Männerwelt
Frauen auf dem Bau: «Es ist manchmal schon heavy»

Jasmine Hirsig und Julia Sarkissian arbeiten auf dem Bau und damit in einer männerdominierten Branche. Sie erzählen von ihren Erfahrungen, von Macho-Sprüchen – und sagen, was es braucht, um sich durchzusetzen.

Marc Fischer
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Julia Sarkissian arbeitet seit sieben Jahren als Strassenbauerin.

Julia Sarkissian arbeitet seit sieben Jahren als Strassenbauerin.

Marc Fischer

Wer bei sommerlichen Temperaturen im Auto an Strassenbaustellen vorbeifährt, kann sich Angenehmeres vorstellen, als bei 30 Grad Strassenbelag einzubauen. Und doch sagt Jasmine Hirsig (24): «Ich habe es geliebt. Viel mühsamer ist es, wenn es regnet.» Julia Sarkissian (25) sieht das gleich: «Wind und Regen sind am schlimmsten.»

Die beiden jungen Frauen sind «Exotinnen in einer Männerdomäne», wie es Jasmine Hirsig ausdrückt. In einer Zweitlehre haben sie den Beruf der Strassenbauerin erlernt. «Nach der KV-Lehre habe ich gemerkt, dass ich etwas anderes brauche. Ich wollte draussen sein, mehr Bewegung», erklärt Sarkissian ihre Berufswahl. Bei der Ernst Frey AG in Kaiseraugst fand sie – «es ging zack zack» – eine Lehrstelle. Das war vor sieben Jahren. Bereut hat sie ihre Wahl nie.

Mehr Action

Auch Jasmine Hirsig wechselte vom Tiefbauzeichner-Büro nach draussen zum Strassenbau. «Mich hat es schon als Kind nie gestört, wenn ich mir die Hände dreckig gemacht habe», sagt sie lachend, «und nach der Lehre wollte ich mehr Action.» Sie absolvierte – als einzige Frau in der Klasse – die Strassenbauerausbildung bei der Tozzo AG und wechselte nach dieser Zweitlehre zur Erne AG Bauunternehmung in Laufenburg. Mittlerweile drückt sie berufsbegleitend bereits wieder die Schulbank: Sie wird Bauführerin. Es ist ein nächster Schritt auf der Karriereleiter.

Jasmine Hirsig absolviert derzeit die Ausbildung zur Bauführerin.

Jasmine Hirsig absolviert derzeit die Ausbildung zur Bauführerin.

Marc Fischer

In ihren Unternehmen sind die beiden Frauen die einzigen, die auf den Baustellen im Einsatz stehen. Einzig im Magazin oder als Chauffeusen gibt es noch Kolleginnen. Dabei sagt Michael Haug, Geschäftsführer der Ernst Frey AG: «Frauen auf dem Bau sind begrüssenswert. Sie haben oft eine andere, aber trotzdem eine klare Sicht über die Dinge. Wenn sich eine Frau entscheidet, auf dem Bau zu arbeiten, kann sie sich auch durchsetzen.»

Durchsetzungsvermögen gefragt

Durchgesetzt haben sich Hirsig und Sarkissian. «Klar gibt es Macho-Sprüche. Man darf sicher nicht zimperlich sein», so Jasmine Hirsig. Doch sie habe schnell gelernt, sich verbal zu wehren. Und als die männlichen Kollegen gesehen hätten, «dass ichs kann und will», sei auch die Akzeptanz gekommen. Allerdings komme es auch heute noch ab und zu vor, dass sie bei Sitzungen mit Firmenexternen zuerst als Sekretärin eingestuft werde. «Frauen als Bauführerinnen gehören eben noch nicht zum Alltag.»

Ähnliches hat auch Julia Sarkissian erlebt. «Am Anfang wurde ich belächelt», sagt sie, «doch wenn man eine solche Sparte wählt, muss man damit umgehen können.» In einzelnen Teams sei ihr das schwerer gefallen als in anderen, gibt sie zu. Und schränkt dann ein: «Es kann aber auch bei einem Bürojob vorkommen, dass man mit Kollegen nicht auskommt.»

Zur Herausforderung, sich in einer Männerwelt durchzusetzen, kommt die anstrengende körperliche Arbeit. «Es ist manchmal schon heavy», sagt Sarkissian. «Doch viele schwere Arbeiten kann man auch mit Maschinen erledigen.» Zudem habe sie sich mit der Zeit Tricks angeeignet, um Lasten besser heben zu können, ergänzt Hirsig.

Und was raten die beiden anderen jungen Frauen, die mit dem Gedanken spielen, eine Lehrstelle als Strassenbauerin zu suchen? «Sie müssen sich bewusst sein, dass es auch manchmal hart ist», nennt Jasmine Hirsig als Grundvoraussetzung. Das passt auch zum Ratschlag von Julia Sarkissian: «Wenn eine Frau körperlich und psychisch robust ist und Freude an Maschinen hat, dann klappt es.»

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