Kaisten
«Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind grosszuziehen»

Die Kaister Jugendkommission will mit Unterstützung eines externen Fachberater die künftige Ausrichtung der Jugendarbeit im Dorf abklären. Dazu finden Workshops an der Schule und ein Word Café für die Öffentlichkeit statt.

Susanne Hörth
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Die Jugendkommission Kaisten (es fehlt der externe Berater Arsene Perroud).

Die Jugendkommission Kaisten (es fehlt der externe Berater Arsene Perroud).

Stellt ein Dorf Angebote für seine Jugend bereit, sind es in den allermeisten Fällen Erwachsene, die über die Art dieser Angebote planen und entscheiden. Geht es letztlich doch auch um die Finanzierung solcher Projekte. Bei der zurzeit laufenden Bedarfsabklärung für eine zukünftige Ausrichtung der Jugendarbeit im Dorf sind es bei der dafür zuständigen Kommission auch Jugendliche selbst, welche die Interessen ihrer Altersgruppe vertreten.

Die drei Oberstufenschüler Svenja Gujer, Valmir Elshani und Florian Blaser, die seit Sommer 2012 der Kaister Jugendkommission angehören, stellen eine wichtige Schnittstelle zwischen ihren erwachsenen Kommissionskollegen und ihren Altersgenossen her.

Der Jugendkommission gehören weiter vonseiten Gemeinderat Marco Zaugg, vom Jugendverein Rendez-vous Daniel Müller, von der Schulpflege Willi Burkhalter und von der Lehrerschaft Sandra Schmid an. Als externer Berater und Fachmann für Jugendfragen ergänzt Arsène Perroud das Team. An der Pressekonferenz von Mittwochabend konnte er aus privaten Gründen nicht teilnehmen.

Mit ihrer Bedarfsabklärung, die sich an einen sehr engen Zeitfahrplan orientiert, will die Jugendkommission gemeinsam mit Arséne Perroud in Erfahrung bringen, ob das bestehende Angebot für junge Leute im Dorf genügt oder aber in welche Richtung es sich weiterentwickeln kann. Anhand von verschiedenen Aktionen soll nun der Puls der Zielgruppe selbst, aber auch jener der Vereine (leisten heute schon eine grosse Jugendarbeit), der Behörden, Lehrerschaft, Eltern und anderen Schlüsselpersonen gespürt werden.

Juko-Mitglied Daniel Müller reflektierte kurz das bereits bestehende Angebot für junge Leute im Dorf. Dazu gehören insbesondere die Aktivitäten des Vereins Rendez-Vous, die Box (ein instand gestellter Baucontainer) aber auch die Jugendarbeit der Vereine.

Müller machte in seinen Ausführungen aber auch deutlich, dass die bestehenden Angebote sehr viel ehrenamtliche Arbeit erfordern und dass «eine Jugendkommission als strategisches Organ nicht die örtliche Jugendarbeit umsetzen kann.»

Sie stosse mit den bereits vorhandenen Aktivitäten oft an zeitliche und fachliche Grenzen. «Es kann nicht sein, dass aus Kostengründen, rein ehrenamtliches Engagement genutzt wird, damit dem Leitbild des Gemeinderates Rechnung getragen kann und Jugendpolitik umgesetzt ist», so Müller. Er betonte aber auch, dass vonseiten Gemeinderat schon länger grosse Bereitschaft und Mitwirken für ein gutes Jugendangebot im Dorf gezeigt werde.

Aus Sicht der Jugendkommission sei eine, so Müller, der sich seit vielen Jahren für die Interessen der Dorfjugend engagiert, eine bedarfsgerechte Professionalisierung der Jugendarbeit unumgänglich. Auch das Treffangebot für junge Leute von 12 bis 20 Jahren müsse ausgebaut werden. Unter anderem betonte Müller auch, dass die Jugendarbeit mit der Schule besser vernetzt werden soll.

Wichtig sei, so Gemeinderatsmitglied Marco Zaugg, die Bevölkerung in den ganzen Prozess miteinzubeziehen. Er zeigte auf, welche Aktivitäten in der nahen Zukunft geplant sind. So findet bereits am 13. März ein Workshop mit den Kaister Oberstufenschülern statt (Bedürfnisse der Jugendlichen selbst). Gleichentags werden mit jungen Leuten ab 16 Jahren sogenannte Leitfadeninterviews zum Thema offene Jugendarbeit durchgeführt.

Für das World Café am 23. März von 9 bis 13 Uhr wurden bereits diverse Leute direkt angeschrieben (Lehrer, Behörden, Eltern, Jugendpolizei, Vereine, Soziale Dienste, Geschäfte usw.). Teilnehmen können aber auch Interessierte aus dem Dorf, ohne dass sie dafür extra eingeladen wurden.

«Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind grosszuziehen», zitierte Daniel Müller ein afrikanisches Sprichwort und machte damit deutlich, dass es eine gute Jugendarbeit nur funktionieren kann, wenn möglichst viele Leute am gleichen Strick ziehen.

Die Verantwortlichen richten sich nach einem ambitionierten Zeitplan. Die gesammelten Daten und Erkenntnisse sollen von Arsène Perroud mit einem entsprechenden Umsetzungskonzept bereits Mitte 2013 dem Gemeinderat vorgelegt werden. Zeigt sich, dass ein Bedürfnis nach einer ausgebauten, möglicherweise professionalisierten Jugendarbeit für Oberstufenschüler und junge Erwachsene bis zirka 20 Jahre vorhanden ist, möchte der Gemeinderat bereits an der Wintergemeindeversammlung 2013 den entsprechenden Umsetzungskredit beantragen. Das Geplante soll der Kaister Bevölkerung zuvor dann an einer Informationsveranstaltung vorgestellt werden. 2014 soll mit der offenen Jugendarbeit gestartet werden.

Im Budget 2013 ist ein Betrag von 12 000 Franken für eine Bedarfsabklärung mit Umsetzungskonzept « Jugendarbeit festgesetzt. «Der Kanton erstattet uns an diese Kosten rund 40 Prozent zurück», erklärt Gemeinderat Zaugg. Bereits bis zu den Sommerferien muss wieder eine Eingabe beim Kanton erfolgen für eine finanzielle Unterstützung bei einer möglichen Umsetzung der Kaister Jugendarbeit