Wallbach

Hochwasser-Gefahr am Rhein: Fast hätte es die Beaverschläuche gebraucht

In Wallbach bleiben Überschwemmungen aus – viel fehlte aber nicht und es hätte die Beaverschläuche gebraucht.

Es ist ruhig an diesem Freitagmorgen am Wallbacher Rheinufer. Die ersten Sonnenstrahlen tauchen die Landschaft in ein goldenes Licht, leichter Nebel liegt an den Hügeln. Zwei Enten flattern der Sonne entgegen. Die Idylle will so gar nicht zur Bedrohung passen, die in diesem Moment vom vorbeifliessenden Wasser ausgeht. Über 3000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde sind es kurz nach 8 Uhr, das zeigen die hydrologischen Daten des Bundesamts für Umwelt. Es gilt damit die Warnstufe 3, erhebliche Hochwassergefahr.

Hochwassersituation entspannt sich

Hochwassersituation entspannt sich

Das Wasser ist in Wallbach nicht über den Rhein getretten. Trotz besserem Wetter bleiben die Beaver ein paar Tage.

Bereits am Donnerstagnachmittag hatten die verantwortlichen Einsatzkräfte deshalb beschlossen, in den gefährdeten Uferzonen von Wallbach mobile Hochwasserschutzelemente – die sogenannten Beaverschläuche – aufzubauen. «Die Prognosen liessen uns zum Schluss kommen, dass Überschwemmungsgefahr besteht», sagt Tanja Roth, Chefin Information des Regionalen Führungsorgans Unteres Fricktal.

Die Überschwemmungsgrenze in Wallbach liegt bei rund 3100 Kubikmetern pro Sekunde. «Wird sie überschritten, tritt der Rhein an der tiefsten Stelle über das Ufer», sagt Roth. Prognostiziert waren zwischenzeitlich rund 3300 Kubikmeter. Zum Vergleich: Normal sind an dieser Stelle unter 1000 Kubikmeter pro Sekunde.

Über Nacht beobachtet

Rund 500 Meter Beaverschläuche verlegten die 35 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Zivilschutz sowie des Kantonalen Katastrophen Einsatzelements (KKE) am Donnerstag. Beim Aufbau der Schläuche – sie werden zunächst aufgeblasen und danach mit Wasser befüllt – gab es zwischenzeitlich Verzögerungen. Ein beim Unwetter beschädigtes Geländer hatte zwei Schläuche aufgerissen. Sie mussten in aller Eile ersetzt werden. Gegen 23 Uhr waren die Beaverschläuche in Position. Über Nacht wurde die Situation beobachtet. In den Morgenstunden kam dann die Entwarnung: Bei 3063 Kubikmetern pro Sekunde liegt die maximal gemessene Abflussmenge. Die Beaverschläuche bleiben trocken – auch, weil am Bielersee der Abfluss stark reguliert wurde. «Wir gehen wirklich haarscharf an der Überschwemmungsgrenze vorbei», sagt Tanja Roth. «Ohne die Schläuche hätten wir sicherlich keine ruhige Nacht verbracht», sagt Daniel Grüter, Kommandant der Feuerwehr Unteres Fischingertal.

Regierungsrätin vor Ort

Kurz nach 10 Uhr nimmt dann auch Regierungsrätin Franziska Roth einen Augenschein vor Ort und lässt sich von Fabian Niederberger, stellvertretender Kommandant des KKE, die Situation erklären. Sie dankt den Einsatzkräften. Auch dafür, die Nerven behalten zu haben. «Es ist bestimmt nicht einfach, das Problem mit den Schläuchen zu lösen, während der Wasserpegel immer weiter steigt», so Roth.

Die Situation entspannt sich im Verlauf des Tages kontinuierlich. Am Nachmittag fällt die Abflussmenge auf deutlich unter 3000 Kubikmeter pro Sekunde. Immer wieder kommen Wallbacher ans Ufer und beobachten von hinter den Schläuchen das braune Wasser und die darin treibenden Äste und Baumstämme. Viele sehen die Situation pragmatisch. Sie haben sich an die Gefahr gewöhnt, wurden die Häuser in Ufernähe in den vergangenen 20 Jahren doch mehrmals überflutet. Ein älterer Herr zuckt mit den Schultern. «In den Bergen gibt es Lawinen, hier das Hochwasser. Damit müssen wir leben.»

Strassen weiterhin gesperrt

Bis am Sonntagabend überwacht die Feuerwehr nun die Situation. Anfang der kommenden Woche sollen die Beaverschläuche wieder abgebaut werden. Die Hochwassergefahr in Wallbach scheint also gebannt. Andernorts im Aargau waren die Auswirkungen des Unwetters aber auch gestern noch deutlich spürbar. Sechs Strecken waren am Freitag wegen Räumungsarbeiten weiterhin gesperrt: Teufenthal–Wannenhof, Oberentfelden–Schönenwerd, Glashütten–Vordemwald, Glashütten– Pfaffnau, Glashütten–Roggwil und Vordemwald–St. Urban.

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