Möhlin
Forschungserkenntnis: Wie aus einer Eule eine Lerche wird

Beim Wettbewerb «Schweizer Jugend forscht» wurde Vanessa Schwegler in Luzern mit dem zweithöchsten Prädikat «Sehr gut» ausgezeichnet. Sie nahm das Schlafverhalten von Jugendlichen genauer unter die Lupe und entdeckte Überraschendes.

Daniel Wagner
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Vanessa Schwegler erforscht das Schlafverhalten von Jugendlichen und gewinnt mit ihrer Arbeit. zvg

Vanessa Schwegler erforscht das Schlafverhalten von Jugendlichen und gewinnt mit ihrer Arbeit. zvg

«Lassen sich Menschen umpolen? Kann aus einem Nachtmensch ein Frühaufsteher werden?» Diese spannende wissenschaftliche Frage stellte sich Vanessa Schwegler (20) aus Möhlin im Rahmen ihrer Maturaarbeit am Gymnasium St. Leonard in Basel.

Eine kleine Zeitungsnotiz, wonach viele Jugendliche Mühe mit dem morgendlichen Wachwerden bekunden und sich dann tagsüber müde fühlen, hat sie zu dieser spannenden Fragestellung bewogen.

Vanessa Schwegler, die im Spätsommer 2012 ihr Biologiestudium an der Uni Basel begonnen hat, erklärt: «Die Thematik wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Ich bin davon ausgegangen, dass durch regelmässiges Joggen in den frühen Morgenstunden doch einige Veränderungen in Richtung Morgenmensch möglich werden.»

Um genau das herauszufinden, setzte die Jungforscherin bei sechs Probanden im Alter von 18 bis 21 Jahren auf drei Methoden. Ein EEG vor und nach der zweiwöchigen Testphase sollte wertvolle Aufschlüsse über die Leichtschlafphase, die Tiefschlafphase und die Schlafeffizienz liefern.

Dabei zeichnet das Elektroenzephalogramm mittels Elektroden die Hirnaktivität während der Nacht exakt auf.

Wichtige Grundlage für die Schlussfolgerungen war das mit fünf Fragen versehene Tagebuch, welches die Jugendlichen führen mussten. Darin gab es Fragen zum Aufstehen, Konzentrationsverhalten, zu der Müdigkeit tagsüber und zum Einschlafverhalten gaben ihr Aufschluss.

Als drittes Element kam ein wissenschaftlicher Fragebogen dazu, den die Probanden vor und nach der Testphase ausfüllen mussten. «Anhand dieser Befragung konnte der Schlaftyp charakterisiert werden.

Vanessa Schwegler erläutert: «Den Lerchen fällt es leicht, morgens rasch aufzustehen, sind in den Morgenstunden lernfähig. Hingegen kommen Eulen nicht so leicht aus den Federn. Sie beginnen erst nachmittags mit Dingen, bei denen sie die volle Konzentration benötigen. Ausserdem fällt es ihnen auch manchmal schwerer, schnell einzuschlafen.»

Originelle Vergleiche. «Ganz bewusst habe ich meine Probanden nicht im Detail über mein Vorhaben informiert, um eine Beeinflussung zu vermeiden.»

Teilgenommen am Jogging-Experiment hat übrigens auch Vanessa Schwegler selber: «Ich wollte wissen, wie sich die Probanden fühlen und wie sich mein Tag-/Nacht-Verhalten verändern würde, um mich besser mit der Materie auseinandersetzen zu können. Um die Daten nicht zu verfälschen, floss mein Fragebogen nicht in die Forschung ein.»

Interessant: Beim Tagebuch änderten sich alle vier Bereiche mit einer Tendenz zur Lerche. Vanessa Schwegler sagt dazu: «Die Ergebnisse sind nicht signifikant, was auch an der sehr kleinen Stichprobe liegt.

Die Jugendlichen fühlten sich morgens, während der Testphase, schneller munter, konnten sich länger konzentrieren und fühlten sich tagsüber weniger müde. Am Abend konnten sie schneller einschlafen.»

Zudem sei ihre Schlafeffizienz angestiegen. Dasselbe treffe für Dauer des Tiefschlafstadiums zu. In dieser Phase erhole sich der Körper am meisten.

Dankbar zeigt sich Vanessa Schwegler gegenüber den Universitätspsychiatrischen Kliniken Basel (UPK): «Ohne die logistische Unterstützung durch den Psychologen Serge Brand hätte ich mein Projekt nicht so optimal durchführen können.»

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