Es war für viele Fricktaler ein veritabler Schock, als das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) vor einem Monat an die Öffentlichkeit trat und sagte: So geht es mit dem Spital Laufenburg nicht weiter. Man müsse jetzt handeln.

Zwei Szenarien stellte die GZF-Leitung damals vor, die sie bis Ende Juni vertieft prüfen will. Beim ersten bleibt Laufenburg ein Spital – allerdings ohne stationäre Chirurgie. Beim zweiten wird aus dem Spital ein Pflegeheim – mit einer ambulanten Sprechstunde und allenfalls einem «Notfall light».

Vor allem Szenario zwei sorgte für viele (harsche) Reaktionen – bei Patienten, Politikern und Hausärzten. Es brauche die Notfallstation in Laufenburg unbedingt, sagte etwa Markus Aellig, Hausarzt in Laufenburg, nach Bekanntwerden der Szenarien zur AZ.

Dieser Meinung ist Aellig nach wie vor – und er ist damit nicht alleine, wie ein Meinungsaustausch zwischen GZF, Grossräten und Hausärzten am Montag zeigte. Der Abend sei, nach Anlaufschwierigkeiten, «konstruktiv und gut» gewesen, urteilt Aellig. Dem schliessen sich andere Befragte an. Es sei wichtig gewesen, Hausärzte und Politiker an einen Tisch zu bringen, sagt Grossrat Werner Müller (CVP, Wittnau), und für Christoph Riner (SVP, Zeihen) war das Gespräch «ein guter Anfang», dem bald ein nächstes Treffen folgen müsse.
Auch Elke Mayer, Leiterin Stabsstelle Direktion beim GZF, bezeichnet den Austausch als «sehr konstruktiv».

«Es wurde erneut deutlich, wie wichtig das Spital Laufenburg für das obere Fricktal ist und dass sich alle Anwesenden tatkräftig für eine möglichst gute Lösung engagieren», beantwortet sie eine Anfrage der AZ summarisch. Konkrete Fragen – die AZ stellte deren 13 – will das GZF nicht beantworten und verweist auf die inhaltliche Arbeit, die man in den Fokus stelle.

Was eine «möglichst gute Lösung» ist, darin gehen die Meinungen weit auseinander. Während die einen, darunter mehrere Grossräte, eine solche durchaus in Szenario 2, also in der Umwandlung von Laufenburg in ein Pflegeheim oder gar in ein geriatrisches Zentrum sehen, wollen andere für den Erhalt als Akutspital kämpfen.

An vorderster Front: Markus Aellig und viele seiner Hausarztkollegen. Sie nahmen den Gesprächstermin am Montag denn auch fast geschlossen wahr; von den rund 20 Hausärzten, die im oberen Fricktal praktizieren, waren laut Aellig «mehr als 15» anwesend. Zum Vergleich: Von den 17 Grossräten fanden am Montag deren 8 den Weg nach Rheinfelden; 4 aus dem oberen und 4 aus dem unteren Fricktal.

Dabei zeigte sich: Szenario zwei kommt weder für die Ärzte noch für den Grossteil der anwesenden Politiker infrage. «Für mich ist Szenario 1 der tiefstmögliche Kompromiss», sagt Aellig und wünscht sich, dass dieser noch nachgebessert wird. Insbesondere müsse es gelingen, möglichst viele Überwachungsbetten in Laufenburg zu behalten. Denn eine Notfallstation ohne 24-Stunden-Überwachung sei nur eine halbe Notfallstation.

Und genau hier kommt die Politik ins Spiel. Sie will sich in Aarau dafür einsetzen, dass das GZF, wo es nötig ist, entsprechende Ausnahmebewilligungen erhält. Dies sei in den Kantonen Bern und Zürich möglich – «und sicher auch im Aargau», ist Aellig überzeugt. Positive Signale aus Aarau, so war am Treffen zu vernehmen, gäbe es in diese Richtung.

Hoffen auf «Szenario 1 plus»

Auf ein «Szenario 1 plus» hofft auch Riner, der sich – wie seine Kollgen – in Aarau für die Anliegen des GZF starkmachen will. Nur: «Dafür müssen wir wissen, was das GZF braucht», so Riner. Seine Forderung: Das GZF müsse den Grossräten aufzeigen, was unter welchen Prämissen möglich sei. Der SVP-Politiker ist sich bewusst, dass dies nicht einfach ist. «Man kann nicht einfach in einen Kasten greifen und das richtige Medikament herausholen», sagt er. Für ihn ist, wie für Aellig, dabei eine Indikation klar: «Es braucht in Laufenburg auch künftig eine Notfallstation.»

Dass das GZF einen konkreten Vorschlag bis Ende Juni ausgearbeitet haben will, begrüsst Riner, hält den Zeitplan allerdings für «sehr eng». Er dürfe nicht in Stein gemeisselt sein, findet er. «Eine gute Lösung geht vor.» Dem stimmt Roland Agustoni (GLP, Rheinfelden) zwar zu, sieht aber auch die Kontraindikation, wenn es nicht vorwärtsgeht. «Solange unklar ist, wie es mit Laufenburg weitergeht, lässt sich nur schwer Personal rekrutieren.» Er selber würde sich jedenfalls unter den aktuellen Prämissen nicht auf eine Stelle in Laufenburg bewerben. Sein Fazit: «Es pressiert.»

Aber, so Agustoni weiter, der Zeitplan sei «schon sehr sportlich», gerade, wenn man die politischen Abläufe kenne. Wenn die Grossräte bei der Regierung vorstellig werden oder einen Vorstoss einreichen sollen, brauche es einen gewissen Vorlauf – und der ist, beim Ende-Juni-Termin, jetzt schon knapp bemessen.

Müller teilt diese Einschätzung, mahnt aber gleichzeitig: «Der Entscheid muss bald fallen – auch für die Angestellten in Laufenburg, für welche die aktuelle Situation eine Belastung ist.»
Dies ist sie nicht nur für die Angestellten, sondern auch für die Hausärzte respektive ihre Patienten. Aellig, wie alle Hausärzte der Region ein wichtiger Partner des Spitals Laufenburg, spürt in den Gesprächen mit Patienten, die ins Spital müssen, eine zunehmende Verunsicherung.

Solange man nicht wisse, was mit Laufenburg passiere, «wollen viele in ein anderes Spital». Jüngere Richtung Aarau, ältere Patienten eher Richtung Leuggern. «Es braucht Sicherheit und es muss möglichst schnell wieder Ruhe einkehren», sagt er. «Sonst erledigt sich das Thema ‹Spital Laufenburg› von selber.»

Notfallstation zwingend

Bis dahin will Aellig, zusammen mit Hausärzten und Politikern, dafür kämpfen, «das Maximum für Laufenburg herauszuholen». Auf eine stationäre Chirurgie könne man notgedrungen verzichten, findet er. «Nicht aber auf eine stationäre Medizinabteilung und eine 24-Stunden-Notfallaufnahme.

Am Zug, darin sind sich alle einig, ist nun das GZF. Es muss ein Szenario ausarbeiten, das zukunftstauglich ist – und bei dem, so hoffen viele Menschen im oberen Fricktal, das Spital Laufenburg weiterhin eine (tragende) Rolle spielt. Sobald das «Fleisch am Knochen» ist, wie es Agustoni formuliert, sei dann die Politik wieder am Zug. «Wir werden uns dann in Aarau für eine Lösung, die überzeugt, starkmachen», so Müller.

Wann eine solche Lösung vorliegt, ist offen. «Wir werden voraussichtlich bis Ende Juni über das weitere Vorgehen informieren», hält das GZF in der schriftlichen Antwort auf die AZ-Anfrage einzig fest. Bis dahin werde man die Zeit «für fokussierte inhaltliche Arbeit nutzen». Dazu gehören auch weitere «Austausch-Veranstaltungen zwischen dem GZF und seinen wichtigsten Partnern». Und weitere Gespräche mit den Grossräten.