Tour de Suisse
Heute steht der Gansinger Startchef am Ziel der Etappe

Heute hat sich Olivier Senn für einige Stunden von seiner Aufgabe dispensieren lassen. Eigentlich müsste er am Nachmittag in Wittnau zusammen mit seinem Team die Infrastruktur für den Start zur 6. Etappe von morgen aufbauen.

Simon Steiner
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Olivier Senn steht als Startchef während der Tour de Suisse pausenlos im Einsatz.

Olivier Senn steht als Startchef während der Tour de Suisse pausenlos im Einsatz.

A.J. Geisser

Wenn die Tour de Suisse aber schon einmal praktisch vor der eigenen Haustür zu Gast ist, kann sich Senn dies natürlich nicht entgehen lassen. «Die Zielankunft ist für Gansingen eine Riesensache», sagt er.

Der 42-Jährige ist nicht unschuldig daran, dass es so weit kam. Als die Tourdirektion im letzten Jahr relativ kurzfristig einen Etappenort im Aargau suchte, brachte der frühere Elite-Amateur und heutige Rennmanager beim GP in Gippingen die Verantwortlichen mit dem Gansinger Gemeinderat in Kontakt. Man fand sich rasch, und das erste Halt der Schweizer Rundfahrt im 1000-Seelen-Dorf im oberen Fricktal war Tatsache.

Seit diesem Jahr gehört Olivier Senn selber zum OK der Tour de Suisse. Als Sektorenleiter ist er dafür verantwortlich, dass an den Etappenstarts alles reibungslos abläuft. Mit einem 43-köpfigen Team baut er Tag für Tag alles auf und wieder ab, was es am Start braucht. Neben den Absperrungen, Werbebanden und Startbogen gehören dazu das sogenannte Village, an dem sich die Sponsoren den Zuschauern präsentieren, sowie der VIP-Bereich - Material, das je drei Sattelschlepper und Transporter und rund ein Dutzend Personenwagen in Anspruch nimmt.

Regen und Schlafmangel

«Logistisch ist unsere Aufgabe nicht ganz einfach», sagt Senn, der sich als Geschäftsführer eines Unternehmen für Personalvermittlung sowie Projekt- und Dienstleistungen einiges gewohnt ist. «Ich habe ein motiviertes Team von Freiwilligen zur Seite, uns das ist viel wert.» Vor allem, weil das Wetter den Organisatoren bisher nicht in die Hände gespielt hat. «Als wir nach dem Prolog in Lugano am Abbauen war, ging ein ordentliches Gewitter los», sagt Senn. «Es dauerte wenige Sekunden, bis wie alle völlig durchnässt waren.» Erschwerend kommt der Schlafmangel hinzu. «Vor der zweiten Etappe kamen wir um ein Uhr morgens am Startort in Verbania an, und mussten um vier wieder aus den Federn.»

An der Tour de Suisse trifft Olivier Senn viele alte Bekannte wieder. Aus seiner Aktivzeit, in der er 1992 das Amateurrennen der Züri-Metzgete gewann. Oder aus der Zeit, als er als Sportlicher Leiter des Teams Ericsson-Villiger tätig war. «Die Radsportszene ist im Grunde ein grosse Familie», sagt Senn. «Auch wenn du einander jahrelang nicht mehr gesehen hast, findest du den Draht zueinander sofort wieder.»

Seine Zeit als Fahrer hat er denn auch nicht nur wegen den Rennen, sondern auch dem Drumherum in bester Erinnerung. «Es war eine sensationelle Zeit, in der ich viel in der Welt herumgekommen bin», sagt Senn, der dabei in Australien auch seine jetzige Frau kennengelernt hat, mit der er vier Kinder hat.

Rechtzeitig für den Abstecher nach Hause dürfte Senn sein Schlafmanko etwas reduziert haben: Am Start zur heutigen Etappe in Olten war gestern Abend schon frühzeitig alles bereit.