Gipf-Oberfrick

Ermordete Afghanin: Behörden suchen ein neues Zuhause für ihre Kinder

Anfang November wurde eine 30-jährige Afghanin und dreifache Mutter in Gipf-Oberfrick erstochen. Mittlerweile wurde sie in Basel beigesetzt. Am Freitag findet nun bei der Mehrzweckhalle eine schlichte Gedenkfeier statt.

Die Betroffenheit ist in Gipf-Oberfrick auch drei Wochen nach der Tat noch gross. Am 4. November wird eine 30-jährige Afghanin, die seit vier Jahren zusammen mit ihrem Mann und den drei Kindern im Dorf lebt, erstochen. Die Polizei nimmt den Ehemann, 40, umgehend fest. Er ist dringend tatverdächtig. Laut Fiona Strebel, Mediensprecherin der Oberstaatsanwaltschaft, konnte er inzwischen ein erstes Mal vernommen werden.

Familiendrama in Gipf-Oberfrick: Ein afghanischer Asylbewerber ersticht seine Ehefrau. (Tele M1, 4.11.2015)

Familiendrama in Gipf-Oberfrick: Ein afghanischer Asylbewerber ersticht seine Ehefrau. (Tele M1, 4.11.2015)

Die drei Kinder, 7 bis 13 Jahre alt, leben seit dem Tod ihrer Mutter in einem Kinderheim. «Ihnen geht es im Moment etwas besser», sagt Gemeindeschreiber Urs Treier, der in regelmässigem Kontakt mit dem Heim, dem eingesetzten Beistand und der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) steht. Seit kurzem besuchen die Kinder den Kindergarten respektive die Schule im Kinderheim. «Das tut ihnen gut, denn das bringt eine Struktur in den Tag und der Austausch mit Gleichaltrigen bringt sie auf andere Gedanken», so Treier.

Im Hintergrund laufen derweil die Bemühungen, einen langfristigen Pflegeplatz für die Kinder zu finden. «Ziel ist es, so rasch wie möglich eine gute Lösung zu finden», sagt Treier. Er weiss aber auch: «Das ist mit dieser Vorgeschichte nicht ganz einfach und braucht seine Zeit.» Die haben die Verantwortlichen auch; im Kinderheim können sie bis zu einem halben Jahr bleiben.

Familiendrama Gipf-Oberfrick: Gemeinde kümmert sich um Kinder (Tele M1, 5.11.2015)

Familiendrama Gipf-Oberfrick: Gemeinde kümmert sich um Kinder (Tele M1, 5.11.2015)

Angestrebt wird, dass die drei Kinder zusammenbleiben können. «Ob dies möglich ist, muss sich weisen», sagt Treier. Mitberücksichtigt werden auch die Wünsche der Kinder. Natürlich wäre es schön, so Treier, wenn die Kinder in Gipf-Oberfrick bleiben könnten, wo sie ihre Freunde haben. Er weiss aber auch, dass die Chancen dafür «nicht allzu gross» sind. Denn geeignete Pflegeplätze sind rar. «Zentral ist nicht der Ort, sondern der Platz», sagt Treier. Zuständig für die Platzierung ist die Kesb

Mutter in Basel beigesetzt

Dass die Kinder nach Afghanistan zurückkehren müssen – sie haben wie ihre Eltern den Asylstatus F, sind also nur vorläufig aufgenommen –, glaubt Treier nicht. «Sie leben seit insgesamt fünf Jahren in der Schweiz und haben zu Afghanistan kaum Bezugspunkte mehr.»

Mutmasslicher Täter schweigt: Der Mann der getöteten Afghanin verweigert die Aussage. (Tele M1, 6.11.2015)

Mutmasslicher Täter schweigt: Der Mann der getöteten Afghanin verweigert die Aussage. (Tele M1, 6.11.2015)

Lang war unklar, wo die Mutter beigesetzt wird, ob in der Schweiz oder in Afghanistan. Am letzten Freitag wurde sie nun auf einem Friedhof in Basel mit muslimischen – also nach Mekka ausgerichteten – Grabfeldern bestattet. Vertreter der Kesb und der Gemeinde nahmen an der Feier teil. «Es war eine bewegende Feier nach muslimischen Riten», sagt Treier. Für die drei Kinder sei es ein belastender Tag gewesen. Dass die Mutter in der Schweiz und nicht in Afghanistan beerdigt wurde, ist für Treier im Sinne der Kinder. «So haben sie einen Ort, den sie immer aufsuchen können.»

Gemeinsame Trauerfeier

Einen Haltepunkt, einen Augenblick des Innehaltens wünschen sich auch viele Gipf-Oberfricker. Sowohl bei der Gemeinde als auch beim katholischen Gemeindeleiter Martin Linzmeier gingen mehrere Anfragen ein. Morgen Freitag findet deshalb um 11 Uhr bei der Mehrzweckhalle eine kleine, schlichte Gedenkfeier statt. Linzmeier wird sie zusammen mit dem reformierten Pfarrer Johannes Siebenmann gestalten. Gemeinsam schweigen, gemeinsam trauern, gemeinsam sich erinnern, gemeinsam Abschied nehmen. Am Schluss der Feier werden Kerzen angezündet, «zum Zeichen der Hoffnung», so Linzmeier.

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