Fricktal
Grosse Schäden: Die Folgen des starken Schneefalls beschäftigen die Forstbetriebe bis heute

Die Forstbetriebe im Fricktal sind teilweise bis jetzt damit beschäftigt, beschädigte oder umgestürzte Bäume aus dem Wald zu holen. Gerade bei betroffenen Fichten ist das wichtig – sonst droht in wenigen Monaten eine Borkenkäfer-Katastrophe. Wobei es hier auch Grund zur Hoffnung gibt.

Nadine Böni
Merken
Drucken
Teilen
Rolf Treier, Leiter des Forstbetriebs Homberg-Schenkenberg, verzeichnet etwa 2000 Kubikmeter Schadholz.

Rolf Treier, Leiter des Forstbetriebs Homberg-Schenkenberg, verzeichnet etwa 2000 Kubikmeter Schadholz.

Dennis Kalt (20. November 2019)

Rolf Treier lacht. «Eben hat mir die letzte Equipe Bescheid gegeben, dass sie durch ist», sagt der Betriebsleiter des Forstbetriebs Homberg-Schenkenberg. Mit «durch» meint er, dass die Equipe ihre Räumarbeiten nach dem starken Schneefall vom Januar nun abgeschlossen hat. Diese haben somit fast drei Monate in Anspruch genommen. Treier erklärt:

«Bei einem Sturm sind die Schäden oft zentriert. Beim Schneedruck hingegen sind sie über das gesamte Gebiet verteilt.»

Entsprechend aufwendig gestalten sich die Aufräumarbeiten. Prioritär galt es für die Forstbetriebe, die wichtigsten Strassen und Wege freizuräumen – dann den gesamten übrigen Wald zu prüfen und, wo nötig, beschädigte oder umgestürzte Bäume auszuräumen.

Forst- und Bauämter hatten im Januar alle Hände voll zu tun damit, die Strassen von Holz und Schnee zu befreien.

Forst- und Bauämter hatten im Januar alle Hände voll zu tun damit, die Strassen von Holz und Schnee zu befreien.

Hans Christof Wagner (22. Januar 2021)

Ein Viertel der Jahresnutzung

Das Fazit ist teils ernüchternd. «Aufgrund der Rückmeldungen aus den Forstrevieren gehen wir davon aus, dass durch das Schneedruckereignis kantonsweit eine Holzmenge geschädigt wurde, die zirka 20 bis 25 Prozent einer regulären Jahresnutzung entspricht», sagt Nils Osterwalder, Kreisförster im Forstkreis Jura-Fricktal.

Der Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg ist dabei exemplarisch. Treier schätzt die Schäden auf rund 2000 Kubikmeter, was 20 Prozent der Jahresnutzung ausmacht. Betroffen ist auch sogenanntes Stangenholz. Das sind junge Bäume mit etwa 10 bis 20 Zentimetern Stammdurchmesser. Teilweise seien reihenweise Bäume umgeknickt, sagt Treier.

«Das Bild gleicht jenem auf einem Getreidefeld nach heftigem Niederschlag oder Wind.»

Nur ein Teil der jungen Bäume werde sich wieder erholen. Das ist für die betroffenen Forstbetriebe besonders schmerzhaft, denn: «Hinter diesen Beständen steckt viel Aufwand, finanziell wie zeitlich», so Treier.

Hat der Schnee einen positiven Effekt?

Trotz der Schäden können die Forstbetriebe dem Schneefall aber auch etwas Positives abgewinnen. Der Waldboden nämlich wurde so mal wieder richtig durchnässt – und das, sagt der Rheinfelder Stadtoberförster Kurt Steck, tue den Bäumen schlicht gut. «Gerade nach den heissen Sommern und niederschlagsarmen Wintern der letzten Jahre.»

Steck rechnet damit, dass viele Bäume nun etwas gestärkt ins Frühjahr gehen, was wiederum einen positiven Effekt haben könnte: Sie sind so nämlich weniger anfällig für Borkenkäfer. Der sorgte im Fricktal in den vergangenen Jahren ebenfalls für grosse Schäden.

Im Möhliner Gebiet Burstel mussten 2019 aufgrund von Hitzeschäden und Borkenkäfern diverse Bäume gefällt werden.

Im Möhliner Gebiet Burstel mussten 2019 aufgrund von Hitzeschäden und Borkenkäfern diverse Bäume gefällt werden.

Nadine Böni (21. Juni 2019)

Besonders gefährdet sind Fichten. Eine gesunde Fichte könne mit dem Borkenkäfer gut umgehen, sagt Osterwalder.

«Sie produziert Harz und kann damit Käfer abwehren, die sich durch die Rinde nagen.»

Greifen allerdings zu viele Borkenkäfer im gleichen Zeitraum an, kann auch eine gesunde Fichte befallen werden. Deshalb ist es auch jetzt wichtig, beschädigte oder geschwächte Fichten und andere Bäume aus dem Wald zu holen. Dies, damit der Käfer hier keinen Brutplatz findet und es später nicht zu einer Massenvermehrung kommt.

Die Borkenkäferlarven nagen sich unter der Baumrinde durch das weiche Gewebe – die Bäume können absterben.

Die Borkenkäferlarven nagen sich unter der Baumrinde durch das weiche Gewebe – die Bäume können absterben.

Sandra Ardizzone (2. Juni 2020)

Der Käfer fliegt noch nicht aus

Vorderhand helfen könnte dabei das kühle und feuchte Wetter dieser Tage. Die Borkenkäfer machen sich zwar nichts aus Schnee und Kälte. Ein Kältetod droht ihnen erst bei Temperaturen unter minus zehn Grad Celsius über mehrere Tage – aber: Sie verfallen unter sieben Grad Celsius in eine Kältestarre und werden erst bei 15 Grad wieder aktiver. Treier hofft:

«Die aktuelle Witterung dürfte also zumindest den Ausflug der Käfer verzögern.»

Für eine Prognose sei es noch zu früh, sind sich die Förster einig. Zumindest «vorsichtig zuversichtlich» sei er aber, sagt Kurt Steck. Mitentscheidend sei die Witterung in den nächsten Monaten. «Gut für Bäume und schlecht für den Käfer wären ein feuchter und kühler Frühling und ein verregneter Sommer.»