Wittnau/Oeschgen

Feuer und Flamme: Dieses Brauchtum gibt es am Wochenende zu bestaunen

Am Sonntag findet in Wittnau das Fasnachtsfeuer und in Oeschgen das Scheibensprengen statt. Die Vorbereitungen sind auf Kurs.

Am Sonntag wird mit dem Fasnachtsfeuer eine alte Rivalität im Dorf entflammt, wenn Hunderte von Fackeln entzündet und die Flammensujets von Ober- und Unterdorf auf den Wittnauer Hängen sichtbar werden. «Das Ziel ist es, bei den Motiven Bezug zu einem aktuellen Thema zu nehmen und in Sachen Originalität und Eindrücklichkeit die andere Dorfhälfte zu übertreffen», sagt Carlo Schmid, Präsident des Trägervereins Unterdorf.

Auf welche Thematik das jeweilige Sujet Bezug nimmt, wird erst ersichtlich, wenn nach einem lauten Böllerknall das Feuerspektakel um 20  Uhr beginnt. Als kleinen Hinweis für das Unterdörfler-Sujet nennt Carlo Schmid «E-Mobilität» als Stichwort.

Bereits hergestellt haben die Unterdörfler die rund 130 Fackeln. Hierbei wird Baumwolle um einen Metallstab gewickelt und mit Draht befestigt, bis ein Knäul entsteht. «Weil wir die Fackeln in Petroleum tränken, kann auch starker Regen dem Feuer nichts anhaben», sagt Schmid. Für das Flammenmotiv werden die Fackeln an einem 20 Meter breiten und acht Meter hohen Holzgerüst befestigt, dass die Unterdörfler am Samstag zusammenbauen werden.

Den Gegner verspotten und einschüchtern

Zur guten Tradition gehört es auch, dass nach dem Anzünden der Sujets auf dem zwei Kilometer langen Fackelmarsch in Richtung Dorf Lieder und Verse gesungen werden, um den jeweiligen anderen zu verspotten und ihn einzuschüchtern, erzählt Sven Brogli, Vizepräsident des Trägervereins Oberdorf. «Zur Verspottung der Unterdörfler dient auch ein Stoffbild, auf dem zu sehen ist, wie diese verlieren.» Das Motiv zeigt in Anlehnung an das Wittnauer Wappen einen Adler, der einen grillierten Vogel in seinen Klauen hält.

Bis heute ist der Ursprung des Wittnauer Fasnachtfeuers noch nicht ganz geklärt. Historiker gehen jedoch von einem heidnischen Brauch aus, um den Winter zu vertreiben. Im Dorf wird auch die Geschichte erzählt, dass man früher keinen Fackelumzug machte, sondern dass man stattdessen brennende Autopneus in das Tal rollen liess.

In Oeschgen sind 18 Scheibensprenger aktiv

In Oeschgen wollen die Scheibensprenger mit ihrem Brauchtum, das seit 1969 ununterbrochen durchgeführt wird, das Böse vertreiben. «Anfang der 1940er-Jahre liess ein Pfarrer den heidnischen Brauch verbieten. Knapp 30 Jahre später haben drei Oeschger den Brauch nach einem sonntäglichen Frühschoppen wieder eingeführt», sagt Scheibenspringer Josef Hauswirth.

18 aktive Scheibensprenger gibt es derzeit im Dorf. Auch in diesem Jahr haben sie fast 1000 handtellergrosse Scheiben geschnitzt. Diese werden angezündet und mit einer Haselrute über eine Rampe talwärts in Richtung Autobahn geschossen. Je nach Wind fliegen die Scheiben bis zu 200 Meter weit. «Zuweilen beobachten wir Autofahrer, die auf dem Pannenstreifen halten, um die Scheiben zu beobachten. Vermutlich, weil sie sich wundern, was dort am Himmel fliegt», erzählt Hauswirth.

Seit 1977 gehört zum Scheibensprengen ein mit Stroh umwickeltes Rad von vier Metern Durchmesser, das hell lodernd durch eine Stange gedreht wird. Das Rad steht für die Sonne und das Winterende. Auch falls es regnen sollte, wird das Rad, das in Petroleum getränkt ist, brennen. «Wenn es trocken bleibt, rechnen wir mit bis zu 300 Besuchern», sagt Hauswirth.

Autor

Dennis Kalt

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