Nationalratswahlen

FDP-Nationalrats-Kandidaten im Vergleich: wer den Kruzifixen an den Kragen will

Wie ticken die Fricktaler Nationalratskandidaten?

Wie ticken die Fricktaler Nationalratskandidaten?

Die AZ vergleicht die Spider-Profile der Fricktaler Kandidaten auf den Hauptlisten der grossen Parteien. Heute: die FDP.

Die Ausgangslage für die Nationalratswahlen ist bei der FDP spannend. Die Partei hält aktuell drei Nationalratssitze. Am 20. Oktober treten mit Thierry Burkart und Matthias Jauslin aber nur zwei zur Wiederwahl an; Corina Eichenberger verzichtet. Burkart tritt zugleich als Ständeratskandidat an. Wird er ins Stöckli gewählt, könnten also sogar zwei Neue für die FDP in die grosse Kammer einziehen – immer vorausgesetzt, die FDP kann ihre drei Sitze halten, was durchaus realistisch ist.

Dann könnte die Stunde von Gaby Gerber schlagen. Sie startet zwar nur von Listenplatz 8 aus, doch ihr ist ein Sprung nach vorne zuzutrauen. Sie selber schätzt ihre Wahlchancen allerdings als «sehr klein» ein. Ähnlich tönt es von ihrem Fricktaler Parteikollegen, Bruno Tüscher, der vom letzten Listenplatz aus startet. Seine Chancen seien gering, sagt er.

Doch wo stehen die beiden im politischen Spektrum? Wo ticken sie gleich und wo anders? Die Onlinewahlhilfe Vimentis gibt eine Einordnung. Auf der politischen Karte steht Tüscher klar weiter rechts als Gerber, die dafür liberaler als Tüscher unterwegs ist. Auf der Liberal-konservativ-Achse landet der Gemeindeammann von Münchwilen exakt auf der Achse.

Bruno Tüscher

Bruno Tüscher

Erheblich sind die Unterschiede zum Teil auf dem Spider; das Spinnennetz bildet die Position zu acht Themenfeldern ab. Gerber steht deutlich stärker als Tüscher für mehr Umweltschutz und eine aussenpolitische Öffnung ein, derweil Tüscher eine etwas restriktivere Linie bei der Finanzpolitik und beim Rechtssystem verfolgt.

Der politische Spider von Bruno Tüscher

Der politische Spider von Bruno Tüscher

Seine Ausländerpolitik verfolgt einen etwas strikteren Kurs als jene von Gerber und er wünscht sich noch etwas stärker als Gerber eine freie Wirtschaft. Wobei: Dieser Wert ist, im Vergleich mit anderen Parteien, bei beiden relativ hoch, was ja auch ein urliberales Anliegen ist.

Vergleicht man die Antworten zu den 73 Fragen, die dem Spider zugrunde liegen, so haben Gerber und Tüscher 14 unterschiedlich beantwortet, das heisst der eine sagt bei einer Frage (eher) Ja, der andere (eher) Nein. Das ist knapp jede fünfte Frage. Die AZ fokussiert in dieser Auswertung auf diese Fragen.

Parteispenden ab 10 000 Franken offenlegen? Kandidaten uneins

Tüscher spricht sich klar dafür aus, dass Angestellten im Öffentlichen Dienst mit Kontakt zur Bevölkerung das Tragen von religiösen Symbolen wie Kruzifixe, Kippas oder Kopftücher verboten werden soll, Gerber ist eher dagegen. Gerade umgekehrt stehen die Vorzeichen bei der Frage, ob Parteien Spenden und Beiträge von über 10 000 Franken offenlegen sollen; hier sagt Tüscher klar Nein, Gerber eher Ja.

Nichts hält Tüscher auch davon, dass für Kinder im Kindergartenalter eine Impfpflicht gelten soll. Auch das kann sich Gerber zumindest vorstellen. Dafür will die Leiterin Kommunikation bei Feldschlösschen nichts davon wissen, dass jede Art von Werbung für Tabakprodukte, die Kinder und Jugendliche erreicht, verboten werden soll. Hier kommt von Tüscher ein eher Ja.

Eine Frage, die am Bildungshorizont immer wieder auftaucht, ist jene nach der Benotung von Erstklässlern. Tüscher findet die Idee gut, Gerber nicht. Dafür will er nichts wissen von einer 12-wöchigen Elternzeit, die zusätzlich zum Mutterschaftsurlaub eingeführt wird. Gerber sagt dazu eher Ja – wie auch bei der Frage, ob die Schweiz jährlich 12 Milliarden Franken zusätzlich in erneuerbare Energien investieren soll; auch hier kommt von Tüscher ein klares Nein.

Er hält ebenfalls nichts davon, die industrielle Massentierhaltung in der Schweiz zu verbieten. Gerber kann sich das zumindest vorstellen. Sie ist auch eher dafür, dass Parallelimporte von Medikamenten zugelassen werden; hier kommt von Tüscher ein eher Nein.   

Gaby Gerber

Gaby Gerber

Klar dagegen ist er, dass künftig auch Online- und Print-Medien aus den Mitteln der Radio- und Fernsehabgabe unterstützt werden, sofern sie auf lokaler oder regionaler Ebene Service-public-Leistungen erbringen. Gerber setzt hinter die Frage ein einfaches +, ist also eher dafür.

Der politische Spider von Gaby Gerber

Der politische Spider von Gaby Gerber

Summa summarum beantwortet Tüscher 47 der 73 Fragen mit einem klaren Ja oder Nein, also einem ++ oder einem --, bei Gerber sind es 31. Hohe Werte, also eine klare Ansage, gibt es auch bei den zwei Fricktaler SVP-Kandidaten (44 und 61 Fragen), bei der GLP (33 und 45 Fragen) und bei der SP (58 und 65 Fragen). Nur bei der CVP, die als einzige der grossen Parteien drei Fricktaler Kandidierende auf der Hauptliste hat, gab es lediglich bei 8, 13 und 38 Fragen klare Ja oder Nein.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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