Frick
«Früher konnte man noch alles in die Deponie bringen» ‒ ein Rückblick auf die Geschichte der Deponie Seckenberg

Am Mittwoch fand die 50. Abgeordnetenversammlung des Gemeindeverbandes Abfallbeseitigung Oberes Fricktal (GAOF) statt. Die Geschichte ist von vielen Wandeln geprägt und wird so bald nicht zu Ende sein.

Simon Widmer
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Die Deponie Seckenberg in Frick ist bald voll und muss vergrössert werden.

Die Deponie Seckenberg in Frick ist bald voll und muss vergrössert werden.

Marc Fischer (Oktober 2017).

«Die Gemeinde muss ihre Deponie für 600'000 Franken sanieren!» Nachrichten wie diese konnte man in den letzten Jahren zuhauf in den Aargauer Medien lesen, nachdem der Kanton von 2013 bis 2017 eine Prüfung bei rund 400 Siedlungsabfalldeponien durchgeführt hat. Viele dieser Deponien können heutige Umweltstandards nicht mehr einhalten, weshalb sie saniert werden müssen - auch, weil sie seit rund 50 Jahren nicht mehr in Betrieb sind.

Anfang der 70er-Jahre wurde ein kantonales Deponienverbot für Gemeinden ausgesprochen, weshalb 1972 im Fricktal über eine regionale Lösung debattiert wurde. Am 4. Dezember 1973 kam es dann im Gasthaus Sonne in Eiken zu Gründung des Gemeindeverbandes Abfallbeseitigung Oberes Fricktal, kurz GAOF.

Am Mittwoch hielt die GAOF ihre 50. Abgeordnetenversammlung ab und hatte damit ein Jubiläum. Der Schein trügt aber, denn Jeannette Meier, Sekretärin des GAOF erklärt:

«Für uns ist es kein Jubiläum, wir feiern nicht.»

Grund dafür sei, dass alle vier Jahre zu den Wahlen eine zusätzliche Versammlung stattfand und aktuell aufgrund der Daten des Rechnungsabschlusses sogar zwei Versammlungen im Jahr stattfinden. 50 Jahre sind es erst 2023.

Rolf Keel: «Früher konnte man noch alles in die Deponie bringen»

Die Deponie Seckenberg in Frick ist das Kernstück der GAOF. Auch dort hat sich einiges getan in den nun schon 40 Jahren. Rolf Keel, Betriebsleiter der Deponie, sagt: «Früher konnte man noch alles in die Deponie bringen wie etwa Hausabfälle, heute ist es fast nur noch Schlacke.» Geändert habe sich das 1994, als die Deponielagerung von sogenanntem Siedlungsabfall verboten wurde.

1996 wurde in Buchs AG mit der Abfallverbrennung begonnen. Daraufhin trat die GAOF dem GEKAL, dem Gemeindeverband für Kehrichtbeseitigung Region Aarau-Lenzburg, bei, um auch von der Anlage profitieren zu können. Keel erklärt: «Heute ist es so, dass wir den Abfall der Gemeinden sammeln, um ihn dann in die Kehrichtverbrennungsanlage zu bringen. Von dort wiederum erhalten wir Schlacke, die wir auf unserer Deponie einlagern.»

Aktuell sei allerdings eine Zwischenlösung in Kraft, da das Schlackenkompartiment der Deponie voll sei. «Wir sind mitten in der Planung für die Erweiterung der Deponie. Bis es aber so weit ist, müssen wir die Schlacke im Reaktorkompartiment zwischenlagern, wo normalerweise verunreinigte Erde oder Stoffe deponiert werden.»

Batterien von Elektroautos sind eine grosse Herausforderung

Die Erweiterung sei nötig, auch, weil es Deponien wie Seckenberg noch lange geben werde, wie Rolf Keel sagt:

«Natürlich wird sich die Deponie verändern, das hat sie sich auch schon früher. Wir müssen uns immer neuen Standards der Behörden anpassen und mit der Zeit gehen.»

So werde etwa viel mehr Material wiederverwertet als früher. Jedes Jahr werde die Einlagerungsmasse entmetallisiert und vor dem Endlagern durch verschiedene Methoden gewaschen. Die Zukunft werde auch neue solche Herausforderungen bringen, wie etwa die Entsorgung und dem Recycling der Batterien von Elektroautos. Keel sagt:

«Wir sind Menschen und produzieren immer Abfall. Es liegt an uns, diesen zu minimieren.»