Der Schweizerische Hebammenverband warnt davor, dass es in Geburtenabteilungen vermehrt zu Engpässen kommen kann. Die über Jahre steigende Geburtenrate und die begrenzten Ausbildungsplätze verschärfen die Situation zunehmend (die AZ berichtete).

Auch Hebammen, die im Fricktal praktizieren, spüren die Entwicklung, die sich durch die Branche zieht. Neben jenen Hebammen, die in Spitälern und Geburtshäusern arbeiten, erleben auch freischaffende Hebammen vermehrt Engpässe.

Eine von ihnen ist Christina Metzger aus Möhlin. Neben ihrer Anstellung im Aargauer Kantonsspital arbeitet sie als freipraktizierende Hebamme. Dabei betreut sie Frauen vor und nach der Geburt im Wochenbett. «Ich weiss schon jetzt, dass ich für Ende August keine Frauen mehr annehmen kann», sagt sie. Dass es zu wenig Hebammen in der Region gebe, spüre sie vor allem in den Sommermonaten.

Besonders das Bedürfnis für Betreuung nach der Geburt steigt an. «Das liegt aber nicht an den Frauen, sondern am System», sagt Lisa Gianora, die in der Hebammenpraxis Fricktal in Gipf-Oberfrick arbeitet. «Heute werden Frauen früher aus dem Spital entlassen. Da sind sie noch nicht gewappnet, um mit dem Kind allein zu sein.»

Weniger familiärer Austausch

Die Entwicklung, dass viele Frauen heute das Spital eher wieder verlassen als noch vor einigen Jahren, hängt neben der immer besseren medizinischen Versorgung möglicherweise auch an den 2012 schweizweit eingeführten Fallpauschalen. Damit werden viele stationäre Spitalleistungen mit Einheitspreisen abgerechnet. «Die Frauen haben nicht mehr die Zeit, um das Stillen zu lernen», sagt Metzger.

Für die Fricktaler Hebammen sind es auch die Umstände, in denen immer mehr junge Familien heute leben, die oftmals eine immer intensivere Betreuung durch die Hebammen erfordern. «Ich muss viele Frauen abweisen. Und das, obwohl ich schon oft über meiner Kapazitätsgrenze arbeite», sagt die Magdener Hebamme Nadja Giger.

Mehrgenerationenhaushalte nehmen ab und viele junge Leute leben nicht mehr zwingend in der Nähe ihrer Verwandten. «Ich erlebe, dass zum Teil das soziale Netz fehlt», sagt Metzger.

Dass es in der Deutschschweiz mit der ZHAW in Winterthur und der BFH in Bern nur zwei Fachhochschulen gibt, welche die HebammenAusbildung anbieten, bemängelt Metzger. «Auch der Weg, um Hebamme zu werden, ist riesig», sagt sie. 1995 schloss sie eine dreijährige Lehre als Hebamme ab – heute läuft die Ausbildung über ein Bachelor-Studium.

Doch die ZHAW und die BFH können nicht mehr Ausbildungsplätze anbieten, weil es in den Spitälern zu wenig Praktikumsplätze für die angehenden Hebammen gibt. «Es ist ein sehr intensives Begleiten der Studentinnen während der Praktika nötig», sagt Giger. So müsse man ihnen vor allem auch bei emotionalen Situationen während Geburten Unterstützung bieten können. Denn Hebammen wissen: An kaum einem anderen Ort liegen Freud und Leid so nah beisammen wie im Gebärsaal.