Konsumverhalten
Nachhaltigkeit im Trend: Fricktaler Brockis und Secondhand-Läden boomen seit Corona

Die Pandemie zwingt die Menschen dazu, mehr zu Hause zu sein – und dort fällt dann der Blick in übervolle Kleiderschränke. Also ab damit zur Brockenstube oder zum Secondhand-Laden. Ist ja nachhaltig, Gebrauchtes noch zu verwerten. Das sagen sich auch im Fricktal viele. Die hiesigen Brockis und Läden spüren das.

Hans Christof Wagner
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Rebecca Frank (links) und Iris Frei vom «Brockoli» in Frick freuen sich über volle Bestände.

Rebecca Frank (links) und Iris Frei vom «Brockoli» in Frick freuen sich über volle Bestände.

Hans Christof Wagner

«Die Menschen haben jetzt Zeit und Musse, daheim auszumisten, sich vom Alten zu trennen, Platz für Neues zu schaffen», sagt Marsha Mueller, beim Gemeinnützigen Frauenverein Rheinfelden Ressortleiterin der Brockenstube an der Bahnhofstrasse. Ihre Wahrnehmung: «Mit Corona finden die Leute Fashion nicht mehr so attraktiv.»

Gleichzeitig hätten sie zu Hause aber die Schränke voll. Was also tun mit den vielen Klamotten? Sie in die Rheinfelder Brockenstube bringen, wo sie womöglich einen neuen Träger finden. Mueller berichtet:

«Wir haben ein ganzes Stockwerk mit Kleidung mit vielen Markenprodukten darunter. Alles ist sehr sauber und riecht überhaupt nicht nach Brocki.»

Man habe eine tolle Kundschaft, die tolle Waren liefere, sagt sie. Ihre abgelegte Kleidung noch zu Geld zu machen, darauf ist die Kundschaft nicht aus. Die Rheinfelder Brockenstube beteiligt sie nicht an den Verkaufserlösen. Diese fliessen vollumfänglich in die Förderung gemeinnütziger Projekte.

Auch das Gros der Ware im «Brockoli», dem Fricker Brockenhaus in der Widengasse, ist laut den beiden Mitarbeiterinnen Rebecca Frank und Iris Frei gespendet. Seit Anfang März wieder geöffnet, strömt die Kundschaft erneut in das weitläufige Geschäft, das ein Warenhaus für Gebrauchtartikel darstellt. «Viele haben dem Tag der Wiedereröffnung nach dem Lockdown entgegengefiebert», berichtet Frank.

Auch die Nachfrage ist spürbar gestiegen

Seitdem sei viel Ware zum Verkauf abgeliefert worden. Doch auch die Nachfrage danach ist entsprechend gross. Frei berichtet:

«Auch bei den Jungen merken wir das Umdenken weg von der Wegwerfgesellschaft.»

Mehr als je beobachtet Mueller, dass der Einkauf im Brocki keine soziale Frage ist. Auch Leute mit höherem Budget gehörten zur Kundschaft. Viele hätten die gute alte Brocki wieder- oder neu entdeckt. «Bei uns finden Käufer im Bereich Kleidung so gut wie alles – vom Töff-Outfit bis zum Hochzeitsfrack», sagt Frank.

Über mangelnde Wahrnehmung kann auch Nadia Gysler von Allerhandwerk & Kindersecond in der Rheinfelder Marktgasse nicht klagen. Sie sagt:

«Die Leute überrollen mich mit Ware. Da muss ich schon lange gar nichts mehr dafür tun. Auch vor Corona schon nicht.»

Eher müsse sie «oft auf die Bremse treten». Die Pandemie habe jetzt nicht den Mega-Boom ausgelöst. Aber zumindest ist Gysler froh, dass auch während der Zwangsschliessungen die Leute ihr die Treue gehalten und ihre Secondhand-Kinderkleider nicht online angeboten haben.

Sie hatte das befürchtet. Aber die Furcht war unbegründet. Manche hätten es ausprobiert, seien dann aber nach schlechten Erfahrungen wieder zu ihr zurückgekehrt. Gysler sagt: «Ich gebe den Kunden die Artikel sogar mit nach Hause zum Anprobieren.» Komme es zum Verkauf, behält sie 60 Prozent, der Rest geht an den Einlieferer.