Stein
Kampf gegen Scherben: Glasverbot vermiest Grill- und Trinkfreuden

Zum Grillieren gehören raue Mengen Flaschenbier. Das war einmal, zumindest in der Gemeinde Stein. Dort will man das Mitführen von Glasflaschen nun verbieten. Bald schon soll die Polizei die ersten Trinker am Rheinufer mit 50 Franken büssen.

Daniel Fuchs
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Wer kennt das Bild nicht, das sich nach einem sommerlichen Wochenende an lauschigen Plätzen an Aare oder Rhein zeigt? Zigarettenstummel, liegen gelassener Abfall und Glasscherben zwischen den Steinen zeugen von den allseits beliebten Grill-Gelagen am Vorabend. Auch am Rheinufer zwischen der alten Holzbrücke und dem Kraftwerk in Stein dürfte sich das Bild nach dem kommenden Wochenende – verspricht es doch, ein warmes zu werden – zum wiederholten Male zeigen.

Spaziergänger und Gemeindearbeiter, jene also, die sich ob all dem Abfall stören, müssen in Sisyphusarbeit wegräumen, was die meist jugendlichen Trinker aus Unachtsamkeit oder Faulheit liegen lassen. Und das trotz der unübersehbaren Mülltonnen.

Bald mit Hinweistafeln

In Stein reagiert man nun mit einer drastischen Massnahme: Die Gemeinde will das Mitbringen von Glasflaschen ganz verbieten. Die Verbotstafeln seien bereits bestellt, sagt Gemeindeschreiber, Sascha Roth, auf Anfrage der az. Sobald man die Tafeln aufgestellt habe, werde das Verbot auch durchgesetzt und Wiederhandlungen zur Anzeige gebracht. Wie die «Neue Fricktaler Zeitung» schrieb, soll neben dem «Mitführen von Glasbehältern und Glasflaschen» auch die «nicht ordnungsgemässe Abfallentsorgung» verboten werden. Doch sollen die Tafeln auch auf Regelungen hingewiesen, die bereits im Polizeireglement stehen: dem Verbot von Ruhestörungen und vom «Aufenthalt berauschter Personen».

Solange die Hinweistafeln aber noch nicht am Rheinufer stehen, dürfen Glasflaschen weiterhin mitgebracht werden, bestätigt Sascha Roth.

Erfahrungen in Rheinfelden

Stein zieht damit eine Praxis nach, welche man in Rheinfelden bereits im Frühling 2007 eingeführt hat. Dort dürfen die Besucher seither keine Glasflaschen mehr ans «Inseli»-Ufer mitbringen, wie der Stadtschreiber Roger Erdin erklärt. Seine Begründung: «Das Inseli ist sehr beliebt bei unseren Badegästen. Immer wieder kam es zu Schnittwunden wegen der Scherben, die im Wasser lagen.» Seit dem Verbot habe sich das Problem aber deutlich entschärft.

Für die Regionalpolizei unteres Fricktal bedeuten die Verbote einen Mehraufwand, bestätigt der stellvertretende Chef Andreas Hollenstein. Dieser Mehraufwand halte sich aber in Grenzen. Doch ist es nicht kleinlich, die Bürger wegen einer Bierflasche zu büssen? «Nein», sagt Hollenstein. «Im Fall der Glasflaschen macht es Sinn, wenn man bedenkt, dass sich kleine Kinder an den Scherben verletzen können».

Die Polizei trete zudem nicht kleinlich auf. Situationsbedingt könnten die patrouillierenden Polizisten auch mal von der Busse von 50 Franken absehen und stattdessen eine Verwarnung aussprechen.

Pfand wird wieder zum Thema

In Stein erhofft man sich, dass mit der Massnahme rasch Besserung einkehrt. Zwar stören Gemeindeschreiber Sascha Roth auch andere Abfälle, liegen gelassene Petflaschen etwa oder Verpackungsmaterial. Doch seien Scherben schlichtweg zu gefährlich, da die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier zu gross sei.

Die Behörden von Rheinfelden und Stein reagieren also mit mehr Repression auf ein Problem, das man laut Gemeindeschreiber Sascha Roth selber auch mit der Einführung vom Flaschenpfand lösen könnte. Roth appelliert denn auch persönlich an die Politiker, wenn er sagt, dass in der Recyclingpolitik noch Handlungsbedarf bestehe. «Es kann doch nicht sein, dass Leute Abfall anderer beseitigen müssen, deren Aufgabe dies gar nicht ist.» Ein Pfand – so Roth – würde genügend grossen finanziellen Anreiz schaffen, um das Problem ein für allemal aus der Welt zu schaffen.

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