Fricktal

Gefährliche Wanderschaft: Frösche und Kröten erhalten Geleitschutz

Für manche Erdkröten ist der Weg zum Weiher ein Spiessrutenlauf.

Für manche Erdkröten ist der Weg zum Weiher ein Spiessrutenlauf.

Eimer, Tunnel, Strassensperrungen – so sorgen Naturschützer im Fricktal dafür, dass möglichst wenige Amphibien unter die Räder kommen.

Kaum gehen Erdkröten und Grasfrösche auf Wanderschaft, sperrt der Mumpfer Abwart die Kapfstrasse im Bereich des Schulhauses über Nacht. «Seit Dienstag werden die Anwohner umgeleitet. Wir haben sie mit einem Flugblatt informiert. Beschwert hat sich niemand», erzählt Gemeindeschreiber Reto Hofer.

Grund für diese Massnahme ist, dass die Gemeinde damit Geld für den Bau eines Tunnels spart, durch den die Amphibien unter der Kampfstrasse hindurch vom Wald zum Laich-Tümpel gelangen.

Um einem «Froschmassaker» durch Autoreifen entgegenzuwirken, werden auch in anderen Gemeinden Massnahmen ergriffen. So betreibt der Naturschutzverein «Güch» an der Talstrasse in Mettauertal sogenannte «Frosch-Taxen».

Vor einigen Wochen errichteten die Mitglieder ein 200 Meter langes Netz entlang der Strasse, das die Amphibien zu Erdlöchern führt, in denen sich Eimer befinden.

«Seit rund einer Woche tragen zwei Freiwillige immer morgens die Eimer mit den Amphibien über die Strasse. Am Wochenende helfen uns Schulkinder», erzählt Vereinspräsident Ruedi Bölle. 130 Amphibien wurden bereits auf diese Weise transportiert. «Ohne uns würden ungefähr 50 Prozent der Frösche die Strassenquerung nicht überleben», sagt Bölle.

In Frick werden während der Laichzeit auf einigen Waldwegen provisorische Fahrverbote ausgesprochen. Zusätzlich werden dort, wo Frösche und Kröten die Strasse überqueren, Warnschilder aufgestellt. «14 sind es insgesamt», sagt Thomas Zehnder vom Naturschutzverein Frick.

Dass die Schilder jedoch eine positive Wirkung auf die Überlebenschancen, der Frösche haben, bezweifelt er. «Auf das Fahrverhalten der grossen Mehrheit haben die Schilder keinen Einfluss.»

Unterirdisch ans Ziel

In Kaiseraugst hat der Natur- und Vogelschutzverein zwei 100 Meter lange Planen entlang einer Strasse aufgestellt, welche die Amphibien hinter sich lassen müssen, um zum Hardweiher zu gelangen.

Die Planen führen die Amphibien zu zwei Tunneln, die 30 Zentimeter unter der Strasse verlaufen und im letzten Jahr zum ersten Mal von den Amphibien benutzt wurden. «Rund 300 Kröten gelangen so heil zum Hardweiher und wieder zurück», sagt Vereins-Mitglied Urs Wullschleger und schiebt nach, dass ohne die Tunnel 40 bis 50 Prozent der Amphibien unter die Räder kommen würden – dies, obwohl es sich um eine Strasse handelt, die nur für den landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben ist.

«Die Strasse wird oft von Fahrern als Schleichweg benutzt, wenn sie einen über den Durst getrunken haben», erklärt Wullschleger.

In Zeiningen muss der Natur- und Vogelschutzverein keine Massnahmen mehr ergreifen. «Weil wir früher die Amphibien immer über die Kantonsstrasse tragen mussten, haben wir einfach das Biotop auf die andere Strassenseite verlegt», sagt Vereinspräsident Joachim Maass.

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