Möhlin

«Frau Müller soll bleiben» – das neue Stück des Lehrertheaters über eine umstrittene Lehrerin

Die Premiere des neuen Stücks des Lehrertheaters Möhlin ging im «Bata Clubhaus» über die Bühne.

Es geht um das Wohl der Schüler. Die Lehrerin muss die Klasse abgeben. Da sind sich die Eltern der Sechstklässler einig. Oder doch nicht? Das Lehrertheater Möhlin spielt die Komödie «Frau Müller muss weg». Für die Premiere im «Bata Clubhaus» gibt es vom Publikum grossen Applaus.

In der Klasse herrscht Unruhe, die Noten der Kinder werden schlechter, ausgerechnet vor dem Schulwechsel. Die Eltern der Sechstklässler sind sich beim Elternabend einig: Frau Müller muss weg. Eine Lehrerin, die die Kinder in Gesprächskreise zwingt und dort das Privatleben aushorcht, in Therapie geht und gar vor der Klasse weint, ist untragbar. Die dominante Jessica (gespielt von Christine Walser) konfrontiert Frau Müller (Daria Würz) mit dem Anliegen. Um die Probleme aus der Welt zu räumen, bittet die Lehrerin die Eltern aber in den Gesprächskreis, wo nur der reden darf, der den Leuchtstab hält.

Der Gesprächskreis endet im Streit

Das Lehrertheater Möhlin spielt das Stück «Frau Müller muss weg». Eine Komödie von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Als Lehrertheater stehen ehemalige Lehrer und Nichtlehrer aus Möhlin schon seit 1958 auf der Bühne, als das Lehrertheater von Heidi und Marcel Kunz ins Leben gerufen wurde. Regie führt Delia C. Keller, die Theaterpädagogik auf der Zürcher Hochschule der Künste studiert hat. Im Mai haben die Leseproben angefangen und auf der Bühne wurde intensiv seit Anfang August geprobt.

Der Gesprächskreis endet im Streit. Frau Müller wehrt sich dagegen, dass ihre pädagogische Kompetenz angezweifelt wird. Vater Patrick (Paul-David Becker) versucht zu erklären, dass es um ihr Wohl gehe. Die verdutzte Lehrerin stellt klar, dass sie wegen ihres Rückens in die Physiotherapie geht und vor der Klasse nur weinte, weil Patricks Sohn ihr ein Papierkügelchen ins Auge geschossen hatte. Die Lehrerin zieht ab. Die Eltern sind ratlos. Jessica, Patrick und seine Ehefrau Marina (Martina Isenegger) gehen sie suchen, während Katja (Karin Erni) und Wolf (Benjamin Zingg) warten. Frau Müller hat ihre Handtasche vergessen und Wolf sucht darin nach der Notenliste. Er stellt fest, dass die mündlichen Noten seiner Tochter die schriftlichen ausgleichen.

Die anderen kehren zurück und auch bei ihnen ist alles gut. Jessica will den Strategiewechsel: Frau Müller soll bleiben. Das Stück schlägt eine neue Richtung ein, denn nun offenbaren sich die unter den Eltern schwelenden Konflikte. Katja und Wolf hatten eine Affäre. Marina hasst das Leben im Dorf, wohin es Patrick beruflich verschlagen hat. Der aufbrausende Wolf und Jessica kriegen sich über ihre Erziehungsstile in die Haare. Patricks und Marinas verhaltensauffälliges Kind mobbt Katjas hochbegabten Sohn. Da kommt Frau Müller zurück und verkündet, dass sie die Klasse abgeben wird.

Darsteller verändern stets das Bühnenbild

Wie das Stück immer wieder die Richtung ändert, ist auch das Bühnenbild in permanenter Veränderung. Aus verschieden grossen Würfeln bauen die Schauspieler wie nebenbei Tafel, Sitzkreis, Stufen oder einen Thron. Das dichte Beziehungsgeflecht und die alles überlagernden Konflikte sorgen für eine ordentliche Prise Humor.

In das moderne Stück bringt Hausmeister Reiner Saubermann (Daniel Zingg) das Gefühl von traditionellem Volkstheater, wenn der Hausmeister immer wieder reinplatzt und, in seiner eigenen Realität verfangen, von der eigentlichen Diskussion gar nichts mitbekommt. Können die Eltern Frau Müller überreden, die Klasse doch nicht abzugeben?

Das letzte Wort hat auf jeden Fall der Hausmeister, der den Besuchern verkündet, dass die Schule um 22 Uhr schliesst, die Bar aber noch geöffnet bleibt. Grosser Applaus.

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