Justiz
Kosovare zückt Küchenmesser und verletzt Opfer an der Hand – dafür muss er ihm eine Genugtuung bezahlen

Den Beteuerungen eines vor dem Bezirksgericht Rheinfelden stehenden Mannes aus dem unteren Fricktal unschuldig zu sein, schenkte Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab zwar keinen Glauben. Doch in ihrem Urteil blieb sie dann doch unter dem, was die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg an Strafen gefordert hatte.

Hans Christof Wagner
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Am Bezirksgericht Rheinfelden kam es zu einem Strafverfahren wegen Körperverletzung.

Am Bezirksgericht Rheinfelden kam es zu einem Strafverfahren wegen Körperverletzung.

Hans Christof Wagner (24. Februar 2021)

«Ich hatte am 5. Juni 2019 kein Messer in der Hand. Woher die Verletzungen des Geschädigten stammen, weiss ich nicht.» Mit diesen Worten wehrte sich ein aus dem unteren Fricktal stammender Kosovare vor dem Bezirksgericht Rheinfelden. Dort stand er als Beschuldigter, nachdem er einen vom Oktober 2019 stammenden Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg nicht hingenommen und dagegen Einsprache erhoben hatte.

Staatsanwaltschaft: Geldstrafe in Höhe von 5400 Franken

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm darin vorgeworfen, an jenem 5. Juni 2019 einem 64-Jährigen nach einem verbalen Streit mit einem Küchenmesser eine Schnittverletzung an der rechten Hand zugefügt zu haben. Der Vorwurf: einfache Körperverletzung. Dem Strafbefehl zu Folge sollte er dafür zu einer Geldstrafe in Höhe von 5400 Franken bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt werden. Weiter hätte er mit einer Busse über 1300 Franken und Strafbefehls- und Polizeikosten von knapp 2000 Franken rechnen müssen.

In der Befragung durch Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab gab er sich als friedliebend und gesetzestreu. Er sagte aus:

«Ich lebe jetzt schon seit 40 Jahren in der Schweiz und ich habe mir bis dahin nie etwas zu Schulden kommen lassen.»

Zum 5. Juni 2019 befragt, sagte er aus, dass ihn der Geschädigte selbst verbal beschimpft und gegen ihn tätlich geworden sei. Beschuldigter und Geschädigter, das kam vor Gericht heraus, kannten sich schon seit Jahrzehnten. Man sei immer gut miteinander ausgekommen. Aber seit rund drei bis vier Jahren sei es dann doch zu Problemen gekommen. Der Kosovare nannte Lützelschwab gegenüber Lärmbelästigungen, die er seitens des Geschädigten zu erdulden hätte. In der Verhandlung belastete ein Zeuge den Beschuldigten. Er sagte aus:

«Ich habe gesehen, dass der Beschuldigte das Messer aus der Hosentasche gezogen und den Geschädigten damit verletzt hat. Ich stand unter Schock und hatte Angst.»

Der Geschädigte gab gegenüber Lützelschwab an, wie ihn die Tat vor allem psychisch noch immer belaste. Er sagte: «Ich habe seit dem Tag nachts Albträume und ich halte mich konsequent fern von diesem Mann.» Der Anwalt des Opfers konkretisierte in dessen Plädoyer:

«Mein Mandant ist in nicht unerheblichem Ausmass verletzt worden. Er musste sich in psychiatrische Behandlung begeben und gegen seine Angstzustände medikamentös behandelt werden.»

Die Schwere der körperlichen Verletzung zeige sich schon allen daran, dass die blutende Hand im Spital genäht werden musste. So forderte der Geschädigte, der auch als Privatkläger auftrat, eine Genugtuung in Höhe von 3000 Franken.

Für den Anwalt des Beschuldigten aber war die Beweislage zu dünn. Er führte in seinem Plädoyer aus:

«Mehr als ein Wortgefecht war es nicht, es kam zu keinem Einsatz eines Messers.»

Seine Forderungen lauteten: Freispruch von allen strafrechtlichen Anklagepunkten und Abweisung der Forderung nach Genugtuung. Bei einer derart «oberflächlichen Verletzung» sei diese unbegründet.

Nur noch 1000 Franken Genugtuung

Den Forderungen kam das Bezirksgericht Rheinfelden indes nicht nach. Es sah es als bewiesen an, dass der Beschuldigte das Messer zückte und den Beschuldigten damit verletzte. Die im Strafbefehl der Staatsanwaltschaft stehenden Strafen aber milderte es ab. War es ursprünglich um eine Geldstrafe über 5400 Franken gegangen, reduzierte das Gericht diese um die Hälfte und sprach diese bedingt aus. Auch bei der Geldbusse kam der Kosovare günstiger weg. Und Genugtuung muss dieser jetzt auch nur noch in Höhe von 1000 Franken leisten.

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