Wittnau
Keine Ortbürger mehr, sondern nur noch Einwohner?

Ortsbürger zeigen wenig Verständnis für eine Fusion mit der Einwohnergemeinde

Hans Christof Wagner
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Auch nach der Versammlung ging die Diskussion weiter, hier zwischen Rolf Brogle (links) und Gemeindeammann Werner Müller.

Auch nach der Versammlung ging die Diskussion weiter, hier zwischen Rolf Brogle (links) und Gemeindeammann Werner Müller.

Hans Christof Wagner

Noch berät der Gemeinderat darüber, ob er die Fusion von Ortsbürger- und Einwohnergemeinde überhaupt aufgleisen soll. Besucher eines Informationsanlasses am Donnerstagabend signalisierten wenig Zustimmung. Grosse Vorteile konnte Gemeindeammann Werner Müller den im Mehrzweckraum Anwesenden auch keine nennen.

Da sind gewisse Einsparungen im Verwaltungsaufwand, die ein Wegfall der Ortsbürgergemeinde mit sich brächte. Aber die Summe bewegt sich im unteren fünfstelligen Bereich und das, Müller räumte es ein, sei auch «nur theoretisch». Wobei – auch die Nachteile wären nicht so gravierend. Sicher, die Ortsbürger wären nach einer Fusion keine mehr, wären «nur» noch Einwohner. Aber aus dem Status, auch das wurde in der Versammlung deutlich, erwachsen ja auch schon lange keine richtigen Privilegien mehr, auch kein Gratis-Brennholz.

Wald wirft momentan Gewinn ab

Der Wald, der den Wittnauer Ortsbürgern gehört, wirft momentan mit rund 23 000 Franken jährlich zwar Gewinn ab. Doch das kann sich auch wieder ändern. Hinzu kommt, dass das, was die Ortsbürger auf der hohen Kante haben – die Forstreserve – weitgehend gar nicht angefasst werden darf. Von aktuell 456 000 Franken müssen 390 000 Franken im Topf bleiben. Nur 66 000 Franken könnten ausgegeben werden.

Diese Beschränkung würde laut Müller wegfallen, sollte die Einwohnergemeinde Eigentümerin des Wittnauer Forstes werden. Und das fände der Gemeindeammann gut. «Dann würde das Geld nicht mehr unnütz herumliegen, sondern könnte viel Gutes tun.»

Der Gemeinderat hätte doch auch früher schon Vorschläge machen können, wie das Geld der Ortsbürger, auch wenn es nicht viel ist, ausgegeben werden kann. Diesen Einwand machte Rolf Brogle, selbst acht Jahre lang Gemeinderat und «erklärter Gegner einer Fusion», wie er in der Diskussion des Abends betonte. Müller konterte: «Auch von den Ortsbürgern sind nie Ideen gekommen, die hätten genauso gut aktiv werden können.»

Aktiv geworden ist indes der Gemeinderat mit seinen Überlegungen, die Ortsbürgergemeinde zu Grabe zu tragen. Ein erster Workshop im Mai 2015 wurde noch weitgehend ignoriert. Doch am jüngsten Anlass, zu dem auch Einwohner eingeladen waren, nahmen immerhin schon rund 50 Personen teil. Und es schien, als seien die Ortsbürger erwacht. Erstmals in ihrer langen Geschichte reflektierten sie über ihren Status, diskutierten über ihr Selbstverständnis, machten sie Gedanken über die Zukunft.

Ob der Gemeinderat den Souverän in den Sommergemeindeversammlungen am 9. Juni über eine Auflösung abstimmen lassen wird, steht noch nicht fest. Falls ja, müssten sowohl Ortsbürger wie auch Einwohner Ja sagen – in den Versammlungen wie auch an der Urne.

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