Laufenburg
Im Kerzenschein auf den Spuren der Sagenfiguren

In ganz neuem Licht erleben Teilnehmer die Altstadtführung – am Samstag fand wieder eine statt.

Hans Christof Wagner
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Uwe Mospak (mit Hut) gestaltete die nächtliche Führung unterhaltsam. hcw

Uwe Mospak (mit Hut) gestaltete die nächtliche Führung unterhaltsam. hcw

Am Parkplatz an der Burgmatt stand gegen 19.30 Uhr Uwe Mospak bereit. Doch so viele Laternen wie Teilnehmer hatte der Altstadtführer gar nicht dabei. 17 wollten sich von ihm Laufenburgs dunkle Seiten zeigen lassen. So zog die Gruppe im Gänsemarsch den Schlossberg hinauf – das fahle Licht der Kerzenlaternen wies den Weg über Stock und Stein. Oben, auf dem Platz vor dem Hauptturm, gab Mospak eine Sage zum Besten.

Wer vor Allerheiligen drei Tage hintereinander denselben Traum träumte, der ging einst nach dort oben in Erwartung eines reichen Schatzes. Eine alte Laufenburgerin, erzählte Mospak, soll das einmal getan haben. Und plötzlich begann die Laterne in seiner Hand lautstark zu klappern. Es sollte das Geräusch imitieren, das seinerzeit ertönte, als sich vor der Alten die Erde auftat und ein schwerer Metallkessel emporstieg. Doch in dem Kessel war kein Schatz, es befanden sich nur Glasscherben darin.

Kasematten und Zellen im Wasentor

Die Gruppe zog an St. Johann vorbei. Mospak wies darauf hin, wie auch die katholische Kirche in die einst umfangreiche Festungsanlage integriert war. Wie fremde Truppen das vormals habsburgische Städtchen oft belagerten. Mospak blieb überraschend stehen, ging in die Hocke und schloss eine im Boden eingelassene Eisenplatte auf. Dahinter verbarg sich eine steile Treppe, beleuchtet von kleinen Kerzen.

Mospak wies die Teilnehmer an, hinunter zu steigen. Mit eingezogenen Köpfen unten angekommen, tat sich ein hoher Raum auf. Der Führer erklärte in den ehemaligen Kasematten der Festung, wie hier vor 300 bis 400 Jahren Kanonen gegen den Feind abgefeuert wurden. Wie die Mannschaften darin vom Explosionslärm und dem Pulverrauch schier wahnsinnig geworden sein müssen.

Die Flucht von Herzog Savelli

Vom Schlossberg hat man einen tollen Blick aufs Wasentor. Doch nur wenige wissen wohl, dass sich darin lange das Bezirksgefängnis befand. Mospak führte die Gruppe durch die früheren Zellen, wo sich Gefangene mit zahlreichen Graffiti an den Wänden verewigt haben. Herzog Federigo Savelli hat dort nichts hinterlassen. Der Edelmann soll im 30-jährigen Krieg im Wasentor gefangen gewesen sein. Er konnte von dort aber dank der Hilfe der Köchin Klara Nüssli fliehen – mit einem in Brot eingebackenen Seil.

Die Tour ging weiter vorbei am Zeughaus – durch weitgehend menschenleere Gassen. Mospak verschwieg auch ein heikles Thema nicht – wie die Laufenburger Altstadt durch das Verschwinden des motorisierten Grenzverkehrs an Leben verloren hat, auf beiden Seiten des Rheins. Unten am Rhein endete auch die Tour durch die nächtliche Stadt. Am Laufenplatz erklärte Mospak, warum im Sommer dort die Brückenspringer anzutreffen sind: weil durch die Sprengung der Laufenfelsen das Wasser an der Stelle rund 30 Meter tief sein soll.