Nachdem es in der reformierten Kirchgemeinde Frick seit Wochen rumort, gibt es jetzt auch bei der reformierten Gemeinde Wegenstettertal Knatsch in der Kirche.

Der Grund: Wie «Tele M1» berichtet, verzichtet die Kirchenpflege darauf, Pfarrerin Johanna Spittler für die Wiederwahl zu empfehlen. Diese stellt sich trotzdem zur Gesamterneuerungswahl.

Weil die Kirchenpflege bereits im Frühjahr die deutsche Pfarrerin nicht für die Wiederwahl vorgeschlagen hatte, sammelte diese unter den Mitgliedern der Kirchgemeinde Unterschriften, um sich für die Wahl nominieren zu lassen – 20 waren hierfür nötig.

Für Spittler, die aufgrund eines Unfalls krankgeschrieben ist, kam der Entscheid der Kirchenpflege aus heiterem Himmel. «Ich war schockiert», sagt sie. Ein Gespräch, in dem die Kirchenpflege ihre Entscheidung gegenüber Spittler begründete, habe nicht stattgefunden.

Im Gemeindeblatt der reformierten Kirche nennt die Kirchenpflege drei Gründe, wieso sie sich einen Neuanfang – ohne Spittler – wünscht. Erstens seien ihr Amtsverständnis und ihre Liturgie zu wenig in der reformierten Tradition und Kultur beheimatet.

Zweitens sei ihre Kommunikation zur Kirchenpflege und zu den Freiwilligen ungenügend. Drittens sei ihre Arbeitstechnik für die Führung eines Einzelpfarreramtes nicht ausreichend.

«Es hat sich gezeigt, dass Spittler sehr stark in der deutschen evangelisch-kirchlichen Tradition verwurzelt ist, die viel stärker hierarchisch ausgerichtet ist und auch den Pfarrpersonen mehr Verantwortung in der Gemeindeleitung überträgt», erklärt Kirchenpflegepräsidentin Ruth Imhof auf Anfrage der AZ.

Zudem sei es auch die erste feste Anstellung für Spittler in einer reformierten Kirchgemeinde gewesen. So sei vieles für sie neu gewesen. Dies habe sie sehr stark gefordert. «Spittler erhoffte sich mehr Unterstützung von der Kirchenpflege, als diese schon rein zeitlich leisten konnte», sagt Imhof.

Keine Aussprache angesetzt

Spittler fühlt sich durch die Einschätzung der Kirchenpflege «überfahren». Sie hätte sich gewünscht, dass die «konflikthaften Themen» benannt und mit den Beteiligten und der Gemeinde hätten diskutiert werden können. «Ich bedauere, dass weder intern noch unter Zuzug einer externen Person eine Aussprache angesetzt wurde», sagt sie.

Für die Wahl nominieren lassen habe sie sich, weil ein Wechsel der Pfarrperson Ressourcen binde und für längere Zeit die Entwicklung innerhalb der Kirchgemeinde hemme, weil sich der Nachfolger erst einarbeiten und das gesamte Umfeld kennenlernen muss. «Darum hielt ich es für unverzichtbar, die Gesamtgemeinde in eine Entscheidung dieser Tragweite mit einzubinden. So lebt auf gut reformierte Weise Kirche von unten und von innen», sagt sie.

Spittler wurde erst vor rund zwei Jahren – nach dem Wegzug des Pfarrerehepaars Susanne Michels und Holger Frehoff – von der Kirchenpflege und der Pfarrwahlkommission für die Stelle vorgeschlagen.

Imhof kann nicht verhehlen, dass man damals im Rekrutierungsprozess Fehler gemacht habe. «Die Gespräche über theologische Ausrichtung, ihr Gemeindeverständnis und gemeinsame Ziele verliefen so gut, dass die Pfarrwahlkommission und die Kirchenpflege der Kandidatin ihr Vertrauen schenkten. Leider wurden die gegenseitigen Erwartungen nicht erfüllt», erklärt Imhof.

Vertrauensverhältnis beschädigt

Ein potenzieller Nachfolger, falls Spittler am 23. September im Amt nicht bestätigt wird, existiert nicht. Im Falle ihrer Abwahl werde Pfarrerin Spittler gemäss Imhof noch bis Ende des Jahres als Pfarrerin im Amt sein.

Anschliessend werde die Kirchenpflege eine Pfarrwahlkommission einsetzen, die sich auf die Suche nach einem Nachfolger für Spittler machen werde. «Bis zu einer Neuanstellung müsste eine Stellvertretung gesucht werden», so Imhof.

Klar ist sowohl für Spittler als auch für Imhof, dass das Vertrauensverhältnis durch den Konflikt beschädigt ist. «Falls Johanna Spittler gewählt wird, wird es sicher nicht leicht werden», sagt Imhof. Aber die Kirchenpflege werde «alles ihr Mögliche unternehmen», um die vorhandenen Baustellen anzugehen und gemeinsam mit der Pfarrerin nach Lösungen suchen. «Falls nötig mit externer Unterstützung.»