Die Aargauer Gemeinden müssen ein bedarfsgerechtes Angebot an familienergänzender Betreuung sicherstellen und sich an den Kosten «nach Massgabe der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Erziehungsberechtigten» beteiligen. So will es das Gesetz über die familienergänzende Kinderbetreuung, das seit August 2016 in Kraft ist.

Die Kostenbeteiligung der Gemeinde hat Gipf-Oberfrick durch das neue Reglement sichergestellt, das die Gemeindeversammlung vor einem Jahr verabschiedet hat. Danach können die Eltern an die Auslagen für die eine Kostenbeteiligung bei der Gemeinde geltend machen, «falls sie ein gewisses Einkommen nicht überschreiten».

Um den zweiten Punkt, den Bedarf, zu ermitteln, führte Gipf-Oberfrick im letzten Jahr eine Umfrage bei allen Eltern mit Kindern bis zwölf Jahren durch. «Diese hat ergeben, dass ein Bedarf an der Erweiterung des Betreuungsangebots und des Mittagstischs besteht», hält der Gemeinderat in der Botschaft zur Gemeindeversammlung fest. Zudem hat der Souverän an der letzten Gemeindeversammlung einem Überweisungsantrag zugestimmt, der die Erweiterung des Mittagstisches von Montag bis Freitag auf das Schuljahr 2019/20 hin verlangt.

Deutlicher Ausbau

Aktuell gibt es in Gipf-Oberfrick am Dienstag und Donnerstag ein freiwilliges Betreuungsangebot und einen Mittagstisch. Neu schlägt der Gemeinderat vor, das Angebot auf die ganze Woche auzuweiten. Ausser am Mittwochnachmittag soll es jeden Werktag von 7 bis 18 Uhr ein freiwilliges Betreuungsangebot in Form eines Horts geben – inklusive Mittagstisch an allen Tagen.

Die bereits beschlossene Defizitgarantie von 40'000 Franken für den Hort müsse nicht angehoben werden, hält der Gemeinderat in der Botschaft an die Stimmberechtigten fest. «Für den Mittagstisch muss die Defizitgarantie auf 45'000 Franken angehoben werden.» Heute beträgt sie 15'000 Franken. Die deutliche Erhöhung nimmt der Gemeinderat vor, weil die Defizitgarantie den «schlechtesten Fall», also eine schwache Auslastung, abdecken müsse. Der Gemeinderat geht jedoch davon aus, dass bei einer mittleren bis guten Auslastung – das entspricht mindestens 15 bis 20 Mittagessen – die Mehrkosten für das Mittagstischangebot um die 30'000 Franken pro Jahr liegen werden.

Essen kostet zehn Franken

Beide Angebote, also die Schülerbetreuung und der Mittagstisch, sind «einerseits freiwillig und andererseits kostenpflichtig», hält der Gemeinderat weiter fest. Ein Mittagessen inklusive Getränk kostet pro Schüler zehn Franken.

Bei Schülern bis und mit dritten Primar sei die obligatorische Betreuung im Preis inbegriffen, schreibt der Gemeinderat weiter. Eine Stunde Schülerbetreuung am Morgen oder am Nachmittag kostet ansonsten neun Franken.

Lotsendienst festigen

Gleichzeitig mit dem Ausbau der Betreuungsstrukturen will der Gemeinderat auch den Schüler-Lotsendienst beim Gemeindehaus, der seit bald 20 Jahren besteht, verbindlicher regeln. Das Angebot wurde nach einer Petition von Einwohnern gestartet. Die Kosten belaufen sich aktuell auf 17 500 Franken. Dieser Betrag wurde seither jährlich in das Budget eingestellt, «ein Grundsatzbeschluss der Gemeindeversammlung für dieses Angebot fehlt», wie der Gemeinderat festhält. Diesen holt er sich nun ab und will das Angebot zugleich festigen und die Organisation verbessern. Für die Weiterführung des Lotsendienstes beantragt er der Gemeindeversammlung deshalb eine jährliche Defizitgarantie von 20 000 Franken.

Der Gemeinderat ist überzeugt, dass der Ausbau der Betreuungsangebote «die Möglichkeiten im Beruf, der Ausbildung und Freizeit für Familien und Alleinerziehende verbessert», wie er in der Botschaft schreibt. Gleichzeitig werde der Standort Gipf-Oberfrick für Eltern mit Kindern attraktiver. «Die Erweiterung ist für unsere Gemeinde wichtig und die finanzielle Mehrbelastung gegenüber bisher von rund 30'000 Franken ist tragbar.»