Fricktal
Sie zahlen noch mit Bargeld? In diesen Fricktaler Gemeinden steht noch ein Bancomat

Die Coronapandemie liess die Bancomatbezüge in den Keller purzeln. Bei der Raiffeisenbank Regio Frick-Mettauertal ging die Zahl der Bezüge im letzten Jahr um mehr als 25 Prozent zurück. Auf die Zahl der Standorte hat sich das (noch) nicht ausgewirkt. Im Fricktal spucken Automaten an 46 Standorten Bargeld aus ‒ an gleich vielen wie 2018. Nicht mehr dabei ist jener in Zeihen ‒ es sei denn, jemand ergreift das Referendum.

Thomas Wehrli
Merken
Drucken
Teilen
Coronabedingt ging im letzten Jahr die Zahl der Bargeldbezüge zurück.

Coronabedingt ging im letzten Jahr die Zahl der Bargeldbezüge zurück.

Christian Beutler / KEYSTONE

Es hat sich ausgezahlt – oder besser: Es hat sich fertig ausgezahlt. Denn nach dem klaren Nein der Stimmberechtigten in Zeihen zu einer Beteiligung der Gemeinde an einem Bancomaten sind die Chancen verschwindend klein, dass die Geldauszahlmaschine im Dorf ein Comeback erlebt.

Zwar besteht noch die Möglichkeit, dass Einwohner gegen den Entscheid das Referendum ergreifen, doch damit rechnet Gemeindeschreiber Gianni Profico nicht. Die Meinungen an der Gemeindeversammlung seien relativ klar gegen eine Beteiligung der Gemeinde gerichtet gewesen, sagt er.

«Die Bevölkerung erachtete es mehrheitlich nicht als Aufgabe der Gemeinde, die Infrastruktur der Raiffeisenbank mitzufinanzieren.»

Deshalb erwartet er nicht, dass das Referendum ergriffen wird.

Sollten doch einige Zeiher am Comeback des Bancomaten arbeiten wollen, haben sie dazu bis am 19. Juli Zeit. So lange läuft die Referendumsfrist. Aktuell sind laut Profico im Stimmregister 784 Personen eingetragen. «Für ein Referendum wären per dato 157 Unterschriften nötig.» Massgebend seien allerdings die Anzahl Stimmberechtigter bei der Einreichung eines Referendumsbegehrens. «Diese dürfte aber nur unwesentlich abweichen», so Profico.

Für den Gemeinderat ist das Thema abgeschlossen

Mit dem Gemeindeversammlungsbeschluss sei das Thema Bancomat für den Gemeinderat abgeschlossen, sagt Profico.

«Dem Gemeinderat war es wichtig, dass die Bevölkerung über dieses Thema abstimmen kann, da der Rückbau des Bancomaten an der Gemeindeversammlung im November 2020 emotionale Wellen warf.»

Offensichtlich sei nicht der Wegfall des Angebots an und für sich der Stein des Anstosses gewesen, so Profico, sondern viel mehr die Art und Weise des scheibchenweisen Rückzugs der Raiffeisenbank im Dorf. Zuerst wurde die Bank in ein Beraterbüro umgewandelt und dann wurde auch dieses im letzten Dezember geschlossen.

Kritik am Entscheid der Bank

Profico spricht Klartext: «Die Raiffeisenbank lebt die Kundennähe in den peripheren Dörfern nur noch, wenn ihr ‹Herz für das Fricktal› rentiert oder die öffentliche Hand mitzahlt.» Als Beispiele nennt er die Standorte Wölflinswil und Sisseln. Für ihn ist klar:

«Genossenschaft geht anders.»

Marc Jäger, Vorsitzender der Bankleitung, hat seit dem Rückbau des Bancomaten immer wieder betont, dass er den Frust der Zeiher durchaus versteht. Die Bank kam auch deshalb auf den Entscheid zurück – allerdings unter der Bedingung, dass die Gemeinde den Automaten mitfinanziert. Was sie nun nicht tut.

Rückbau reiflich überlegt

Man habe sich den Rückbau reiflich überlegt, betont Jäger auf Anfrage nochmals. Ein Grund für den Rückbau war die Nutzung. Der Bancomat in Zeihen sei der am schlechtesten genutzte im ganzen Einzugsgebiet der Bank gewesen, sagt Jäger.

In die Abwägungen einbezogen hat die Bank auch die Kosten für den Weiterbetrieb, die Alternativen zum Bargeldbezug am Bancomaten – Zeiher Raiffeisenkunden, die nicht mehr so mobil sind, können sich Bargeld kostenlos per Post nach Hause schicken lassen – und die Bancomat-Abdeckung im Geschäftskreis. Ein Zurück ist denn auch nicht vorgesehen. Jäger:

«Selbstverständlich ist es aber sowohl Zeihen wie auch allen anderen Gemeinden in unserem Einzugsgebiet möglich, mit Ideen für gemeinsame Lösungen ‒ bei Bancomaten mit Kostenbeteiligung ‒ auf die Geschäftsleitung der Raiffeisenbank Regio Frick-Mettauertal zuzugehen.»

Allerdings dürften es neue Bancomaten in Zukunft schwer haben, denn die Bezüge an den Geldautomaten sind seit Jahren generell rückläufig. Zwischen 2015 und 2019 ging das Volumen der Bargeldbezüge jährlich um rund 4,5 Prozent zurück, wie die NZZ neulich schrieb. Im letzten Jahr sind die Bargeldbezüge dann während des ersten Lockdown sogar massiv eingebrochen, haben sich danach aber wieder einigermassen erholt.

Anzahl der Bezüge ging mehr als 25 Prozent zurück

Das Minus im letzten Jahr ist dennoch happig. «Die Anzahl der Bezüge hat im gesamten Geschäftskreis im Jahresvergleich um etwas mehr als 25 Prozent abgenommen», sagt Jäger für die Raiffeisenbank Regio Frick-Mettauertal. Dagegen haben alle Formen des bargeldlosen Bezahlens weiter stark an Beliebtheit gewonnen. So haben bei der Raiffeisenbank Regio Frick-Mettauertal die Kartentransaktionen im Zuge der Coronapandemie um rund 44 Prozent zugenommen. Jäger bilanziert:

«Insgesamt beobachten wir schon seit Jahren einen klaren Trend weg vom Bargeld.»

Bislang hat sich dieser Trend im Fricktal allerdings noch nicht auf die Zahl der Bancomatstandorte ausgewirkt. Im November 2018 erhob die AZ die Zahl der Standorte und kam auf 46, inklusive der Postfinance-Automaten. Heute sind es nach wie vor 46. Zwar gab es seither Bancomat-Abgänge, aber eben auch Zugänge.

In 19 der 32 Fricktaler Gemeinden gibt es noch mindestens einen Bancomaten.

In 19 der 32 Fricktaler Gemeinden gibt es noch mindestens einen Bancomaten.

So übernahm die Migros Bank in Stein den Bancomatstandort der Raiffeisenbank, als diese ihre neue Filiale im Coop eröffnete. Und auch die Basellandschaftliche Kantonalbank wird zumindest an ihren neuen Filialstandorten Frick und Rheinfelden mit Bancomaten präsent sein. Aktuell steht in 19 der 32 Gemeinden in den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden ein Bancomat.