Schupfart

Gemeinde lehnt ab: Schupfart ist Flugplatz mehr wert als 500000 Franken

Die Flugzeuge und ihre Lärmemissionen sorgen in Schupfart weiterhin für rote Köpfe - aktuell ein neues Inserat im Regionalblatt mit dem TItel «Fluglärmbelästigung Schupfart».

Die Flugzeuge und ihre Lärmemissionen sorgen in Schupfart weiterhin für rote Köpfe - aktuell ein neues Inserat im Regionalblatt mit dem TItel «Fluglärmbelästigung Schupfart».

In Schupfart im Fricktal will eine Interessengemeinschaft den Flugplatz Schupfart stilllegen. Kommt nicht infrage, meint die Gemeinde. Die Gegner boten eine halbe Million, doch die Gemeinde lehnt ab. Jetzt laufen Gespräche über neuen Pachtvertrag.

Im Juni sorgten im Fricktal anonyme Inserate für Diskussionen: Eine Interessengemeinschaft forderte damals mit grossflächigen Inseraten, dass Schupfart den Flugplatz schliesst und dafür von den Nachbargemeinden finanziell entschädigt wird. Mittlerweile ist bekannt, dass Willi Luder als Initiant hinter der damaligen Kampagne steht (wir berichteten, siehe Links).

Am Donnerstag nun erschien in der «Neuen Fricktaler Zeitung» ein neues Inserat der Interessengemeinschaft. Daraus wird deutlich, dass die IG dem Gemeinderat Schupfart im Juni ein konkretes Angebot gemacht hat: 500 000 Franken sollte die Gemeinde Schupfart für einen Verzicht auf die Pachtverlängerung erhalten. Der Gemeinderat habe dieses Angebot jedoch abgelehnt, heisst es im Inserat.

Gemeindeammann Bernhard Horlacher bestätigt den Eingang des Schreibens und sagt: «Wir haben es zur Kenntnis genommen, aber nicht darauf reagiert.»

Dem widerspricht Willi Luder im Gespräch mit der Aargauer Zeitung: «Ich habe schriftlich einen ablehnenden Bescheid erhalten.»

«Teil des täglichen Lebens»

Im Pachtvertrag wäre für die kommenden 25 Jahre ein jährlicher Pachtzins in der Höhe von 16 000 Franken plus zusätzliche Gebühren festgeschrieben gewesen.

Laut Horlacher rechnete man mit jährlichen Einnahmen von rund 36 000 bis 38 000 Franken. Die angebotene halbe Million hätte also die erwarteten Einnahmen nicht aufgewogen.

Horlacher betont aber: «Der Flugplatz ist Teil des täglichen Lebens und eine attraktive Ergänzung unseres Angebots.» Er ziehe immer wieder fluginteressierte Besucher an und das Restaurant sei ebenfalls beliebt.

Und: «Die Bevölkerung von Schupfart und Umgebung wünscht, dass der Flugplatz bleibt.» Auch für die Ortsbürger, die den neuen Pachtvertrag an ihrer Gemeindeversammlung im Juni zurückgewiesen haben, sei eine Schliessung des Flugplatzes keine Option.

«Regelrechte Schikane»

Auch für Willi Luder ist der Flugplatz Teil des Alltags. Wie es im aktuellen Inserat heisst, fühlt er sich vom «enormen Fluglärm belästigt bei den Voltenflügen, die in geringer Flughöhe ca. 70 Metern über oder unmittelbar neben dem Haus in Abständen von zirka drei bis sechs Minuten und das 20 bis 30 Mal pro Abend stattfinden.»

Im Gespräch beklagt sich Willi Luder: «Seit den Inseraten im Juni werden wir richtiggehend geplagt und schikaniert. Der Aero-Club und dessen Piloten weigern sich, die vorgesehene Flugvolte einzuhalten, die rund 600 Meter vom Haus entfernt ist.»

Willi Luder wohnt mit seiner Frau abgelegen in Wittnau. Andere würden durch die Schikanen deshalb weniger gestört, sagt er. Aber: «Wir haben mittlerweile über vier Stunden Videomaterial gesammelt und können die Belästigungen mit Datum und Uhrzeit belegen.»

Luder ist der Meinung, dass er sich die Schikanen nicht gefallen lassen müsse. Er betont aber auch: «Wenn die vorgegebene Flugvolte eingehalten würde, gäbe es gar kein Problem.»

Gemeindeammann Bernhard Horlacher sagt zu den vorgegebenen Flugrouten: «Diese sind durchs Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) festgelegt. Kontrolliert werden sie aber durch den Betreiber des Flugplatzes, die Gemeinde ist in die Kontrollen nicht involviert.» Die Betreiber des Flughafens seien aber «sehr daran interessiert», dass die Routen eingehalten werden, und sprächen auch Sanktionen aus.

«Routen sind Empfehlungen»

Roger Stieger, Präsident des Regionalverbands Fricktal des Aero-Clubs Schweiz betonte: «Es gibt keine Vorschriften sondern nur Empfehlungen. Aber wir instruieren unsere Piloten immer und immer wieder über die empfohlenen Routen. Eine Überprüfung der Routen ist schwierig, da wir bei den Flügen ja nicht dabei sind. Aber wenn wir erfahren, dass ein Pilot die Empfehlungen missachtet, suchen wir mit ihm das Gespräch und ergreifen wenn nötig auch Schritte.»

Zu den Vorwürfen von Willi Luder äusserte er sich nicht detailliert: «Wir kennen seine Vorwürfe schon seit Langem. Er wohnt in einem sehr sensitiven Gebiet.» Zudem seien die Aussagen widersprüchlich, so habe Willi Luder vor noch nicht allzu langer Zeit behauptet, die Anzahl der Flüge sei deutlich gedrosselt worden, um den Pachtvertrag nicht zu gefährden und nun klage er, er werde schikaniert.

Wittnauer wehrt sich gegen Flughafen Schupfart – mit Inseraten in der «Neuen Fricktaler Zeitung».

Wittnauer wehrt sich gegen Flughafen Schupfart – mit Inseraten in der «Neuen Fricktaler Zeitung».

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