Mettauertal

Köhlerin Doris Wicki bringt den Berg zum Glühen

Freuen sich auf den Start der Veranstaltung «Vom Baum zur Kohle» André Schraner und Köhlerin.

Freuen sich auf den Start der Veranstaltung «Vom Baum zur Kohle» André Schraner und Köhlerin.

Morgen Freitag wird der rund zwei Meter hohe Meiler angezündet. Die Köhlerin Doris Wicki lässt dabei nichts anbrennen.

Für André Schraner, der rund vier Jahrzehnte die Mettauertaler Wälder bewirtschaftete, sind es schöne Tage, Tage der Vorfreude. Morgen Abend wird er eine alte Handwerkskunst aufleben lassen, wenn beim Schützenhaus auf dem Mettauerberg der rund Zwei Meter hohe Kohlenmeiler angezündet wird. «Es ist uns ein Anliegen, der Bevölkerung einen Einblick in die traditionelle Holzköhlerei zu geben und diese Tradition damit aufrechtzuerhalten», sagt Schraner.

Die Veranstaltung auf dem Mettauerberg, die sich über mehrere Tage erstreckt, steht unter dem Motto «Vom Baum zur Holzkohle». Neben dem Verweilen am Kohlenmeiler haben Besucher die Möglichkeit, sich auf den Pfad aufzumachen, der mit den Bäumen des Jahres der letzten 30 Jahre gespickt ist. Beim diesjährigen Köhleranlass rückt die Edelkastanie – der aktuelle Baum des Jahres – in den Mittelpunkt, sagt Schraner. «Gut möglich, dass erstmals ‹heissi Marroni› aus dem Mettauertal, geröstet auf einheimischer Holzkohle, verköstigt werden können.»

Verschwelen statt Verbrennen

Verantwortlich für das Verschwelen des Kohlenmeilers ist die Entlebucherin Doris Wicki, die seit rund 18 Jahren dem traditionellen Handwerk der Holzkohleherstellung nachgeht. «Das Interesse im Dorf ist gross», sagt sie. Immer wieder seien Leute vorbeigekommen, um sich ein Bild vom Meiler zu machen. «Ich finde es faszinierend, wie die Menschen eines Tages das Prinzip der Köhlerei entdeckt haben – dass sich etwas, das bereits langsam verbrannt ist, erneut anzünden lässt und viel mehr Energie freisetzt», sagt sie. Erst dies habe die Herstellung von Eisen und Werkzeugen ermöglicht. «Dass ein altes Handwerk, das die Grundlage für den heutigen Fortschritt bildet, immer noch ausgeführt und weitergetragen wird, freut mich sehr.»

Mit Tannengrün bedeckt

Insgesamt elf Ster Holz wurden verarbeitet. Wicki rechnet, dass der Meiler damit etwa elf Tage lang verschwelen wird. «Die Grundlage eines jeden Kohlenmeilers ist ein Holzrost, auf dem er steht sowie das sogenannte ‹Füllihus›, eine Art hölzerner Kamin», erklärt sie. Darauf werden verschieden lange Holzstücke aufgeschichtet. Das Gerüst wird zuerst mit Tannengrün und anschliessend mit einer dicken Schicht «Löschi» bedeckt – einem Gemisch aus Kohlestücken, Kohlestaub und Wasser. «So wird der Kohlenmeiler luft- und wasserdicht verschlossen. Da kein Sauerstoff eindringt, verbrennt das Holz nicht, sondern wird bei Temperaturen von 400 bis 500 Grad verschwelt», erklärt Wicki.

Alle zwei Stunden muss Wicki die Glut kontrollieren – auch nachts. Deswegen ist sie während der Veranstaltung im Schützenhaus auf dem Mettauerberg einquartiert. Bei vier bis sechs Veranstaltungen im Jahr hat sie sich schon dran gewöhnt, dass der Wecker sie mehrmals aus dem Bett klingelt, wenn für gewöhnlich die Menschen tief und fest schlafen. «Verschlafen habe ich noch nie», sagt sie.

Sobald das Holz zur Kohle verschwelt ist, wird eine Plane über den Meiler gelegt. Im Frühjahr wird diese dann entfernt, der Meiler geöffnet und die Kohle verpackt und verkauft.

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