Jagdstatistik
Im Fricktal fühlen sich Wildschweine und Krähen sauwohl – das sorgt für Ärger

Im Fricktal fühlen sich die Wildschweine sauwohl. Dies zeigt auch ein Blick in die neue Jagdstatistik. Fast 40 Prozent der Schäden im ganzen Kanton richteten die Wildschweine in den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden an. Eine zweite Zahl erstaunt: Geschossen wurden im ganzen Kanton im letzten Jahr 23 Saatkrähen. Was ist mit den Krähen, welche die Kaiseraugster terrorisieren?

Thomas Wehrli
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Marcel Maurer mit dem Robotervogel «Robird» , der helfen soll, die Krähen in Kaiseraugst zu vergrämen.

Marcel Maurer mit dem Robotervogel «Robird» , der helfen soll, die Krähen in Kaiseraugst zu vergrämen.

Nadine Böni / Aargauer Zeitung

Die Zahl überrascht auf den ersten Blick. Im letzten Jahr wurden im ganzen Kanton Aargau laut der soeben publizierten Jagdstatistik 23 Saatkrähen geschossen – also Vertreter jener Spezies, die den Bewohnern der Grossüberbauung Liebrüti in Kaiseraugst das Leben seit längerem schwer machen und gegen die die Gemeinde mit den verschiedensten Mitteln vorgeht: dem gezielten Abschuss, der Entfernung der Nester und dem Einsatz einer Falken-Drohne. Bislang zeigten alle Mittel nur mässigen Erfolg, was an den Nerven der Anwohner zerrt.

Da der gezielte Abschuss ein integraler Bestandteil dieser Vergrämungstaktik ist, müssten es deutlich mehr Saatkrähen sein, die abgeschossen wurden. Sind es auch, wie Erwin Osterwalder, Fachspezialist Jagd und Fischerei beim Kanton, sagt.

In den umliegenden Gemeinden geschossen

Allerdings wurden die Liebrüti-Krähen nicht auf dem Gemeindegebiet von Kaiseraugst geschossen, sondern auf den Feldern in den umliegenden Baselbieter Gemeinden. Dies deshalb, weil es in Kaiseraugst respektive rund um die Liebrüti vor allem Siedlungsgebiet und Wald gibt. Und so tauchen sie in der Aargauer Statistik nicht auf.

Geschossen wurden Krähen, die sich in der Liebrüti niedergelassen haben, unter anderem auf den Feldern von Arisdorf, Augst und Giebenach. Der Präsident der Vereinigten Jagdgesellschaft Arisdorf und Umgebung, Amadé Franzen, sagt, dass in diesen drei Gemeinden im letzten Jahr schätzungsweise über 100 Krähen geschossen wurden.

Im Fricktal fühlen sich Wildschweine wohl

Oft taucht in der letztjährigen Jagdstatistik dafür ein schwarzgekittelter Geselle auf: das Wildschwein. Das Fricktal, insbesondere das untere, ist seit je ein Gebiet, in dem sich die Wildschweine sauwohl fühlen, was sich sowohl in den Abschüssen wie auch in den Wildschäden zeigt.

Im Fricktal fühlen sich Wildschweine wohl.

Im Fricktal fühlen sich Wildschweine wohl.

Santiago Urquijo / Moment RF

Im Bezirk Rheinfelden beliefen sich die Wildschäden im letzten Jahr auf 104'446 Franken – das ist fast ein Viertel der Schäden im ganzen Kanton. Nur gerade im Bezirk Zurzach lag die Summe noch höher. Im oberen Fricktal richteten Wildtiere Schäden von 57'524 Franken an. Mit anderen Worten: Fast 40 Prozent der Wildschweinschäden im Kanton richteten «Fricktaler» Wildschweine an.

Legt man die Schäden auf die Reviere um, so gab es im Fricktal zwei Reviere, in denen die Wildschäden über 15'000 Franken lagen. Im Revier Eiken-Schupfart waren es 15'674 Franken, im Revier Sulz-Laufenburg 15'756 Franken.

Viele Abschüsse im Fricktal

Dass die Wildschweinpopulation im Fricktal verglichen mit den anderen Aargauer Regionen gross ist, zeigt auch ein Blick auf die Abschüsse. Am meisten Wildschweine wurden letztes Jahr im Bezirk Zurzach mit 353 Tieren erlegt, dahinter folgen die Bezirke Rheinfelden (302) und Laufenburg (219). Im ganzen Kanton wurden 1184 Tiere erlegt.

Mit anderen Worten: Im Fricktal wurden im letzten Jahr 44 Prozent aller Tiere erlegt, die im Kanton geschossen wurden. Auf Revierstufe wurden im Revier Olsberg mit 49 Wildschweinen die meisten Tiere geschossen, gefolgt von Möhlin-Nord mit 36 und Rheinfelden mit 35 Tieren. Die drei Reviere haben gleichzeitig eine sehr grosse Waldfläche zu pflegen.

In seiner Statistik führt der Kanton die beiden Parameter zusammen und listet den «Wildschaden pro erlegtes Wildschwein» auf. Besonders hoch ist dieser zusammengezogene Wert, wenig verwunderlich, in Revieren mit hohem Gesamtschaden. Im Fricktal am höchsten ist der Wert im Revier Eiken-Schupfart mit 1742 Franken, gefolgt von Zeiningen-Ost mit 1158 und Sulz-Laufenburg mit 1050 Franken.

Beim Grossteil der Schäden handelt es sich dabei um Wieslandschäden. Im Bezirk Laufenburg machen sie mit 42'522 Franken knapp 74 Prozent aller Schäden aus. Im Bezirk Rheinfelden sind es 61'459 Franken, was einem Anteil von knapp 59 Prozent entspricht.

129 Rehe starben auf der Strasse

Auf Revierebene erfasst werden im Kanton Aargau auch die Rehwildabschüsse. Insgesamt wurden im Kanton Aargau im letzten Jahr 5439 Tiere geschossen. Im Bezirk Laufenburg waren es 607 Tiere, was gut elf Prozent aller Rehwildabschüsse entspricht. Im Bezirk Rheinfelden waren es 400 Tiere, was gut sieben Prozent der im Aargau geschossenen Tiere entspricht.

Kameras und Warnanlage helfen an Strassen, welche Tiere häufig queren; im Bild die Seetalstrasse Seon-Schafisheim.

Kameras und Warnanlage helfen an Strassen, welche Tiere häufig queren; im Bild die Seetalstrasse Seon-Schafisheim.

Pascal Meier

Anders als bei den Wildschweinen, wo der Anteil «Fallwild» tief liegt, ist er bei den Rehen verhältnismässig hoch. Im ganzen Kanton weist die Statistik für das letzte Jahr 1258 Tiere als Fallwild aus, 750 davon fielen auf der Strasse, also bei Unfällen mit Fahrzeugen. Für den Bezirk Laufenburg listet der Kanton 168 Rehe als Fallwild auf, 78 davon kamen auf der Strasse um. Im Bezirk Rheinfelden waren es 107, knapp die Hälfte davon auf der Strasse.