Im Fricktal gibt es viele traditionelle Weinbaudörfer. Dazu zählte – bis in die 1930er-Jahre – auch Mumpf. Gerhard Trottmann, pensionierter Lehrer, hat die Geschichte des Rebbaus in der Gemeinde Mumpf erforscht. Seine Aufzeichnungen sind kürzlich in der neusten Dorfchronik «Mumpfer Fähri» erschienen.

Bis ins Mittelalter lassen sich der Rebbau im Fricktal und der damit verbundene Handel mit Wein zurückverfolgen. Wie Gerhard Trottmann herausgefunden hat, war der Wein das wichtigste Getränk im Hause einer Familie und für die Rebleute dementsprechend eine wichtige Erwerbsquelle.

Immerhin ergab eine Fläche von einer Jucharte (3 bis 4 Aren) Rebland ums Jahr 1860 etwa 1500 Liter Wein, das heisst, rund 400 Franken Einnahmen. «Wer die Mumpfer Topografie vor Augen hat, kann sich heute kaum vorstellen, dass es im Dorf einmal Reben gab und Wein in die badische Nachbarschaft exportiert wurde.

Rodungen für die süssen Trauben

Das früheste bekannte Anbaugebiet befand sich unterhalb der Mumpfer Fluh und trug die Ortsbezeichnung Reeben», so Gerhard Trottmann. 1802 beschloss die Gemeindeversammlung die Umwandlung von etwa 3 Hektaren Gemeindewald in neues Rebland. Oberhalb des Gebiets Kapf wurde die Fläche für Neureben gerodet.

Auf der Siegfriedkarte von 1880 ist die Mumpfer Rebfläche mit 18 Hektaren in der Aegerten (Reeben) eingezeichnet und mit 3 Hektaren beim Kapf (Neureben). Verarbeitet wurden die Trauben in der Trotte, die in den archivierten Dokumenten jedoch erst ab 1806 urkundlich erwähnt ist.

Der Wein war also, wie Gerhard Trottmann beschreibt, nicht nur Grundnahrungs- und Genussmittel, sondern auch eine bedeutende Handelsware.

Niedergang wegen Auswanderung

Die Weinproduktion im Mumpf erlebte gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihren Niedergang: Auswanderungen von Dorfbewohnern nach Amerika, das Auftauchen von Rebkrankheiten und der Befall der Reblaus waren ausschlaggebend. Hinzu kam noch der Import von Wein aus Italien mit der Bahn.

1906 ging die Mumpfer Trotte ein, worauf die Gemeinde ein Jahr später im Untergeschoss des damaligen Schul- und heutigen Gemeindehauses eine Gemeinschafts-Mostpresse errichtete.

In der Gemeindechronik von 1930 ist erwähnt, dass 1929 «ein vorzüglicher Wein» gewachsen war und deshalb wieder mit dem Pflanzen von Reben begonnen werde, jedoch mit amerikanischen Sorten.

Dazu Gerhard Trottmann: «Auch diese Träume verflogen bald danach – der Mumpfer Weinbau wurde endgültig aufgegeben.» Die Bauern wechselten vom Rebbau zum Obstbau.