Kaiseraugst
Kritik an «Luxusprojekt»: Gemeinderat muss beim Park Wurmisweg-West noch einmal über die Bücher

Bei der Gemeindeversammlung wollte sich der Gemeinderat das Ja zu einem 975'000 Franken-Kredit einholen. Doch der Souverän erteilte dem eine Abfuhr – vorerst. Ein Rückweisungsantrag fand unter den 104 Anwesenden eine Mehrheit. Jetzt muss der Gemeinderat nachlegen und verliert bis zur Sommergmeind 2022 Zeit.

Hans Christof Wagner
Drucken
Im Kaiseraugster Römergarten-Areal will der Gemeinderat zwecks Quartierbildung einen Park errichten.

Im Kaiseraugster Römergarten-Areal will der Gemeinderat zwecks Quartierbildung einen Park errichten.

Nadine Böni (20. Juni 2019)

Beim Grossprojekt Römergarten in Kaiseraugst sollen in den kommenden Jahren 300 Wohnungen entstehen. Damit es die bestehenden und künftigen Bewohner angenehm haben, plant der Gemeinde dort auch einen Quartierfreiraum/Park. Damit trat er jetzt vor die Gmeind. Konkret ging es um ein Kreditbegehren in Höhe von 975'000 Franken. Gemeinderat Jean Frey stellte das Geschäft den 104 in der Turnhalle Dorf anwesenden Stimmbürgern vor. Nach dem Projekt Kindergarten und dem dazu gehörenden Spielplatz sei der Park die dritte Massnahme im Areal Wurmisweg-West. Frey betonte:

«Wir wollen damit einen quartierübergreifenden Freiraum von 4600 Quadratmetern schaffen, als Ort für Bewegung, Begegnung, Erholung und Spiel.»

Was in den geplanten und bereits gebauten Neubaustrukturen im Areal Römergarten fehle, seien Strukturen, die eine Quartierbildung und gemeinsame Identität ermöglichten. Das solle der geplante Park leisten. «Es sollen bewusst keine Bäumchen, sondern Bäume mit einem Umfang von 30 Zentimetern und grösser gesetzt werden», sagte Frey. Ziel sei es, schon von Beginn an möglichst viele Schattenflächen anbieten zu können.

Weiter nannte Frey Klettergerüste, Sitzgelegenheiten, Flächen zur Gartennutzung und Wiesen für Ballspiele. Mit knapp 150 Franken pro Quadratmeter sei der Park im regionalen Vergleich günstig zu realisieren. Beim Erlenmattpark in Basel sind es Frey zufolge 200 Franken pro Quadratmeter gewesen. Doch die Stimmbürger rechneten nach. Bei Kosten von 975'000 Franken und einer Fläche von 4600 Quadratmetern belaufe sich der Preis pro Quadratmeter in Wirklichkeit auf 211 Franken. So fiel der Begriff «Luxusprojekt». Frey verwies auf Besonderheiten bei der Zählung.

Keine Aussagen zu den Kosten für den jährlichen Unterhalt

Zudem wurde moniert, dass der Gemeinderat in seinem Traktandum keine Aussagen zu den Kosten für den jährlichen Unterhalt gemacht hat. Frey räumte das ein und schätzte die Unterhaltskosten auf bis zu 20'000 Franken. Der Gemeinderat unterstrich: «Die Verzögerung des Projekts bis in den Sommer 2022 wäre sehr schade.» Doch dazu wird es jetzt kommen. Denn aus den Reihen der Stimmberechtigten wurde der Antrag auf Rückweisung des Geschäfts gestellt. 46 sagten Ja dazu, 38 Nein.

200 aktive Mitglieder, davon rund 120 Jugendliche im FC Kaiseraugst

Zu reden gab auch Traktandum 5, das Darlehen der Gemeinde an den
FC Kaiseraugst von maximal 75'000 Franken als Hilfe zur Errichtung eines Klubhauses. Gemeindepräsidentin Françoise Moser verteidigte das Geschäft so: «Der Gemeinderat schätzt die Leistungen des FC Kaiseraugst und möchte mit dem Darlehen einen unterstützenden Beitrag zur weiteren, erfolgreichen Vereinsarbeit leisten.» 200 aktive Mitglieder, davon rund 120 Jugendliche, bräuchten das Klubhaus dringend. Und die 75'000 Franken seien ja auch der Höchstbetrag. Durch Spenden und Eigenleistungen könne sich die tatsächliche Darlehenssumme noch verringern.

«Als reiche Gemeinde ist das für uns doch locker drin»

Eine Votantin unterstützte das: «Der FC macht so viel für die Jugend. Das Geld kommt doch wieder zurück und als reiche Gemeinde ist das für uns doch locker drin», sagte sie. Auch FC-Präsident Angelo Borserini warb um Zustimmung, sagte: «Wir brauchen das Klubhaus, unterm Strich ist es ein Gewinn für alle.» Dennoch gab es unter den Anwesenden auch kritische Stimmen, die auf den nur provisorischen Charakter des Klubhauses verwiesen, das in Container-Bauweise errichtet, «kein schöner Anblick» sei. So stimmten auch neun gegen die Darlehenszusage, 84 dafür.

Mit grossem Mehr sagte der Souverän jeweils auch Ja zum Budget 2022 mit einem Steuerfuss von 65 Prozent trotz eines Aufwandsüberschusses von
1,3 Millionen Franken und zur Anpassung des Wasserreglements – auch wenn der Preis pro Kubikmeter Trinkwasser ab 2022 von 60 Rappen auf einen Franken steigt.

Aktuelle Nachrichten