Frick
Geprellte Kunden: Konkurs gegen Aargauer Online-Händler eröffnet

Die BHS Binkert Schweiz GmbH mit Sitz in Frick wird von zahlreichen Kunden betrieben. Der Geschäftsführer entschuldigt sich und macht Corona sowie IT-Schwierigkeiten für die Lieferprobleme verantwortlich.

Dennis Kalt
Merken
Drucken
Teilen
Die BHS Binkert Schweiz GmbH hat mit einem grossen Sortiment an Elektro- und Elektronikwaren geworben. Doch der Onlinehändler ­enttäuschte viele seiner Kunden.

Die BHS Binkert Schweiz GmbH hat mit einem grossen Sortiment an Elektro- und Elektronikwaren geworben. Doch der Onlinehändler ­enttäuschte viele seiner Kunden.

Screenshot

Faire Preise, hohe Verfügbarkeit, schelle Lieferung – mit diesen Versprechen wirbt die BHS Binkert Schweiz GmbH mit Sitz in Frick für sein Sortiment an Elektro- und Elektronikprodukten. Nur: Der Online-Händler hält seine Versprechen nicht. Im Gegenteil: Auf diversen Online-Portalen zieht die Firma um Geschäftsführer Michael Binkert eine Flutwelle der Entrüstung geprellter Kunden auf sich.

Etwa auf der Bewertungsplattform «Trustpilot», auf der weit über 100 Kunden ihrer Wut über «Techniworld.ch» – einen Online-Shop, den die BHS Binkert Schweiz GmbH betreibt – Luft machen. Das Wort «Betrüger» und «unseriös» sowie die Warnung «Finger weg» fallen hier zuhauf.

Gar 323 Einträge seit Sommer 2018 über «Techniworld.ch» findet man auf der Plattform «Reklamation.ch». Der Tenor dort: Kunden haben ihre bestellte Ware im Voraus bezahlt, diese aber nicht erhalten; ebenso wenig wie ihr Geld zurück. Einige Kunden drohen in ihren Einträgen, einen Anwalt einzuschalten oder den Online-Shop zu betreiben.

«Sollte ich mein Geld nicht in den kommenden Tagen erhalten, werde ich meinen Anwalt einschalten. Ich kann nur allen dazu raten, nicht bei dieser Firma zu bestellen», heisst es dort etwa in der Reklamation eines Kunden.

Spielwarengeschäft Binkert wird zu Unrecht kontaktiert

Dass es nicht bei diesen Drohungen geblieben ist, steht zweifelsohne fest. So hat denn das zuständige Gerichtspräsidium über die BHS Binkert Schweiz GmbH am Montag den Konkurs eröffnet. Der Grund sind zahlreiche Betreibungen geprellter Kunden, wie die zuständige Amtsstelle des Konkursamtes bestätigt. Klar ist damit auch, dass das Unternehmen keine Ware mehr anbieten darf.

Diese Tatsache verschafft nun auch dem Fricker Spielwarengeschäft Binkert Erleichterung. So musste dieses über mehrere Jahre Anrufe aufgebrachter Kunden entgegennehmen, weil diese das Spielwarengeschäft an der Hauptstrasse 50 mit dem gleichnamigen Online-Händler, der gemäss Impressum und «Moneyhouse» seinen Sitz an der Hauptstrasse 41 hat, verwechselten. «Das ist mühsam, sich mehrmals die Woche am Telefon erklären zu müssen, dass man nichts mit diesem Online-Händler zu tun hat», sagt Markus Bachmann, Inhaber des Fricker Spielwarengeschäfts.

Den Sitz nach Frick hat die BHS Binkert Schweiz GmbH im Februar 2019 verlegt. Zuvor war der Online-Händler seit 2009 in Liestal BL domiziliert. Gemäss des Konsumenten-Magazins «Espresso» leitete die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft im Dezember 2018 eine Strafuntersuchung wegen des Verdachts auf mehrfachen Betrug gegen den Onlineshop «Techniworld.ch» ein.

Einsprache gegen ­Strafbefehl eingelegt

Weil Michael Binkert in Deutschland wohnt, ging das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen über. «Die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen hat gegen Michael Binkert beim Amtsgericht Waldshut-Tiengen den Erlass eines Strafbefehls wegen mehrfachen Betrugs beantragt. Das Amtsgericht hat den Strafbefehl erlassen. Der Beschuldigte hat gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt», sagt Michael Blozik, Erster Staatsanwalt.

Die Frage, ob bereits die Verhandlung gegen Michael Binkert stattgefunden hat, liess das Amtsgericht bis gestern Abend offen. Solange dieses kein rechtskräftiges Urteil gefällt hat, gilt für Michael Binkert die Unschuldsvermutung.

Noch am Mittwoch hiess es auf der Seite von «Techniworld.ch», dass es zurzeit «eine technische Störung mit unserem Shop-System» gebe und man mit Hochdruck daran arbeite, «dieses zu beheben». Die AZ wollte von Michael Binkert wissen, wieso er gegenüber den Kunden den Eindruck vermittelt, er würde bald wieder – nach Behebung der technischen Störung – Ware anbieten, obwohl ihm dies des Konkurses wegen untersagt ist.

Einen Tag nach der Anfrage – am Donnerstag – war der Eintrag über die technische Störung entfernt. «Es ist nicht zutreffend, das wir den Eindruck erwecken, ein Problem zu beheben. Der Konkurs wurde am Montag eröffnet und mittlerweile sind nur noch unsere Kontaktdaten auf der Seite erwähnt», äussert sich Michael Binkert.

IT-Probleme und Corona sind verantwortlich

Warum einige seiner Kunden weder die bestellte Ware erhalten noch ihr Geld nach Vorauskasse zurückbekommen haben, dazu sagt Michael Binkert: «Wir hatten Lieferschwierigkeiten wegen Probleme mit unserer IT, dazu kam die Coronakrise.» Zudem: Viele Produkte kämen nicht ab eigenem Lager, sondern würden von Lieferantenlagern abgerufen. Hier könne es zu Verzögerungen und Überverkäufen kommen. «Leider konnten wir diese Probleme trotz einer zuletzt sehr guten Auftragslage nicht nachhaltig lösen und es kam nun zum Konkurs», schiebt Michael Binkert nach.

Dass es so weit gekommen ist, bedauert Michael Binkert sehr. «Wir entschuldigen uns bei all unseren Geschäftspartnern aufrichtig», sagt er. Und: «Gläubigern raten wir, Ihre Forderung beim Konkursamt anzumelden.»