«Gradlinig, auch bei Gegenwind»: Dieser Slogan prangt auf der Website von SVP-Grossrätin und -Nationalratskandidatin Désirée Stutz. Angesprochen auf den Gegenwind, lacht die 37-Jährige. «Das fing früh an. Als Mitglied der Jungen SVP war ein Stadtbasler Gymnasium nicht das einfachste Umfeld.» Gegen Ende der 90er-Jahre begann sich Stutz, die im Alter von 12 Jahren mit ihrer Familie vom Basler Claraplatz nach Möhlin gezogen war, vermehrt für Politik zu interessieren. «Am Mittagstisch haben wir zwar die aktuellen Themen diskutiert, doch meine Eltern waren in keiner Partei», blickt sie zurück.
Für sie selber seien die Diskussionen um die Beziehungen zur EU und einen möglichen EU-Beitritt ausschlaggebend für den Weg in aktive Politik und die Parteienwahl gewesen. «Für mich war klar, ich bin bei der SVP am richtigen Ort.» Weniger klar war dies für ihr Umfeld. «Immer wieder hörte ich die Frage: ‹Bist du dir wirklich sicher?›», sagt sie – und fügt an: «Heute wählen die meisten auch SVP.»


«Es ist ein offenes Rennen»


In der Jungen SVP machte Stutz rasch Karriere. War zwei Jahre Vizepräsidentin der JSVP Schweiz und von 2006 bis 2008 gar Präsidentin. «Damals waren die Präsidenten der Jungparteien weniger im Fokus der Medien als heute», sagt sie. Es sei aber die Chance gewesen, Erfahrungen zu machen und Entscheidungsträger der Partei kennenzulernen. Als sie jedoch für ein Auslandsemester im Jurastudium nach Wien ging, gab sie ihr Präsidentinnenamt ab. «Auch wenn ich nur für ein halbes Jahr in Österreich war, ich hätte das Amt in dieser Zeit nicht so ausüben können, wie ich es von mir erwarte.»
Zurück in der Schweiz folgte die typische politische Ochsentour: Vorstandsmitglied der Orts- und der Bezirkspartei, erst Mitglied dann Präsidentin der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission Möhlin und seit 2017 Grossrätin. Nun stellt sich Stutz für den nächsten Karriereschritt zur Wahl: Sie kandidiert für den Nationalrat. «Weil ich voller Energie bin und mir Politik viel Spass macht», sagt sie zur Begründung. «Und weil die Schweiz die Schweiz bleiben soll. Traditionen und die direkte Demokratie sind mir wichtig.»
Die SVP hat im Aargau momentan sieben Nationalratssitze. Nur drei Bisherige stehen erneut auf der Liste, unter ihnen auch Ständeratskandidat Hansjörg Knecht. Stutz steht auf Position acht der Liste und sagt: «Gerade weil in der SVP ein Generationenwechsel ansteht, ist es ein offenes Rennen. Aber meine Wahlchancen sind sicher intakt.» Sie wolle in den Wahlen stimmenmässig den Listenplatz halten, so die Möhlinerin weiter. Einfach wird das nicht. Hinter Stutz auf der Liste befinden sich etwa Jean-Pierre Gallati, Benjamin Giezendanner.

Kochen als Ausgleich


Das heisst nun: Wahlkampf. Sich im Fricktal und darüber hinaus bekannt machen. Sie werde an Veranstaltungen im ganzen Kanton präsent sein, so Désirée Stutz. «Zeigen, welchen Rucksack ich mitbringe und dass ich zu meiner Meinung stehe.» Und natürlich werde sie auch in den sozialen Medien präsent und auf Plakaten zu sehen sein.
Beruflich wäre ein Nationalratsmandat für die selbstständige Anwältin machbar. «Ich müsste sicherlich das Pensum reduzieren», sagt sie. «Aber ich kann ja selber steuern, welche Mandate ich annehme.» Klar ist für Stutz jedoch eines: «Berufspolitikerin kommt für mich nicht infrage.» Zum Ausgleich von Job und Politik nimmt sich die Möhlinerin bewusst Zeit für ihre Hobbys wie Kochen, Backen oder Basteln, aber sie macht auch keinen Hehl daraus, dass sie durch Job und Politik wenig zu Hause sei. «Man muss gewisse Entbehrungen in Kauf nehmen», sagt sie. «Und es braucht einen Partner, der hinter einem steht und einem den Rücken freihält.»
Diesen hat die Nationalratskandidatin seit längerem gefunden. Noch vor den Wahlen im Oktober steht die Hochzeit an. Den Termin hätten sie vor der Kandidatur festgelegt, sagt Stutz lachend. «Aber keine Angst, ich muss die Plakate nicht überkleben. Ich behalte meinen Nachnamen.»