Ist die Rede von Militär, so sind die Reaktionen oftmals zurückhaltend bis ablehnend. Nicht so, wenn von der weltweit kleinsten wie auch ältesten (1506 gegründet) noch aktive Armee gesprochen wird. Die Schweizer Garde.

Wer diesem militärischen Korps angehört, ist bereit, mit seinem Leben dasjenige des Papstes zu schützen.

Schutz bieten und für Sicherheit im Vatikanstaat sorgen gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Gardisten. In ihren schmucken Uniformen repräsentieren die rund 110 Garde-Mitglieder im Ausland aber auch typisch schweizerische Eigenschaften wie Diszipliniertheit, Zuverlässigkeit, Auftragstreue.

Zu diesen Repräsentanten gehörte auch Marco Stäuble aus Sulz, aufgewachsen in Gansingen.

Als Schweizer Gardist diente er vom Februar 2010 bis März 2012. Vor einer grossen, sehr interessierten Zuhörerschaft erzählte er am Dienstagabend in der Laufenburger Bibliothek von dieser von Ausdauer, Stehvermögen und auch vielen Eindrücken geprägten Zeit im Kleinststaat Vatikan.

Wie dazu gekommen? «Ich habe 2006 im Fernsehen Berichte zum 500-Jahr-Jubiläum der Schweizer Garde gesehen. Dachte damals vor allem: coole Uniform», schmunzelt der junge Mann.

Wirkliches Interesse zeigte er aber erst einige Zeit später, als er im Pfarrblatt von der Möglichkeit erfuhr, eine Schnupperwoche bei der Schweizer Garde absolvieren zu können. Nahm teil und war begeistert. Also tat er den nächsten Schritt und stellte sich dem Bewerbungsverfahren.

Wer Schweizer Gardist werden möchte, muss auch dem hohen Anforderungsprofil gerecht werden. Diese verlangt: ledig, männlich, katholisch, zwischen 19 und 30 Jahre alt, einwandfreies Leumundszeugnis, abgeschlossene Rekrutenschule sowie abgeschlossene Berufslehre oder Matur.

Wer als Schweizer Gardist durchhalten will, könne parallel dazu eine Partnerschaft vergessen, bekam Marco Stäuble in seinen durchwegs positiv verlaufendem Bewerbungsrunden zu hören.

«Bei mir hat es trotzdem funktioniert», so der Fricktaler. Familie und Freundin in der Schweiz zurückzulassen und die Reise in eine insgesamt doch sehr unbekannte Zukunft nach Italien anzutreten, liess beim Abschied dann schon einige Tränen fliessen.

Die Eindrücke bei der Ankunft in Rom und kurz darauf der Bezug eines 10er-Zimmers im Vatikan waren gross, rückten vieles andere vorerst in den Hintergrund.

Nach der fünfwöchigen RS teilte sich Marco Stäuble ein Zimmer mit zwei Wallisern. Der Fortschritt ist längst auch im Vatikan angekommen.

Mussten früher die über 100 Mannen am einzigen «Münzautomaten» zum Telefonieren lange anstehen, gibt es heute TV und Internetanschlüsse in allen Zimmern. Und das Essen? «Super. Ich habe zehn Kilogramm zugenommen», grinst Stäuble.

Wache, Personen und Fahrzeugkontrollen, Überwachung bei besonderen Anlässen und vieles mehr gehören zu den Aufgaben der Schweizer Garde. Aber auch Lernen (Schiessen, Sprachen, Selbstverteidigung. Personalkenntnisse) ist Teil des Gardistenalltags.

Die genügend vorhandene Freizeit wird unter anderem genutzt, um Region und Leute kennenzulernen. Stäuble hat sich zudem in einer der Fussballmannschaften – Vatikan hat eine eigene Liga – sportlich betätigt. Wie er selbst sagt, mit mässigem Erfolg.

Höhepunkte und Papstaudienz

Auf die Highlights seiner Zeit im Vatikan angesprochen, zählt Stäuble spontan seine Vereidigung (findet jeweils am 6. Mai im Beisein der Familien statt), die Osternachtmesse, den Weihnachtspikett mit Panzern sowie die Heiligsprechung von Johannes Paul II auf.

Direkte Kontakte zum mittlerweile nicht mehr amtierenden Papst Benedikt gab es wenig. Nach wie vor zeigt sich Marco Stäuble von seinem Abschiedsgespräch mit dem Papst.

Hier hat er ein Kirchenoberhaupt erleben dürfen, das sich sehr persönlich, sehr interessiert und sehr offen seinem Gegenüber gezeigt hat. 25 Monate waren dann aber genug.

Den Fricktaler zog es wieder heim zu Freundin und Familie. Verändert habe in die Zeit im Vatikan aber auf jeden Fall.

Würde er anderen jungen Männern empfehlen, zur Schweizer Garde zu gehen? «Jeder, der es nicht macht, ist selber schuld», lacht ein zufrieden auf seine Zeit beim Papst zurückblickender Marco Stäuble.