Gipf-Oberfrick
Pionier in Sachen Kabel-TV: Vor 45 Jahren ging die Fernsehgenossenschaft an den Start

Vielleicht störten sie sich an den vielen Antennen auf den Dächern, vielleicht auch am schlechten Empfang in den abgelegenen Dörfern: Vor über 40 Jahren jedenfalls entstanden im Fricktal mehrere Genossenschaften, die das Kabelfernsehen in die Region brachten. Eine von ihnen, die Genossenschaft Gipf-Oberfrick, feiert nun ihr Jubiläum.

Hans Christof Wagner
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So sahen die Fernsehapparate in den 1970er-Jahren aus, als die Fricktaler TV-Geschichte begann.

So sahen die Fernsehapparate in den 1970er-Jahren aus, als die Fricktaler TV-Geschichte begann.

Pm Images/Stone RF

1968 strahlte die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) die erste Sendung in Farbe aus. Aber noch standen in vielen Fricktaler Stuben Schwarz-Weiss-Apparate und verschwanden daraus erst viel später. Der Empfang erfolgte noch über Dachantennen. Und wenn es draussen regnete oder schneite, sorgte das auch auf der Mattscheibe für Rauschen. Die hügelige Topografie des Fricktals bereitete zudem Empfangsprobleme.

1500 Franken Anschlussgebühr – damals viel Geld

Störungsfreien Empfang via Kabel und mit zwölf TV- und 16 Radiosendern in einer bis anhin unbekannten Vielfalt – das versprach die am 12. November 1976 gestartete Fernsehgenossenschaft Gipf-Oberfrick allen, die dafür eine Anschlussgebühr in Höhe von 1500 Franken zu bezahlen bereit waren. Lorenz Gubser, Präsident der Genossenschaft, weiss: «Das war damals echt viel Geld.»

Wie viele sich 1976 haben anschliessen lassen, ist nicht überliefert. Aber in jedem Fall waren sie ihrer Zeit voraus. Gubser sagt:

«Wir dürften 1976 beim Kabelfernsehen einer der Pioniere in der Schweiz gewesen sein, das war Mitte/Ende der 70er-Jahre schon speziell.»

Damals schauten nicht nur noch viele schwarz-weiss in die Röhre. Mit den drei Schweizern war das Senderangebot beim Antennenfernsehen auch eher bescheiden. Da war die von der Fernsehgenossenschaft Gipf-Oberfrick gebotene Vielfalt ein Alleinstellungsmerkmal.

Über Antenne liefen nicht mal die Schweizer Sender richtig

Doch sie war nicht die erste im Fricktal: Schon am 18. Juni 1971 ging eine Genossenschaft in Obermumpf an den Start. «In Obermumpf bekam man zuvor, über Antenne, nicht einmal die Schweizer Sender richtig rein», erzählt Präsident Kurt Heid. So war das vor 50 Jahren lancierte Kabelfernsehen in der Gemeinde ein Segen. Es brachte auch zwei deutsche und einen österreichischen Sender in die dortigen Stuben. 1979 kam die Fernsehgenossenschaft Wölflinswil/Oberhof hinzu, 1981 die in Wittnau. Hanspeter Meili, Geschäftsführer von Yetnet, sagt:

«Das waren Selbsthilfeorganisationen, die aus Eigeninitiative lokal aktiv geworden sind.»

Vielfach hätten sie auch den Wildwuchs an Antennen auf den Dächern als störend für die Ortsbilder empfunden. Auch das sei ein Motiv zur Gründung gewesen.

So sahen die technischen Anlagen auf dem Geissacher aus, die benötigt wurden, um TV-Signale empfangen zu können.

So sahen die technischen Anlagen auf dem Geissacher aus, die benötigt wurden, um TV-Signale empfangen zu können.

Zvg/Aargauer Zeitung

Yetnet heisst der seit 1983 bestehende Dachverband, unter dem 24 Fernseh- oder Antennengenossenschaften im Aargau, Baselland und Solothurn zusammengeschlossen sind – darunter sind auch die vier Fricktaler. Seit 2016, seit der Partner Quickline mit im Boot ist, bieten sie das gesamte Multimedia-Paket aus Internet, Fernsehen, Mobilfunk und Festnetz an.

2022 steht eine weitere Investition ins Gipf-Oberfricker Netz an

Das jeweilige Netz ist aber nach wie vor im Besitz der örtlichen Genossenschaft. Um es zu unterhalten, zu pflegen und auszubauen, erhebt die Gipf-Oberfricker einen Betriebskostenbeitrag von jährlich 210 Franken. Diesen bezahlen aktuell 926 Personen und Haushalte – so viele Mitglieder hat die Genossenschaft. 2022 steht wieder eine Investition ins Netz an: 26'500 Franken, um es so aufzurüsten, dass im Internet-Download 1 Gigabit pro Sekunde und beim Upload 200 Megabit möglich werden.

Modernisierungen des Netzes sind in den 45 Jahren Genossenschaftsgeschichte Dauerthema. Gubser sagt:

«Wir müssen mit den grossen Playern wie Swisscom mithalten können.»

Und das sei ohne Werbebudget eben schwierig, auch wenn man technisch den Grossen in nichts nachstehe, ja sogar teils höhere Bandbreiten biete. Aber vielfach sei das Angebot der Genossenschaften eben gar nicht bekannt. So wird die Akquise von Neukunden laut Gubser immer mehr zur Herausforderung. 926 Mitglieder hat die Fernsehgenossenschaft Gipf-Oberfrick aktuell. «Wir waren aber auch schon mal mehr als 1000», sagt Lorenz Gubser.

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