Frick
In diesem Werkhof im Industriegebiet sollen die Flüchtlinge leben

Wo bald 300 Flüchtlinge in Ikea-Häusern wohnen, hat es nichts und doch viel. Ein Augenschein vor Ort beim Fricker Werkhof.

Mario Fuchs
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Ehemaliger A3-Werkhof in Frick. Hier kommen im Jahr 2016 Ikea-Häuser für Flüchtlinge in die Hallen. Mario Heller

Ehemaliger A3-Werkhof in Frick. Hier kommen im Jahr 2016 Ikea-Häuser für Flüchtlinge in die Hallen. Mario Heller

Mario Heller

Ein Herbstwind zieht gelbes Laub über den Teer. Das kratzende Geräusch mischt sich mit dem Rauschen der Autobahn, die ein paar Schritte nebenan vorbeiführt. Der ehemalige A3-Werkhof in Frick, einen Kilometer ausserhalb des Dorfzentrums, ist einer jener Orte, die gleichzeitig trostlos wirken und doch irgendwie Charme haben. Drei langgezogene Gebäude bilden einen grossen Hof: ein Betriebsgebäude mit Büros, daneben zwei grosse Hallen.

Innenansicht: 60 Ikea-Häuser will der Kanton im ehemaligen A3-Werkhof in Frick für Flüchtlinge aufstellen.
19 Bilder
Regierungsrätin Susanne Hochuli und Andreas Flückiger, Leiter Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz, Ende Oktober 2015 in einem IKEA-Shelter.
Ein Ikea-Haus von Aussen.
Impressionen vom A3-Werkhof in Frick.
Impressionen vom A3-Werkhof in Frick.
Susanne Hochuli zeigt den Medien, wie die Ikea-Häuser im Innern aussehen.
Ein Ikea-Haus im Innern.
Asyldorf in Frick mit Ikea-Häusern
Susanne Hochuli verlässt eines der Ikea-Häuser.
Blick in ein Ikea-Haus.
Impressionen vom A3-Werkhof in Frick.
Impressionen vom A3-Werkhof in Frick.
Impressionen vom A3-Werkhof in Frick.
Impressionen vom A3-Werkhof in Frick.
Impressionen vom A3-Werkhof in Frick.
Impressionen vom A3-Werkhof in Frick.
Impressionen vom A3-Werkhof in Frick.
Impressionen vom A3-Werkhof in Frick.

Innenansicht: 60 Ikea-Häuser will der Kanton im ehemaligen A3-Werkhof in Frick für Flüchtlinge aufstellen.

Alex Spichale

In der Mitte ragen zwei Streusalzsilos in die Höhe, auf ihnen eine Fahne des Kantons Aargau und eine der Gemeinde Frick – beide ausgebleicht und ausgefranst. In den beiden Hallen will der Kanton Aargau im Frühjahr 2016 ein Flüchtlingsdorf für 300 Personen eröffnen. Dafür sollen 60 mobile Mehrweghäuser, entwickelt von der UNHCR und der Ikea-Stiftung, aufgebaut werden. Die Hallen braucht es, damit nicht jedes Ikea-Häuschen einzeln beheizt werden muss.

Einer, der im Betriebsgebäude seinen Arbeitsplatz hat, ist Kreisingenieur Stefano Donatiello. Mit einem kleinen Team betreut er von hier aus für den Kanton den Strassenkreis 4. Momentan stünden die Hallen grösstenteils leer. «Sporadisch halfen wir aus, wenn einheimische Gewerbler Lagerplatz brauchten», erzählt Donatiello. Man habe aber immer betont, dass dies nur kurzzeitig möglich sei. «Wir wussten, dass die Hallen anders genutzt werden sollen, deshalb haben wir nie fix vermietet.» Ab und an komme das Militär vorbei, um einen WK durchzuführen, der nächste sei für März geplant.

Verlassener Stützpunkt

Auf einem der grossen roten Tore hat jemand ein gelbes Klebeband angebracht und mit Signierstift festgehalten: «Bei Wind Tor halten! (Rollen springen aus Führung).» Ein Brunnen aus Sichtbeton, in dem längst kein Wasser mehr fliesst, heute dafür Blumen spriessen, verrät das Baujahr: 1986. Peter Müller, Werkmeister der Aargauer Wanderwege, lädt Material aus seinem Bus. Drinnen im Betriebsgebäude stehen Kisten mit Dutzenden gelben Wegweisern, die Organisation hat hier ihr Depot eingerichtet. «Eigentlich ist es hier immer so ruhig, seit der Werkhof ausgezogen ist», sagt Müller.

Das war 2012: Die Nationalstrassen Nordwestschweiz AG zog ihre Mitarbeiter in Schafisheim und Sissach zusammen. Heute haben noch ein paar wenige Fahrzeuge und Geräte hier ihren Stützpunkt. Daneben steht, sauber poliert und ohne Nummernschild, ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr Wölflinswil-Oberhof.

Doch manchmal, sagt Peter Müller, gebe es auch heute noch Hochbetrieb: «Wenn die Kantonspolizei eine Grosskontrolle macht, benützen sie hier die Fahrzeugwaage und der ganze Hof ist vollgestellt mit Lastwagen.»

Aldi, Vögele, Metzgerei Bernet

Dann fährt plötzlich ein Konvoi des Aargauer Katastrophen-Einsatz-Elements – es soll hier dereinst einen fixen Stützpunkt einrichten – auf den Werkhof. Ein Lastwagen mit Aufschrift «Logistik» manövriert sorgfältig hinter eine der beiden Hallen. Werden etwa bereits die ersten Ikea-Häuser angeliefert? Nein, klärt der Chauffeur auf: Man bringe nur die beiden Exemplare, die man in Brugg nach der Präsentation gestern wieder abgebaut und eingepackt habe.

«Hier stellen wir sie aber noch nicht auf, wir lagern sie nur ein.» Zuerst braucht es eine Baubewilligung. Wer durch die Scheiben in die abgeschlossenen Hallen blickt, sieht Betonboden, Betonwände, Betondecke. Eine grüne Türe mit Aufschrift «WC». Neonröhren. Draussen wurde einmal ein Basketballkorb montiert, sein Netz ist zerrissen. Auf der anderen Strassenseite steht das Fricktal-Center mit Aldi, Vögele, Metzgerei Bernet. Daneben: Recycling-Center, TCS-Ausbildungszentrum, Grill-Imbiss «Fantasia». Wanderwege-Werkmeister Peter Müller hat fertig ausgeladen. Bald hat er Wochenende. «Noch ist es ruhig hier», sagt er gelassen.

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