in Herr Zeuskules unbenannt. Durch sein unsportliches Verhalten zog sich eben dieser Herr Zeuskules so manch bleibende und gut sichtbare Verletzung zu. Als Statue gegossen, soll er nun als Mahnmal gegen die Unsportlichkeit stehen. Die andere «Ruf»-Gruppe sah in der Figur einen Fussballer, der trotz seiner Verletzungen ein Gewinner ist.

Evelyne, Mirjana und Malaviga erkannten in einer verschlungenen Skulptur ein Möbelstück, das nach einem Umzug nirgends mehr passte. Am 1. August erwachte es zu Leben und wurde für die Familie zu einem wichtigen Bestandteil. Erwin Rehmann lacht und erklärte, dass seine «Sphinx» zwei Körper mit einem Kopf darstellt.

Der Baumtorso im Obergeschoss des Museums verleitete mehrere Teams zum Dichten. «Ein Baum voller geheimnisvoller Geschichten», sagt die 15-jährige Katharina. Für ihre Schulkollegin Lidia und ihre ältere Begleitung Heidi , erzählt der Baumtorso von einem magischen Wald. Ein Wald, in dem ein Geschwisterpaar erkennt, dass Liebe viel wichtiger ist als alles Gold der Welt. Erwin Rehmann fügt an, dass er den 1200 Kilogramm schweren Torso ganz alleine angefertigt hat. Ein Beweis, das man etwas, wenn man es nur will, auch alleine bewältigen kann. Regula Laux von der Museumsleitung merkte hier an, dass es doch auch schön sei, gemeinsam mit anderen etwas zu schaffen. Das vielfache, zustimmende Nicken der jungen und auch älteren Geschichtenerfinder gaben ihr Recht. So manch weitere von Jung und Alt gemeinsam entstandene Geschichte wurde an diesem Nachmittag erzählt. «Ich fand es richtig schön», sagte beim Hinausgehen eine Schülerin zu ihrer Kollegin.

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